Sebastian Vettel - Aston Martin - GP Aserbaidschan 2021 - Baku xpb
Max Verstappen - Red Bull - GP Aserbaidschan 2021 - Baku - Rennen
Max Verstappen - Red Bull - GP Aserbaidschan 2021 - Baku - Rennen
Lance Stroll - Aston Martin - GP Aserbaidschan 2021 - Baku - Rennen
Lewis Hamilton - Mercedes - GP Aserbaidschan 2021 - Baku - Rennen 57 Bilder

Vettels Baku-Show: Podium für Aston Martin

Vettels Baku-Show Das erste Podium für Aston Martin

GP Aserbaidschan

Sebastian Vettel ärgerte sich am Samstag über den verpassten Einzug ins Q3. Einen Tag später schlug die Stimmung ins Gegenteil um. Der Ex-Weltmeister zeigte beim GP Aserbaidschan seine ganze Klasse. Er streichelte die Reifen und überholte, als es zählte. Der Lohn war der erste Podestplatz für das neue Team.

Der Grand Prix von Aserbaidschan hat schon jetzt seinen Platz als eines der verrücktesten Rennen der Saison. Zwei Reifenschäden, zwei Highspeed-Unfälle von Lance Stroll und Max Verstappen, eine Unterbrechung von 34 Minuten, zwei stehende Starts – und ein Podest auf das wohl kaum jemand getippt hatte. Sergio Perez staubte den Sieg ab. Sebastian Vettel raste von Startplatz elf auf Rang zwei. Pierre Gasly komplettierte im Alpha Tauri das Podest.

Vettel ließ sein Team erstmals über ein Podest jubeln, seit die Mannschaft aus Silverstone unter der Flagge von Aston Martin segelt. Für die Traditionsmarke war es überhaupt das erste Podium der Firmengeschichte. 1959 und 1960 holte Aston Martin nicht einmal einen WM-Punkt.

Der Heppenheimer fuhr im Prinzip das perfekte Rennen. Er war aggressiv bei den Starts, kümmerte sich um die Reifen, übte sich im Verkehr in Zurückhaltung, war schnell und überholte, als es darauf ankam. "Ich habe mich das ganze Wochenende sehr wohl im Auto gefühlt. Auf Stadtkursen kannst du als Fahrer einen größeren Unterschied machen. Das ist in Monaco so, und auch hier. Natürlich konnten wir trotzdem nicht mit einem Podium rechnen", sagte der Zweitplatzierte.

Sebastian Vettel - Aston Martin - GP Aserbaidschan 2021 - Baku
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Sebastian Vettel streichelte die weichen Reifen bis zur 18. Rennrunde.

Vettel managt die Reifen

Die starke Leistung hatte sich in den Trainings nur im Verborgenen angedeutet. Vettel rangierte in allen Sitzungen außerhalb der Top 10, deutete aber an, dass ein gutes Resultat möglich sein würde. "Sorgen habe ich mir keine gemacht. Ich war schon am Freitag trotz der schlechten Positionen optimistisch, dass wir wie in Monaco ein gutes Ergebnis erzielen können." Am Samstag verfluchte Vettel dann erst einen kleinen Fehler und später den Unfall von Daniel Ricciardo im McLaren. Ohne die Zwischenfälle wäre er von weiter vorne gestartet.

In seiner ersten Q2-Runde verbremste er sich in Kurve 15. Das und der folgende Bremsplatten kosteten rund vier Zehntel. Sonst wäre der Heppenheimer locker aufgestiegen. Zum letzten Angriff kam es nicht, weil sein ehemaliger Teamkollege in der Streckenabsperrung landete. Einen Tag später verfolgte Vettel das Pech nicht mehr.

Schon beim ersten Start gewann er zwei Positionen. An neunter Stelle kümmerte sich der 53. malige GP-Sieger dann überwiegend um die weichen Reifen. Vettel wollte sie so lange wie möglich in Schuss halten – und Attacke machen, als die Konkurrenz vor ihm die Fahrbahn durch frühere Boxenstopps räumte. Die Taktik ging wie vor zwei Wochen in Monaco auf. Durch den Overcut überflügelte Vettel sowohl Fernando Alonso als auch Carlos Sainz.

