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Verstappen verliert Podium

Red Bulls Zorn auf die Sportkommissare

Zum zweiten Mal nach dem GP Mexiko 2016 wurde Max Verstappen aus der Sieger-Lounge komplimentiert. Die Sportkommissare brummten ihm 5 Sekunden auf, weil er Kimi Räikkönen neben der Strecke überholte. Red Bull und Verstappen gingen danach auf die Schiedsrichter los.

Max Verstappen kennt das Gefühl. Er bereitet sich gerade in der Sieger-Lounge auf die Podiumszeremonie vor, dann kommt FIA-Pressechef Matteo Bonciani in den Raum und teilt ihm mit, dass die Siegerehrung ohne ihn ablaufen wird. Das war beim GP Mexiko 2016 so, und jetzt beim GP USA in Austin wieder. Verstappen musste seinen dritten Platz an Kimi Räikkönen abtreten. Im letzten Jahr profitierte erst Sebastian Vettel, dann Daniel Ricciardo von einer Strafe des Holländers. Der Red Bull-Pilot bekam beide Mal 5 Sekunden für Abkürzen der Strecke aufgebrummt. Diesmal, weil er Räikkönen in Kurve 17 neben der Strecke überholt hatte.

Der Bestrafte konnte die Busse nicht verstehen. „Für was bekomme ich eine Strafe? Jeder verlässt doch die Strecke, fährt wie in Kurve 19 weit über die Randsteine oder schneidet die Randsteine um 5 bis 10 Zentimeter. Keiner beachtet die Streckenbegrenzungen die ganze Zeit. Die Zuschauer lieben diese Zweikämpfe. Und dann gibt es da unter den Sportkommissaren einen Idioten, der ihnen die Show und das Rennen kaputtmacht und etwas gegen mich unternimmt. Der gleiche wie letztes Jahr in Mexiko. Ich hoffe wirklich, dass nächstes Jahr die Zuschauer zuhause bleiben, um zu zeigen, dass so dieser Sport keinen Sinn macht.“ Bei dem erwähnten Sportkommissar handelt es sich um den Amerikaner Garry Connelly.

Verstappen mit voller Wagenbreite innen vom Randstein

Die FIA und die Sportkommissare sahen den Fall naturgemäß anders. Sie luden auto motor und sport in ihr Regiezentrum und spielten die fragliche Szene aus allen Blickwinkeln vor. Aus der Sicht des Weltbildes schräg von vorn, aus Räikkönens und Verstappens Bordkamera, und von dem Film der Kamera im Heck von Räikkönens Ferrari. Und da ist ganz klar zu sehen, wie Verstappen die Strecke verlässt, um den Ferrari mit der Startnummer 7 zu überholen.

Alles spielt sich in der ersten der beiden 250 km/h schnellen Rechtskurven rund um den berühmten Austin-Turm ab. Es ist in der Streckenskizze Kurve 17. Räikkönen fährt eine dreiviertel Wagenbreite links von dem inneren Randstein. Er geht kurz vom Gas, weil er Sprit sparen muss und dort einen Angriff des Red Bull-Piloten nicht erwartet. Der Kurs von Austin hat eine Besonderheit, wie FIA-Rennleiter Charlie Whiting erklärt: „Neben der ganzen Strecke befindet sich links und rechts ein jeweils drei Meter breiter Asphaltstreifen. In den Scheitelpunkten der Kurven 17 und 18 begrenzt ihn innen ein ein Meter breiter und 25 Millimeter hoher Randstein.“

Die Heckkamera im Ferrari zeigt, wie Verstappen vor dem Randstein plötzlich nach innen lenkt und mit voller Wagenbreite eineinhalb Meter neben dem Randstein die Kurve abkürzt. Erst nachdem der Randstein wieder aufhört, kehrt Mad Max auf die Strecke zurück. Verstappens Bordkamera deckt auf, dass der Fahrer nach rechts zieht, obwohl Räikkönen so viel Platz lässt, dass der Red Bull halb über den Randstein hätte fahren können und so mit zwei Rädern wenigstens auf der Strecke geblieben wäre. Nicht einmal Räikkönen hatte den Abstecher seines Gegners auf den Seitenstreifen bemerkt. Deshalb beschwerte er sich auch nicht.

