Max Verstappen - Lewis Hamilton - GP Ungarn 2021 - Budapest xpb
Mick Schumacher - Haas - Formel 1 - GP Ungarn - Budapest - Samstag - 31. Juli 2021
Carlos Sainz - Ferrari - Formel 1 - GP Ungarn - Budapest - Samstag - 31. Juli 2021
Carlos Sainz - Ferrari - Formel 1 - GP Ungarn - Budapest - Samstag - 31. Juli 2021
Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - GP Ungarn - Budapest - Samstag - 31. Juli 2021 38 Bilder

Verstappens Wutanfall: Mercedes hängt Red Bull ab

Verstappens Wutanfall Mercedes hängt Red Bull ab

GP Ungarn

Eigentlich hatte man Red Bull am Hungaroring vorne erwartet. Stattdessen hängte Mercedes den Erzrivalen in der Qualifikation um vier Zehntelsekunden ab. Das hatte verschiedene Gründe. Lewis Hamilton wehrte alle Unterstellungen ab, er habe Max Verstappen absichtlich aufgehalten.

Besser hätte es für Mercedes nicht laufen können. Pole Position, die erste Startreihe mit zwei Silberpfeilen belegt, die besseren Reifen für eine flexiblere Taktik, das schnellere Auto entgegen der Erwartungen. Lewis Hamilton eroberte seine 101. Pole Position der Karriere im ersten Q3-Versuch mit einer Zauberrunde, die eigentlich alle Fragen beantwortete, wer an diesem Tag das bessere Paket hatte, und die bessere Fahrleistung erbrachte.

Und doch musste der siebenfache Titelträger ein Pfeifkonzert von den Tribünen über sich ergehen lassen. Es war eine Reaktion der Verstappen-Fans auf die Schlusssekunden der Qualifikation. Sie hatten den Eindruck, die beiden Mercedes wären absichtlich in der Aufwärmrunde langsam gefahren, um die beiden Red Bull von Max Verstappen und Sergio Perez hinter sich aufzuhalten. Der Niederländer schaffte es wenigstens noch über die Ziellinie. Sein Teamkollege sah nur noch die rote Startampel. Den geplanten letzten Angriff musste er abblasen. Verstappen gelang nur noch eine kleine Steigerung.

Lewis Hamilton - Mercedes - GP Ungarn 2021 - Budapest
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Lewis Hamilton eroberte seine 101. Pole in der Formel 1.

Keine Spielchen von Hamilton

Die Fans witterten ein verstecktes Foul, doch Hamilton wehrte ab. "Ich brauche keine Taktikspielchen. Ich weiß, was ich im Auto zu tun habe. Wer meint, wir hätten Red Bull mit Absicht auflaufen lassen, versteht nichts von diesem Sport. Valtteri wollte einfach eine Lücke zu den Autos nach vorne schaffen. Und wenn ich schneller gefahren wäre, hatte ich auf der fliegenden Runde die Turbulenzen von seinem Auto abbekommen."

Tatsächlich war der Weltmeister auf seiner letzten Runde aus der Boxengasse sogar schneller als vor dem ersten schnellen Versuch in Q3. Dass die Mercedes nach Verlassen der Garage auf den weichen Reifen generell langsam fahren, war den hohen Asphalttemperaturen von teilweise mehr als 60 Grad geschuldet. Bei einer zu schnellen Aufwärmrunde hätte man sich die Reifen schon vorab ruiniert. Keiner machte es anders.

Von Red Bulls Seite kamen auch gar keine großen Klagen. Teamchef Christian Horner nannte es "gerissen", sah darin aber kein Foulspiel. Verstappen hatte keine große Lust, darauf einzugehen. "Natürlich waren meine Reifen etwas kalt. Aber ich hätte auch mit richtig temperierten Reifen keine vier Zehntel mehr gefunden." Sein Fans wollte der WM-Führende nicht groß in die Pflicht nehmen. "Sicher war es nicht korrekt. Aber als Fahrer lässt du dich davon nicht rausbringen. Dafür sind wir zu professionell. Sobald der Helm auf ist, sollte es keinen Einfluss haben."

Hamilton verzichtete auf verbale Spitzen. "Es ist das Recht der Leute. Wenn der Wettbewerb schärfer wird, können solche Reaktionen passieren. Ich nehme es ihnen nicht krumm, sondern sehe es mehr als Ansporn. Ich muss irgendwas richtig machen." Mit der Erfahrung von 14 Jahren in der Formel 1 und 276 Grand Prix sieht es der Champion als Ansporn. Sein Chef will ebenso kein weiteres Öl ins Feuer gießen. "Das ist die Konsequenz der Vorfälle der letzten Wochen. Die Emotionen gehen da schon mal durch. Buhrufe sollten dennoch keinen Platz in unserem Sport haben."

