Vettel hadert mit eigenem Fehler

"Pole wäre möglich gewesen"

Sebastian Vettel - Red Bull - Formel 1 - GP Singapur - 20. September 2014 Foto: xpb 72 Bilder

Daniel Ricciardo und Sebastian Vettel hatten es in der Hand, Mercedes die Pole Position zu entreißen. Doch dazu hätten die Red Bull-Piloten eine optimale Runde gebraucht. Vettel ärgerte sich am meisten über sich selbst, dass er die goldene Chance verpasst hat.

Wann hat man in diesem Jahr schon einmal die Chance, Mercedes im Training vom Thron zu stoßen? Singapur war so eine. Weil die Motor-Power eine geringere Rolle spielt als anderswo. Weil in den 23 Kurven maximaler Abtrieb gefragt ist. Und weil es mit den Supersoft-Reifen normalerweise keine Probleme gibt, sie in ihr Arbeitsfenster zu bringen. Es dafür aber leicht ist, sie zu überhitzen.

Trotzdem müssen sich Daniel Ricciardo und Sebastian Vettel in der Startaufstellung zum GP Singapur hinter den Silberpfeilen anstellen. Ricciardo kam um 46 Tausendstel schneller als Vettel durch die 5.073 Meter lange Strecke. "Wir hatten gehofft, näher an den Mercedes dran zu sein als sonst. Dass es so eng wird, hat uns überrascht", strahlte der Australier, der seine WM-Chancen am Leben erhalten könnte. Mercedes wird auch im Rennen nicht unschlagbar sein: "Hier geht viel über die Strategie. Das ist kein so einfaches Rennen wie in Monza, wo jeder mit einem Stopp über die Distanz kommt."

Wieder einmal zu viel gewollt

Vettel verfluchte sich selbst: "Erst stimmte das Timing nicht. Zum Schluss habe ich zu viele Fehler gemacht. Im Q1 musste ich eine extra Runde auf dem Supersoft-Reifen drehen, im Q2 habe ich zwei Garnituren gebraucht, so dass ich im Q3 nur noch einen frischen Satz übrig hatte."

Vettel spürte, dass in diesem Training mehr drin lag als nur der Ehrenplatz hinter den Mercedes. "Wahrscheinlich habe ich zu viel gewollt. Wenn du zu viel Druck machst stehst du quer, die Hinterreifen werden zu heiß, und du zahlst in der nächsten Kurve den Preis."

Der Weltmeister ging ins Detail. "Kurve 11 und 12 schlecht erwischt, dafür in Kurve 13 gelitten. Kurve 16 und 17 ein bisschen Zeit liegen lassen. Kurve 18 und 19 nicht optimal, und deshalb auch Kurve 21 verhaut." So gesehen war seine Rundenzeit respektabel. Vettel durfte sagen: "Die Pole Position wäre möglich gewesen."

Weniger Power heißt weniger Spritverbrauch

Vettel erlebte das alte Problem in einer neuen Spielart: "Das Auto macht nicht immer das, was ich will. Es liegt an der Charakteristik des Autos. Immer, wenn ich es erzwingen will, funktioniert es nicht."

Die Erkenntnis, dass Langsamfahren manchmal schneller sein kann, kam auch dem Weltmeister schon: "Es ist nicht so einfach, sich dazu zu zwingen langsam zu fahren. Und zu erkennen, wann man Druck machen und sich zurückhalten muss. Wenn die Umsetzung dessen einfach wäre, hätte ich das Problem schon gelöst."

Vettel will es im Rennen besser machen. Und sieht durchaus Chancen, im Kampf um den Sieg mitzukämpfen. Der Schlüssel werden die Reifen sein. "Irgendwann brechen sie ein. Die Frage ist nur wann. Das wird auch die einzige Chance zum Überholen sein. Wenn der Unterschied zwischen den Autos so eng wie im Training bleibt, kommst du auf normalem Weg nicht vorbei. Zwei Zehntel reichen da nicht aus."

Der Spritverbrauch sollte nach Ansicht von Vettel keine Rolle spielen. Weil der Statistik nach sowieso ein Safety-Car kommt. Oder das Rennen wegen der Zweistunden-Regel nicht über die volle Distanz geht. Renault ist beim Verbrauch nicht schlechter aufgestellt als Mercedes. Teamchef Christian Horner sieht da sogar eine kleine Chance: "Weniger Power heißt auch weniger Spritverbrauch."

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