Max Verstappen - Red Bull - GP Türkei 2020 - Istanbul - Qualifying xpb
Lance Stroll - Racing Point - Formel 1 - GP Türkei - Istanbul - Samstag - 14.11.2020
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Verstappen sauer nach Platz zwei in Türkei-Quali

Verstappen sauer nach Platz zwei Red Bull verflucht Intermediate-Reifen

Mercedes schwächelt, doch Red Bull ist nicht zur Stelle. Max Verstappen musste in der Qualifikation zum GP der Türkei dem verkappten Mercedes von Lance Stroll den Vortritt lassen. Der WM-Dritte verlor eine sicher geglaubte Pole Position auf den Intermediate-Reifen.

Bis zum dritten Qualifikationsteil lief das Rennwochenende nach dem Geschmack von Red Bull. Max Verstappen war der Schnellste in beiden Freitagstrainings auf einer trockenen Strecke. Am Samstagvormittag eroberte der neunmalige GP-Sieger den Kurs vor den Toren Istanbuls im Nassen. Verstappen hängte die Konkurrenz um fast eine Sekunde ab.

Im Gegensatz zu Mercedes verstand es Red Bull, wie man die Reifen auf dem aalglatten Asphalt im Istanbul Park wenigstens halbwegs auf Temperatur bringt. In der Qualifikation setzte sich Verstappen in Q1 und in Q2 durch. Mit komfortablem Abstand. Kein Fahrer stellte sich lange besser auf den schmierigen Untergrund und die wechselnden Verhältnisse ein als Verstappen.

Keiner traf die Kurvenscheitelpunkte auf der glatten Oberfläche so zuverlässig wie der fliegende Holländer. Keiner meisterte das Ratespiel, wo sich der wenige Gruppe unter der nassen Asphaltdecke versteckte, so gut. Bis zum letzten Qualifikationsdurchgang. Im entscheidenden Moment riss Red Bull der Faden.

Mercedes war zwar kein Gegner, sondern satte fünf Sekunden langsamer, aber Racing Point schwang sich zu einem Konkurrenten auf. Ausgerechnet das Team, das einen verkappten Mercedes in Pink fährt. Ironie der Geschichte. Lance Stroll und Sergio Perez flogen auf den Intermediate-Reifen, während Verstappen haderte. Plötzlich verlor das Auto mit der Startnummer 33 an Haftung. Und Verstappen entglitt die Pole Position, die eigentlich für ihn bestimmt war. "Zum ersten Mal sitze ich in dieser Saison bei einer Pressekonferenz und bin nicht glücklich darüber. Das sagt alles. Wir hätten die Pole holen müssen", konstatierte ein saurer Fahrer.

Max Verstappen - Red Bull - GP Türkei 2020 - Istanbul - Qualifying
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Auf den Vollregenreifen war Max Verstappen klar der schnellste Fahrer im Feld.

Q1 als Hinweis für Schwäche

Es war eine Qualifikation, die Geduld erforderte und von der richtigen Reifenwahl und den Temperaturen bestimmt wurde. Der ohnehin schon rutschige Asphalt wurde durch Regen noch rutschiger. Das Wasser drückte das Öl aus dem neu verlegten Teer und ließ es wie einen Film auf dem Asphalt schwimmen. Der Red Bull harmonierte nur mit einem Reifentyp. Der Vollregenreifen funktionierte, während Verstappen auf den grünmarkierten Intermediates für weniger Wasser überhaupt keinen Rhythmus fand.

Man merkte es schon im ersten Durchgang. Red Bull startete in Q1 auf den Intermediates und wäre beinahe an der ersten Hürde gescheitert. Zwei Unterbrechungen ließen den WM-Zweiten der Team-Weltmeisterschaft um seinen Starfahrer zittern. Verstappen befand sich auf dem 15. Platz nahe dem Abgrund. Doch nach dem zweiten Neustart sprang der Niederländer bis an die Spitze – den Vollregenreifen sei Dank.