Lewis Hamilton - Mercedes - GP Ungarn 2021 - Budapest
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Mercedes schaffte es in Q2, auf den Mediumreifen durchzukommen. Red Bull steckte auf die weiche Mischung um.

Die Gründe für die Mercedes-Stärke

Vor dem Rennwochenende hatte vieles für Red Bull gesprochen. Doch Mercedes hat die Oberhand gewonnen. Zur eigenen Überraschung. "Ich dachte, Red Bull sei hier einen Tick schneller als wir", sagte Hamilton. Die schwarzen Silberpfeile fühlten sich von Beginn an wohl in der Hitze Budapests. Man nutzte den Trainingsfreitag, um weitere Daten über die Aerodynamik-Upgrades von Silverstone zu sammeln und das Auto darauf feinzutunen. "Die Upgrades haben den maximalen Abtrieb nicht unbedingt erhöht, aber das Auto weiter stabilisiert", führt Teamchef Wolff aus. Das Update eröffnet zudem mehr Setup-Optionen.

Die Konfiguration war schnell gefunden. Mercedes fuhr durchgehend mit großem Heckflügel, während Red Bull hin und her wechselte. Dazu ist der Vorteil der dunkelblauen Autos auf den Geraden, der in Österreich noch eklatant war und schon in England kleiner ausfiel plötzlich weg. Hinzu kommt: Kein Fahrer harmoniert besser mit dem Hungaroring als der Weltmeister. Den Beweis erbringen nun acht Siege und acht Poles. Am Rennsonntag soll der neunte Erfolg folgen.

Hamilton bestimmte das Tempo in allen Sektoren. Bei Red Bull war kein konstantes Muster zu erkennen, in welchen Kurven man speziell verliert. Mal mehr in Kurve vier, dann wieder weniger. Das gleiche Spiel zwischen den Kurven 12 bis 14. Der Weltmeister packte in der ersten Q3-Runde den Hammer aus. Die Pole-Zeit war gleichzeitig die Ideal-Zeit des Samstags. Jeder Sektor stimmte. "Die Runde hat sich einfach wunderschön angefühlt. Ich habe mich richtig schön dorthin gesteigert über die Trainings und die Qualifikation hinweg. Diese Runde war dann die beste des gesamten Wochenendes."

Sein Widersacher hingegen haderte. "In Q3 habe ich nicht denselben Grip gespürt und nicht dieselbe Balance gehabt wie noch zuvor." Teamkollege Valtteri Bottas erging es nicht anders als Verstappen. Nur hatte es beim ihm eine andere Ursache. Der Finne bekam die Umstellung von Medium- auf Softreifen nicht so hin wie der hochdekorierte Fahrer auf der anderen Seite der Garage. "Ich habe den Rhythmus verloren. Auf den weichen Reifen hatte ich nicht mehr das Gefühl für das Heck, das ich gebraucht hätte."

Valtteri Bottas - Lewis Hamilton - GP Ungarn 2021 - Budapest
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Die Mercedes-Fahrer müssen am Start zusammenarbeiten, um Verstappen auf den weichen Reifen hinter sich zu halten.

Am Start zusammenarbeiten

Mit zwei Autos in der ersten Reihe genießt Mercedes ohnehin schon einen großen Vorteil auf der überholfeindlichen Rennstrecke. Dazu eröffnet der Mediumreifen dem Team mehr strategische Möglichkeiten. Mercedes dürfte die Option auf ein Einstopp- und Zweistopprennen haben. Red Bull scheint auf den weichen Reifen aufgrund des hohen Verschleißes zu zwei Reifenwechseln gezwungen. Es sei denn, man nimmt bewusst Tempo raus.

Am Start ist für die Weltmeister allerdings Vorsicht geboten. Der weiche Reifen verspricht eine schnellere Anfahrt zur ersten Kurve. Da wird Verstappen angreifen. "Wir müssen am Start mit unseren beiden Autos clever zusammenarbeiten", meint Wolff. "Sollte es auf ein Zweistopprennen hinauslaufen, ist es egal, auf welchem Reifen du startest."

Einen erneuten Zusammenprall in der Startrunde zwischen Hamilton und Verstappen fürchtet der Österreicher nicht. Als ein Reporter den Niederländer auf ein solches Szenario anspricht, und ihn an Silverstone erinnert, platzt ihm der Kragen. Verstappen schimpft wie ein Rohrspatz. Die Ausdrücke ersparen wir ihnen. "Wir haben am Donnerstag diese ganzen verdammten Fragen beantwortet. Jetzt ist Schluss. Wir sind Rennfahrer, die hart kämpfen. Wir treiben uns gegenseitig an."