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GP Saudi Arabien
Max Verstappen - Red Bull - GP Saudi-Arabien 2021 - Jeddah xpb
Max Verstappen - Red Bull - GP Saudi-Arabien - Jeddah - Qualifikation - Samstag - 4.12.2021
Max Verstappen - Red Bull - GP Saudi-Arabien - Jeddah - Qualifikation - Samstag - 4.12.2021
Max Verstappen - Red Bull - GP Saudi-Arabien - Jeddah - Qualifikation - Samstag - 4.12.2021
Max Verstappen - Red Bull - GP Saudi-Arabien - Jeddah - Qualifikation - Samstag - 4.12.2021 40 Bilder

Verstappen verschenkt Pole: Fehler im Titelkampf

Verstappen bringt sich um Lohn Kostbarer Fehler im Titelkampf

GP Saudi-Arabien 2021

Max Verstappen hatte die Pole Position schon zum Greifen nah. Doch dann entglitt sie ihm aufgrund eines Fahrfehlers in der letzte Kurve. So stehen am Rennsonntag zwei Mercedes vor dem WM-Führenden. Und wenn es dumm läuft, hat der Mauerkontakt auch noch das Getriebe beschädigt.

So eng liegen Freud und Leid in der Formel 1 zusammen. Red Bull sah seinen Superstar bereits auf Pole Position. "Das wäre die Runde des Jahres geworden", kommentierte Teamchef Christian Horner die ersten beiden Sektoren seines Schützlings. Doch dann brachte Verstappen seinen RB16B in der Zielkurve nicht herum. Der WM-Führende traf erst mit dem rechten Hinterrad die Mauer, und dann noch mit dem rechten Vorderrad. Ein paar Meter später stellte er sein Auto ab.

Statt auf Pole Position zu rasen, wanderte er zu Fuß zurück in die Boxenstraße. Fassungslosigkeit in der Garage und am Kommandostand. Und auch im Lager von Mercedes schien man nicht recht glauben zu können, was da gerade passiert ist. "Für uns ist das ziemlich brutal", fasste Horner zusammen. Sein Gegenüber fühlt mit. "Red Bull hat hier ein dominantes Paket auf die Räder gestellt. Ich kann mich in ihre Gefühlslage hineinversetzen. Max war auf einer Mega-Runde unterwegs. Er hätte eine halbe Sekunde schneller sein können als Lewis", sagte Toto Wolff.

Max Verstappen - Red Bull - GP Saudi-Arabien 2021 - Jeddah
Motorsport Images

Sorge um das Getriebe

Stattdessen steht der 24-Jährige auf dem dritten Startplatz. Die Sorge bei Red Bull ist groß, dass daraus am Rennsonntag sogar die achte Position wird. Beim Treffer mit der Mauer könnte es die Antriebswelle ins Getriebe gedrückt haben. Ein Wechsel der Kraftübertragung würde Verstappen automatisch um fünf Plätze zurückwerfen. Red Bulls Mechaniker werden das Getriebe genau untersuchen.

Ferrari stolperte in Monte Carlo über einen ähnlichen Unfall. Die Mechaniker überprüften nur die Einschlagseite, weil keiner damit gerechnet hatte, dass auch die gegenüberliegende in Mitleidenschaft gezogen worden sein könnte. Leclerc schaffte es nicht mal in die Startaufstellung. Erst in der Fabrik entdeckte Ferrari einen winzigen Riss in der Radnabe, dort wie die Antriebswelle ansetzt. Red Bull sollte besser die rechte wie linke Seite mit Ultraschall durchleuchten.

Es war nicht Verstappens erster Unfall in dieser Saison, aber ein seltener Fehler. In Silverstone und Monza kollidierte er jeweils mit seinem WM-Rivalen. In Baku kostete ihn ein Reifenschaden wenige Runden vor Zielflagge einen sicher geglaubten Sieg. Die Fahrt endete unsanft in der Mauer. Im dritten Training in Aserbaidschan hatte er zuvor sein Auto mit einem Fahrfehler abgelegt. In Belgien warf der Titelanwärter seinen Red Bull im zweiten Training weg.

Verstappen sucht nach Erklärung

So recht konnte sich Verstappen das Missgeschick nicht erklären. "Für mein Befinden habe ich nicht später gebremst als sonst. Beim Bremsen haben die Vorderreifen leicht blockiert. Dann habe ich am Ausgang die Wand getroffen." Er versuchte, seinen Red Bull trotz der widerspenstigen Vorderachse herumzureißen. Hamilton stichelte: "Auf dieser Strecke fährt jeder auf Messers Schneide. Es ist ein Balance-Akt, da hier überall eine Wall of Champions steht."

Verstappen musste sich im Nachhinein die Frage gefallen lassen, ob das Risiko überhaupt nötig war. Nach zwei Abschnitten lag er bereits 0,244 Sekunden vor Hamilton. Er machte auch zu Beginn des letzten Sektors weiter Zeit auf den Mercedes gut – und er bemerkte es. "Mein Display hat angezeigt, dass ich drei Zehntel unter meiner besten Runde liege." Trotzdem attackierte er die letzte Linkskurve. "Ich wusste, dass Lewis sich verbessert hatte." Da wollte er keine Millisekunde herschenken. Den Gasfuß etwas zu lupfen, geht offenbar gegen seine Natur.