In Q2 flog Verstappen der Konkurrenz auf dem gleichen Reifentyp auf und davon. Doch je länger die Autos fuhren, desto stärker trocknete der Asphalt ab. Im letzten Durchgang bildete sich sogar so etwas wie eine trockene Linie an manchen Stellen. Plötzlich waren die Intermediates die bessere Wahl. Sergio Perez machte es allen vor. Der Mexikaner unterbot Verstappen um drei Zehntel.

Max Verstappen - Red Bull - GP Türkei 2020 - Istanbul - Qualifying
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Selten schmerzte Verstappen ein zweiter Platz so sehr wie in Istanbul.

Intermediate kein Red Bull-Reifen

Die Geschwindigkeit des Racing Point verleitete Red Bull, sechs Minuten vor Torschluss auf Intermediates umzustecken. Das war im Nachhinein wohl ein Fehler. Man hätte Verstappen besser auf den Regenreifen gelassen. Der schnellste Mann des Wochenendes hätte wahrscheinlich den Reifennachteil kaschiert. "Dann wären wir wahrscheinlich trotzdem auf Pole gestanden, obwohl es für die Bedingungen der schlechtere Reifen war", glaubt Red Bulls Sportchef Helmut Marko. Die Intermediates stutzten dem Red Bull die Flügel.

Verstappen beschreibt seine Probleme. "Wir haben schon in Q1 gemerkt, dass der Intermediate nicht zu unserem Auto passt. Auf den Vollregenreifen hatte ich ein viel besseres Gefühl und viel mehr Grip. Auf den Intermediates hatten die Vorderreifen keine Haftung. In den schnellen Kurven war es in Ordnung, aber ansonsten ziemlich schwierig. Vor allem in den langsamen Kurven, wo das Wasser noch stand."

Vielleicht werden Sie sich fragen, wie es sein kann, dass ein Auto, das teilweise zwei Sekunden schneller ist als alle anderen, so stark von einem anderen Reifen eingebremst werden kann. Doch Formel 1-Reifen sind eine Wissenschaft für sich. Es reichen schon Kleinigkeiten, um die Autos aus ihrer Komfortzone zu schütteln. Durch den Intermediate-Reifen verändert sich im Vergleich zum Full Wet zum Beispiel die Bodenfreiheit. Das verschiebt die Aero-Balance. Und kleinste Abweichungen können dazu beitragen, dass der Fahrer die Reifen nicht mehr anzünden kann.

Räikkönen im Weg

Vor allem nicht, wenn noch ein anderer Fahrer im Weg steht. Nach dem Reifenwechsel hatte Verstappen zwar noch Zeit für drei gezeitete Runden, allerdings Kimi Räikkönen vor sich. "Der Zeitpunkt war ärgerlich. Max steckte eineinhalb Runden hinter ihm fest. Das schadet den Reifentemperaturen", ärgert sich Marko. Sein Starfahrer will das nicht als Ausrede gelten lassen. "Sicher haben die Reifen hinter dem Alfa gelitten. Aber der Intermediate funktionierte generell nicht an unserem Auto. Bei anderen schon. Und das müssen wir verstehen und das Problem beheben."

In der letzten Runde kombinierte Verstappen seine drei persönlich schnellsten Sektoren des Nachmittags zu einer Rundenzeit von 1:48.055 Minuten. Zu wenig, um Stroll zu schlagen. Es fehlten 0,290 Sekunden. "Leider hatte Max einen Quersteher in Kurve sieben, der ihn sechs Zehntel kostete", rechnete Teamchef Christian Horner vor. Red Bulls Speerspitze war die Nummer zwei im ersten und zweiten Streckenabschnitt und die Nummer drei im letzten. Dort jedoch ungewohnt hinter dem Teamkollegen. In den letzten Kurven ging die Pole mit verloren. Trotzdem ist Verstappen der Favorit auf den Rennsieg. Mercedes liegt auf den Startplätzen sechs und neun weit zurück.

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