Sebastian Vettel - Ferrari - GP England - Silverstone - Donnerstag - 11.07.2019 xpb

Glaubt Vettel noch an die Weltmeisterschaft?

Ferrari-Aufwärtstrend in den letzten Wochen

Es sieht schlecht aus für Ferrari. Kein Sieg, und in der Weltmeisterschaft weit hinter Mercedes. Trotzdem sieht Sebastian Vettel noch Chancen auf den Titelgewinn. Die Fortschritte der letzten Wochen beim Verständis des Autos und der Fahrzeugentwicklung stimmen ihn optimistisch.

Die Weltmeisterschaft spricht eine klare Sprache. Mercedes hat acht von neun Rennen gewonnen und führt mit 363 Punkten die Team-WM an. Ferrari liegt bereits 135 Punkte zurück. In der Fahrerweltmeisterschaft sieht es nicht besser aus für die Scuderia. Lewis Hamilton führt sie souverän an. Sebastian Vettel hat in neun Rennen bereits 74 Zähler verloren und belegt hinter Hamilton, Valtteri Bottas und Max Verstappen die vierte Position.

Oder anders: Hamilton könnte die drei Grand Prix vor der Sommerpause pausieren, und Vettel müsste alle drei gewinnen, um den Titelverteidiger zu überholen. Glaubt der Ferrari-Pilot bei dieser Ausgangsposition überhaupt noch an die vor der Saison angestrebte Weltmeisterschaft?

Ferrari ging nach den Wintertests als Favorit ins Jahr und wurde ein ums andere Mal von der silbernen Konkurrenz vermöbelt. „Es gibt jetzt keinen Grund, warum ich nicht an uns glauben sollte“, führt Vettel aus. „Auf der anderen Seite ist die WM nicht das letzte, an das ich denke, bevor ich einschlafe. Wir müssen erst einmal eine dicke Liste abarbeiten. Unser Paket muss grundsätzlich besser werden. Und einzelne Rennsiege werden nicht ausreichen.“

In vier Rennen siegfähig

Immerhin ist laut Vettel die Stimmung innerhalb des über 1.000-köpfigen Teams noch nicht gekippt. Trotz der Misserfolge. „Das wichtigste ist, dass der Glaube in der Mannschaft weiter besteht. Das ist der Fall.“ Das Problem ist identifiziert. Der Ferrari SF90 ist zwar pfeilschnell auf den Geraden, glänzt mit seiner Effizienz, doch es fehlt Anpressdruck. Was Ferrari beim Geradeausfahren gewinnt, holt Mercedes in den Kurven doppelt zurück. Es sei denn, die Silberpfeile werden wie in Österreich von den heißen Temperaturen und der dünnen Höhenluft in Kühlprobleme getrieben.

Doch selbst in Spielberg reichte es nicht für den Sieg. Als Mercedes schwächelte, schlug Red Bull zu. Ferrari hechelt weiter dem ersten Sieg nach. Auf der anderen Seite: In vier von neun Saisonrennen hatte Ferrari ein siegfähiges Auto. In Bahrain, Baku, Montreal und Spielberg. Doch Technik, Strafen, Taktik- und Fahrfehler verhinderten Erfolge. „Wir haben das Puzzle noch nicht zusammengesetzt“, sagt Vettel. „Uns fehlt die Konstanz. Hier und da hat sich das Auto anders verhalten, als wir es erwartet haben. Manchmal fühlt es sich in einer Kurve gut an und beim nächsten Mal bei anderen Bedingungen nicht mehr. Doch wir haben uns der Aufgabe angenommen.“

Ferrari - GP England - Silverstone - Donnerstag - 11.07.2019
ams
Ferrari kommt mit kleineren Updates nach Silverstone. Zum Beispiel mit einer veränderten Motorabdeckung.

Hamilton erwartet Gegenwehr

In den letzten Wochen verzeichnet Ferrari einen Aufwärtstrend. Kanada und Österreich waren zum großen Teil sicher der Streckencharakteristik geschuldet mit einem hohen Vollastanteil. Doch Ferrari hat Fortschritte beim Verständnis des Autos gemacht. „Es gelingt uns besser, um die Probleme herum zu arbeiten.“ Und Ferrari hat laut Vettel verstanden, in welche Entwicklungsrichtung man laufen muss. Dafür wurden die Trainingsfreitage von Paul Ricard und Spielberg zu Tests zweckentfremdet. Manche Teile wie der neue Unterboden brachten zwar nicht das gewünschte Ergebnis. Aber: „Wir wissen jetzt, warum sie nicht funktioniert haben. Wir wissen, wo wir ansetzen müssen, und was noch Feintuning braucht“, erklärt Vettel. Das kleine Entwicklungschaos ist geordnet.

Sowohl der Heppenheimer als auch Teamkollege Charles Leclerc freuen sich auf Silverstone. Weil die Strecke mit ihren vielen Highspeed-Passagen genau nach dem Geschmack der Fahrer ist. Jedoch vermutlich nicht nach dem Geschmack des Autos. „Wir hinken bei den Kurvengeschwindigkeiten hinterher. Da müssen wir aufholen“, fordert Leclerc. Ferrari hat ein paar Upgrades mitgebracht. Doch man wird eher darauf setzen müssen, dass man durch den kräftigen Motor an Mercedes herankommt. In Silverstone beträgt der Vollgasanteil über 70 Prozent. Mit der Hangar Straight und der Wellington-Gerade gibt es zwei längere Geradeausstücke. Und die Sequenz zwischen Kurve sieben und zehn ist eine verkappte Gerade. Hier stehen die Fahrer über ein langes Stück voll auf dem Stempel.

„Ich bin nicht ganz so pessimistisch“, sagt Vettel. Teamkollege Leclerc meint: „Silverstone ist auf dem Papier mehr eine Mercedes- als Ferrari-Strecke. Wir wollen am Wochenende aber daraus eine für uns machen.“ Rivale Lewis Hamilton hat Ferrari und Red Bull auf der Rechnung. „Beide haben in den letzten Wochen Fortschritte gemacht. Ferrari war hier letztes Jahr super schnell und gewann. Red Bull hinkte zwar hinterher, aber sie haben jetzt einen anderen Motor. Ich erwarte harte Gegenwehr von beiden.“

GP England 2019: Die Bilder vom Donnerstag

Mercedes - GP England - Silverstone - Donnerstag - 11.07.2019
Mercedes - GP England - Silverstone - Donnerstag - 11.07.2019 Lewis Hamilton - Mercedes - GP England - Silverstone - Donnerstag - 11.07.2019 Sebastian Vettel - Ferrari - GP England - Silverstone - Donnerstag - 11.07.2019 Jenson Button - Brawn GP001 - GP England - Silverstone - Donnerstag - 11.07.2019 88 Bilder
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