Horner prangert unterschiedliches Maß bei Strafen an

Die Sportkommissare mussten schnell ihre Entscheidung treffen. Sie hatten vor der Siegerehrung gerade Mal sieben Minuten Zeit, die Filmdokumente zu sichten. Man wollte nicht den falschen Dritten auf dem Podium präsentieren. Zu einer Befragung der Beteiligten kam es nicht mehr. Für die Schiedsrichter war klar: Verstappen hat sich durch Abkürzen einen Vorteil verschafft. Red Bull-Teamchef Christian Horner klagte, dass man unter dem Gesichtspunkt fünf oder sechs Mal hätte eingreifen müssen. Namentlich Valtteri Bottas und Daniel Ricciardo. „Ich würde nichts sagen, wenn es immer die gleiche Strafe gäbe. Aber die Kommissare messen mit zweierlei Maß. In ihren Entscheidungen gibt es keine Konstanz. In den USA sind wir noch mit einem relativ unerfahrenen Publikum konfrontiert. Was sollen die denken, wenn es mal eine Strafe gibt und mal nicht?“

Charlie Whiting lässt den Einwand nicht gelten: „In allen anderen Fällen, wo die Fahrer die Strecke verlassen, mussten sie einen weiteren Weg fahren. Max dagegen hat einen kürzeren Weg zurückgelegt. Er war mit allen vier Rädern neben der Strecke.“ Selbst der sonst eher liberale Fahrer-Kommissar Mika Salo bedauerte: „Sorry, aber das ging zu weit. Leider haben es die TV-Bilder nicht gut gezeigt. Aber Max ist nur vorbeigekommen, weil er innen neben die Strecke fuhr.“

Gibt es eine Strafe für den Idioten?

Horner wollte sich nicht beruhigen: „Ich glaube der Druck des Podiums hat dazu geführt, dass den Sportkommissaren nicht genug Zeit blieb, alle Beweise zu sichten. Wir wurden gar nicht gefragt. Max musste nach innen ausweichen, um keinen Kontakt mit Kimi zu haben.“ Der Red Bull-Teamchef warnte: „Wenn wir den Sport populär machen wollen, dann sollten wir die Fahrer gegeneinander fahren lassen und uns nicht mit kleinlichen Regeln einschränken. Und die Leute müssen ihn verstehen. Warum gilt für Bottas nicht das gleiche wie für Max?“ Von Verschwörungstheorien zugunsten von Ferrari hält Horner nichts: „Es war einfach eine schlechte Entscheidung in der Hitze des Gefechts.“

Experten sind gespannt, ob Verstappens harsche Kritik an der FIA-Obrigkeit Konsequenzen haben wird. Horner glaubt nicht: „Wenn sich Lewis Hamilton auf den sozialen Netzwerken Kritik am US-Präsidenten erlauben darf, dann sollte man einem frustrierten Fahrer seine Meinung sagen lassen.“ Zwei Stunden nach dem Rennen hatte Verstappen seinen Ärger schon wieder heruntergeschluckt. Was bleibt, ist der Eindruck einer großartigen Aufholjagd von Platz 16 auf Rang 3. Pardon Platz 4. Auf die Frage, welches der neun Überholmanöver das schönste war, antwortet das Enfant terrible frech: „Das illegale.“

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Die Strafe ist ein Witz. Wir wollen harten Rennsport sehen, keinen Kindergeburtstag
Eine völlig richtige Strafe. Wenn keine Streckenbegrenzungen gelten, fährt jeder, wo er will
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