Eigentlich war Mercedes als klarer Favorit in das Rennwochenende gegangen. Der hohe Volllastanteil von 79 Prozent auf die Runde schien das Eintrittstor für den Titelverteidiger zum nächsten Sieg. Hamilton gewann beide Trainingssitzungen am Freitag. Doch bereits im dritten Training wendete Red Bull das Blatt.

Max Verstappen - Red Bull - GP Saudi-Arabien 2021 - Jeddah
Wilhelm

Red Bull schneller

Der Motor ist gefordert, doch es gibt auch viele schnelle Kurven. Dort zählen die Stärken der Aerodynamik. Die Highspeed-Passagen scheinen zu verhindern, dass Mercedes das Heck des Autos gezielt absenken kann. Beim Topspeed herrschte praktisch Gleichstand: 326,3 km/h für Hamilton, 325,5 km/h für Verstappen. "Auf den Geraden herrscht praktisch Gleichstand. So recht können wir uns das nicht erklären. Sicher ist es nicht auf einen Grund zurückzuführen. Red Bull fährt ohne Gurney am Flügel. Aber das kann es allein nicht sein."

Sicher ist es hilfreich für Red Bull, seinen besten Flügel ans Auto schnallen zu können. Das ist der mit dem stark gekrümmten Hauptblatt. Damit ist der RB16B in einem effizienten Fenster. Das duneklblaue Auto ist so schnell wie der Mercedes auf den Geraden und sticht den Silberpfeil in den Highspeed-Kurven und den langsamen Ecken aus. "Unser Auto untersteuert, dann kommt plötzlich das Heck, das Auto rollt: Von allem etwas", erklärt der Mercedes-Teamchef.

In diesem brutal engen Duell gibt das bessere Setup den Ausschlag. Red Bull hat es für eine Runde getroffen. Der RB16B zündete die Reifen zuverlässig schneller an als der Mercedes. Während die Fahrer des Silberpfeils über mangelnde Haftung klagten, lobte Verstappen: "Ich hatte durchweg ein gutes Auto. Alles schien in der Qualifikation zusammenzukommen. Bis zu meinem Unfall."

Das schnellere Aufwärmen der Reifen lässt Mercedes vermuten, dass Red Bull sein Auto mehr auf die eine schnelle Runde getrimmt hat. Aus dem Lager des Herausforderers ist dagegen zu hören, dass man seine Hausaufgaben gemacht habe, und die Balance-Probleme vom Vortag ausgeräumt seien. Verstappen jedenfalls hat die Hoffnung nicht aufgegeben. "In Katar waren wir viereinhalb Zehntel langsamer. Hier habe ich ein Auto, in dem ich es mit ihnen aufnehmen kann. Hoffentlich kann man auf dieser Strecke dem vorausfahrenden Auto folgen. Das erfahren wir aber erst morgen."

Die nächste Kontroverse

Der WM-Führende wird beten, dass die Turbulenzen der Autos nicht im Labyrinth aus Mauern steckenbleiben. Und dass ihm drei DRS-Zonen helfen, die Mercedes niederzuringen – sofern er auf seinem Startplatz bleibt. "Vom dritten Platz ist die Aufgabe schwieriger. Das Ziel bleibt aber der Sieg. Ein Fragezeichen schwebt über dem Verhalten der Reifen über die Distanz. Auch das werden wir erst im Rennen herausfinden. Ich glaube, ich sollte mit meinem Auto eine gute Chance haben."

Kein Wochenende ohne Kontroverse. Red Bull schäumt, weil Hamilton trotz doppelt-gelb im dritten Training ohne Strafe davonkam. Obwohl er zudem auch noch Nikita Mazepin sichtbar blockiert hatte. Die Sportkommissare sprachen ihn im ersten Fall frei und verwarnten ihn im zweiten. Auf einer Leuchttafel sei aus Versehen für weniger als eine Sekunde ein doppelt-gelbes Signal eingespielt worden. Ein Fehlalarm. Hamilton schoss mit Karacho um die Linkskurve und hätte unmöglich in dieser kurzen Zeit lupfen können.

Red Bull vergleicht den Fall mit der Strafe gegen Verstappen in Katar vor zwei Wochen. Da stolperte der Niederländer über doppelt-gelb. Doch die Sachlage ist anders. Damals schwenkten Streckenposten die Flaggen. Diesmal nicht. Damals rollte mit Pierre Gasly ein beschädigtes Auto auf der rechten Seite aus. Diesmal gab es keinen Unfall.

Der Fall ist eher mit Zandvoort zu vergleichen. Dort hatte Verstappen im Training unter Rot einen Aston Martin überholt. Er kam straffrei aus der Sache, weil er unmöglich innerhalb von Sekundenbruchteilen hätte reagieren können. Eine Vollbremsung wäre potenziell gefährlicher gewesen. Red Bull behält sich trotzdem vor, Einspruch gegen das Urteil einzulegen.

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