Positionsgewinn beim Restart

Zwischendrin sammelte Vettel sogar vier Führungsrunden. Und drehte schnelle Bahnen auf alten Reifen. Die Strategen wählten die 18. Rennrunde als Zeitpunkt für den Reifenwechsel auf die harte Mischung. "Ich hatte nicht erwartet, dass die Softs so lange durchhalten würden. Das hat uns aber in eine gute Position für den späteren Verlauf gebracht. Wir wollten den Stopp machen, bevor die anderen Fahrer auf den harten Reifen zulegen. Ich denke, das war der richtige Zeitpunkt."

Der lange erste Stint sollte sich im zweiten Rennteil als goldener Griff entpuppen. Vettel verzichtete wieder darauf, sofort Attacke zu machen, auch wenn er das schnellere Auto als Charles Leclerc vor sich hatte. Stattdessen konservierte er die Pirellis – im Wissen, dass er gegen Rennende einen Vorteil haben würde. Der Unfall seines Teamkollegen in der 30. Runde verlagerte den Zeitpunkt nach vorne. "Ich hatte beim Restart zehn Runden frischere Reifen als meine Vorderleute."

Und damit schnappte sich der 33jährige Routinier sowohl Leclerc als auch Pierre Gasly. Der Franzose klemmte den Ferrari auf der Außenspur ab, wodurch Vettel innen durchschlüpfte. "Ich dachte eigentlich, ich habe spät gebremst. Charles war nach später dran. Mein Gefühl sagte mir, er bekommt die Kurve gar nicht. Er hat es doch gepackt. Trotzdem bin ich vorbei", beschreibt Vettel die Situation. Einen Umlauf später war Gasly auf der Zielgeraden fällig. Der Alpha Tauri-Pilot kämpfte mit nachlassender Motorleistung.

Sebastian Vettel - Aston Martin - GP Aserbaidschan 2021 - Baku
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Auch auf den harten Reifen machte Vettel eine gute Figur.

Fans küren Vettel

In Runde 36 war Vettel bereits Vierter – und hatte eine zweistellige Ausbeute im Hinterkopf. "Das waren bereits fette Punkte für uns. Aber ich dachte: Okay, vielleicht ist heute sogar mehr möglich." Ja, war es. Der zweite Platz und das 122. Podium der Karriere. Ohne das notwendige Quäntchen Glück oder das Pech der Konkurrenz hätte es nicht geklappt.

Der Führende Max Verstappen scheiterte an einem Reifenschaden. "Ich machte mir keine Sorgen um meine. Ich wäre nach meinem späten ersten Stopp der letzte gewesen, dem sie um die Ohren fliegen." Lewis Hamilton verabschiedete sich beim Neustart nach der Rotphase vom Podest. Der Weltmeister verbremste sich in Kurve eins. Für einen Moment dachte Vettel sogar an den Sieg. Im Gegensatz zum späteren Sieger Sergio Perez hatte er für den Sprint über zwei Runden sogar frische Softreifen statt gebrauchter. "Ich wollte dranbleiben, in der Hoffnung, es ergibt sich eine Möglichkeit. Doch Sergio war zu schnell."

Der zweite Platz schmeckte trotz der verpassten Mini-Chance auf einen möglichen Triumph dennoch gut. Zum zweiten Mal in Serie lieferte Vettel eine Meisterleistung ab – ohne Fehler und mit dem richtigen Gespür für das Rennen. Die zusätzliche Belohung: Die Fans wählten ihn nach Monaco erneut zum Fahrer des Rennens. Nach vier Nullern zu Saisonbeginn hat sich der 33-Jährige mit 28 Punkten in Monaco und Baku zurückgemeldet. Er ist auf dem Weg, den alten Vettel zu reaktivieren.

Wie gut ist Aston Martin wirklich?

Aston Martin verzeichnet mit seinem Auto Fortschritte. Wie groß diese tatsächlich sind, wird aber erst das nächste Rennen zeigen. In Paul Ricard kehrt die Formel 1 auf eine gewöhnliche Rennstrecke zurück. Die verwinkelten Stadtkurse mit langsamen Kurven schmeckten dem AMR21. Kurze Radien verlangen weniger nach gleichmäßigem Anpressdruck. Schwankungen beim Abtrieb zählte in den ersten vier Rennen zu den Baustellen des Teams. Dazu half auf dem Stop-and-Go-Kurs von Aserbaidschan auch der kraftvolle Mercedes-V6-Turbo. Auf den Stadtkursen kam der Aston Martin auf Speed – und noch etwas hat sich geändert. "Es war anders herum als sonst. Normal sind wir in der Qualifikation stärker als im Rennen."

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