Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Frankreich 2021 Motorsport Images
Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Frankreich 2021
Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Frankreich 2021
Verstappen & Perez - Red Bull - Formel 1 - GP Frankreich 2021
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Red Bull trickst Mercedes aus: Rache für Barcelona

Red Bull trickst Mercedes aus Die Rache für Barcelona

GP Frankreich

Red Bull und Mercedes lieferten sich die nächste Schlacht. Nach 53 Rennrunden sah Max Verstappen als erster Pilot die Zielflagge – vor WM-Rivale Lewis Hamilton. Red Bull taktierte goldrichtig. Vier weitere Faktoren ermöglichten den dritten Saisonsieg: der erstarkte Honda-Motor, der kleine Heckflügel, der pflegliche Umgang mit den Reifen – und vor allem der Teamkollege.

Dieses Rennen erinnerte von seiner Dramaturgie an den Grand Prix von Spanien. Red Bull gegen Mercedes, Max Verstappen gegen Lewis Hamilton, die Fortsetzung des Duells der Giganten. Dieses Mal mit dem besseren Ausgang für Red Bull. Zunächst war wieder Hamilton im zweiten Teil des Rennens der Jäger. Doch in Frankreich ließ sich Red Bull den Sieg nicht mit einem Taktik-Kniff der silbernen Rivalen nehmen.

Dieses Mal beugte Red Bull vor, zitierte Verstappen in der 32. Runde zum zweiten Stopp und überließ Mercedes die zwischenzeitliche Führung und die Einstopp-Taktik. In Barcelona war es noch umgekehrt. Da hatte Mercedes den zweitplatzierten Hamilton zu einem weiteren Reifenwechsel geholt, und der Weltmeister überrannte den Niederländer auf frischen Reifen in der Schlussphase. Jetzt musste Verstappen aufholen – und er überholte Hamilton in der 52. von 53 Runden in Kurve acht.

Verstappen & Perez - Red Bull - Formel 1 - GP Frankreich 2021
Red Bull
Max Verstappen bedankte sich bei Teamkollege Sergio Perez für die Hilfe.

Perez im Dunstkreis der Mercedes

Red Bull jubelte über den dritten Saisonsieg seines großen Hoffnungsträgers, und den dritten in Serie als Team. "Das war unsere Rache für Barcelona", erklärte Teamchef Christian Horner. "Unsere Autos waren ziemlich gleichwertig. Unsere Strategie war heute die bessere." Es gab einen großen Unterschied zu Barcelona. Red Bulls Schachzug konnte nur aufgehen, weil das zweite Auto mitspielte. Sergio Perez bewegte sich zu jeder Zeit im Boxenstoppfenster der Mercedes, und verhinderte, dass die Weltmeister selbst aktiv werden konnten.

Das war in Spanien noch ganz anders. "Ohne Perez im Weg hätten wir mit mindestens einem Auto einen frühen zweiten Stopp eingelegt. Dann wäre Red Bull in die Probleme geraten, in die wir später selbst kamen", erklärt Mercedes-Teamchef Toto Wolff. Nämlich dass hinten heraus die Reifen eingehen.

Natürlich ist es immer mit Risiko verbunden, den Führenden zum Reifenwechsel zu bitten, vor allem auf einer Strecke, auf der Überholen nicht gerade eine einfache Übung ist. Doch gegen Rennmitte sprach einiges dafür, dass zwei Boxenstopps an diesem Tag der schnellere Weg ins Ziel sein könnten.

Eigentlich prognostizierten die Strategen ein klassisches Einstopprennen mit der Reifenfolge medium-hart. Doch mehrere Faktoren bewirkten eine Umgewichtung bzw. ein Umdenken. Die grüne Strecke, der geringe Grip, die aufgeblasenen Reifen, die unerbittliche Jagd an der Spitze. Aus einem Langweiler wurde so ein großer Schlager. Schlussendlich schwenkten aber nur Verstappen und Charles Leclerc auf eine andere Taktik um.

Wind macht Red Bull Leben schwer

Am Sonntagvormittag hatte Regen den Gummi vom Asphalt gespült. Der neu verlegte Belag auf dem Großteil der Strecke war deshalb wieder so rutschig wie am Freitag im ersten Training. Der böige Wind erschwerte den Fahrern das Leben auf dem glatten Geläuf. "Es war schwer, das Auto stabil zu halten. In einer Runde passte die Balance, in der nächsten nicht mehr", berichtete der Rennsieger. Perez tat sich noch schwerer als der Teamkapitän. "Das Auto war fast unfahrbar."

Wind ist nicht gerade ein Freund des Autos mit der höchsten Anstellung im Feld. "Je leichter das Auto wurde, desto besser sind wir damit klargekommen", rapportierte Sportchef Helmut Marko. Das hohe Tempo an der Spitze quälte die Reifen. Red Bull und Mercedes gönnten sich gegenseitig keine Verschnaufpause. Pirellis hoch verordnete Reifendrücke nach den Schäden von Baku verringerten die Auflagefläche, damit den Grip und sorgten für eine Tendenz zum Graining und zum Überhitzen. Die langgezogenen Highspeed-Kurven 10 und 11 drangsalierten den linken Vorderreifen.

Das Pingpong zwischen den WM-Rivalen begann bereits am Start. Verstappen und Hamilton kamen gleich gut aus ihrer Startbox, doch dann erwischte der Rückenwind den 23-Jährigen im Red Bull auf dem falschen Fuß. "Wir dachten, dieses Häkchen bereits gesetzt zu haben, dann passiert das", ärgerte sich der Teamchef. "Mir ist einfach das Heck weggerutscht. Ich habe es versucht, einzufangen, es aber leider nicht mehr ganz geschafft." Die Einlage beförderte ihn neben die Strecke, auf die Verstappen hinter den gelben Pollern zurückkehrte.

Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Frankreich 2021
Red Bull
Red Bull machte mit den Timings der Boxenstopps alles richtig.

Vorbei beim ersten Boxenstopp

Danach glotzte der WM-Führende in das Heck des Mercedes mit der Startnummer 44. Und Hamilton schaffte es, den Vorsprung bis zu den Boxenstopps kontinuierlich bis auf drei Sekunden auszubauen. "Es fiel Max schwer, nah dranzubleiben." Was daran lag, dass der Red Bull in der verwirbelten Luft des Mercedes fahren musste. Der Frontflügel wird nicht sauber angeströmt, der Anpressdruck sinkt. Verstappen kämpfte zudem mit einem übersteuernden Heck.

Den ersten Strategie-Zug machte Mercedes. Valtteri Bottas steuerte in Runde 18 die Box an, um Verstappen mit einem Undercut zu knacken. Der Rückstand des Finnen betrug zu diesem Zeitpunkt 2,7 Sekunden auf den Red Bull. Verstappen wehrte einen Umlauf später ab. Und zur Überraschung von Red Bull ließ Mercedes seinen Superstar für eine weitere Runde auf der Bahn. "Sie haben den Effekt des Undercuts unterschätzt", glaubt Sportchef Marko.

Vielleicht wurde Mercedes dadurch fehlgeleitet, dass Bottas in seiner Outlap in den ersten Sektoren nicht genügend Zeit auf den Red Bull mit den alten Mediumreifen gutmachte. Das bestärkte die Strategen offenbar, Hamilton noch eine weitere Runde auf dem Startreifen fahren zu lassen, um den Einstopper leichter umsetzen zu können. Verstappen drehte einen Rückstand von 3,1 Sekunden vor dem Stopp in eine Führung.

RB16B hält Reifen in Schuss

Hamilton drückte in der Folge, fand trotz DRS aber keinen Weg vorbei. Weil der Red Bull in Frankreich eine Rakete auf den Geraden war. Starker Motor, kleiner Heckflügel. "Honda hat mit dem zweiten Motor einen großen Schritt gemacht. Einen größeren als wir", urteilt Mercedes-Teamchef Wolff. Performance-Upgrades sind unter der Saison zwar nicht erlaubt. Doch über eine verbesserte Zuverlässigkeit lässt sich mehr Leistung herauskitzeln. Der Motor kann in einer schärferen Stufe betrieben werden.

Horner wehrt ab. "Es ist dieselbe Spezifikation wie vorher. Wir waren wegen der Flügel so schnell." Vermutlich liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte. Mehr Power durch den frischen Motor plus weniger Luftwiderstand durch die Aerodynamik-Konfiguration. Trotzdem schoss sich Red Bull mit kleinem Heckflügel auch über die Distanz nicht ins Knie. Der RB16B war schnell in den Kurven und hielt die Reifen in Schuss. Ein Schlüssel zum Erfolg.

Der größte Trumpf war an diesem Tag der Teamkollege. Perez minimierte die Strategie-Optionen von Mercedes. Ein früher zweiter Reifenwechsel hätte sowohl Hamilton als auch Bottas hinter den Mexikaner geworfen. Und es wäre für sie nicht einfach geworden, den pfeilschnellen Red Bull trotz frischerer Reifen auf den Geraden zu überholen. Wahrscheinlich sogar unmöglich, weil den Mercedes eklatant Topspeed fehlte.

Die schnelle Gangart und die Rückmeldung der Fahrer an ihre Teams bewegten Red Bull schlussendlich dazu, auf zwei Stopps umzuschwenken. "Ab Runde 28 haben wir darüber nachgedacht. Unsere Strategen haben die Optionen auf den Tisch gelegt. Wir wollten eine Wiederholung von Barcelona verhindern und haben deshalb den zweiten Stopp eingelegt."

Weiter eine enge Kiste

Verstappen hatte 21 Runden, um einen Rückstand von über 18 Sekunden aufzuholen. Der Teamkollege ließ ihn in Runde 35 durch, ohne zu murren. Verstappen dankte am Funk, der übrigens das ganze Rennen Probleme bereitete. "Ich konnte die Instruktionen hören, was das Wichtigste war. Meine Jungs aber mich nicht eindeutig." Vielleicht lag es am Mikrofon, vielleicht an einem gestörten Signal.

Bottas legte sich Verstappen in Runde 44 bereit. Ein Verbremser des Finnen in Kurve acht erleichterte die Übung. Hamilton war im vorletzten Umlauf fällig. Eigentlich hatten die Strategie-Programme einen Zusammenschluss zwei Runden zuvor prophezeit. Der Sieger hatte auch ein wenig Rennglück. Er traf auf den Geraden auf die Überrundeten und verlor keine Zeit. "Sie haben zum Glück mitgespielt."

Fast hätte sogar Sergio Perez auf derselben Strategie wie die Mercedes nicht nur Bottas, sondern auch noch Hamilton geschlagen. "Wäre er früher an Valtteri vorbeigekommen, hätte er Lewis noch knacken können", glaubt der Teamchef. Es war trotzdem ein rundum gelungener Tag für Red Bull. Sieg der WM-Hoffnung, Dritter der Teamkollege. Red Bull baute in beiden WM-Wertungen die Führung aus. Verstappen macht die Fans mit seiner Prognose glücklich. "Diese WM wird so spannend weitergehen."

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