Vettel hinterfragt Stallregie

Durfte Ricciardo kampflos vorbei?

Vettel & Ricciardo - GP China 2014 Foto: xpb 53 Bilder

Bei Red Bull glühten während des Rennens die Drähte am Kommandostand. Die Ingenieure versuchten Daniel Ricciardo ohne größeren Zeitverlust an Sebastian Vettel vorbeizulotsen. Doch das führte zu kleineren Diskussionen am Funk. Nach dem Rennen versuchte man die Situation zu entschärfen.

Was ist nur mit Sebastian Vettel los? Nach der Niederlage in Bahrain und der dritten Qualifying-Schlappe am Samstag zog der Weltmeister auch im Rennen von Shanghai gegen den Teamkollegen den Kürzeren. Nur am Start war der Heppenheimer kurz hellwach, als er sich im Windschatten von Lewis Hamilton auf Rang 2 durch die ersten Kurven schlängelte.

Doch die Mercedes waren an diesem Tag kein Gegner. Auch der Ferrari von Fernando Alonso ging in der ersten Runde der Boxenstopps vorbei und zog anschließend langsam davon. Plötzlich hieß der einzig verbliebende Konkurrent für Vettel Daniel Ricciardo. In Runde 22 tauchte der Australier plötzlich im Rückspiegel des Heppenheimers auf - und machte ordentlich Druck.

Horner lobt Vettel als Teamplayer

Auch der Kommandostand merkte, dass der Neuling im Team eigentlich schneller konnte. Und wie in Bahrain kam der Befehl an Vettel, das Schwesterauto vorbeizulassen. Im Gegensatz zum Rennen vor 14 Tagen nahm der Deutsche die Stallregie aber nicht so einfach hin. Er fragte stattdessen nach dem Grund für die Aufforderung. "Daniel ist auf Reifen, die 3 Runden frischer sind", so die Antwort.

Das reichte Vettel aber offenbar nicht als Begründung. "Persönliches Pech", so die trotzige Reaktion des Weltmeisters. Teamchef Christian Horner versuchte die Wogen nach dem Rennen zu glätten: "Wir haben ihm noch einmal erklärt, dass Daniel eventuell auf einer anderen Strategie ist und schonender mit den Reifen umgeht. Dann hat Sebastian gezeigt, dass er ein Teamplayer ist und hat ihn vorbeigelassen."

Hat Vettel freiwillig Platz gemacht?

Das Platztausch-Manöver in Kurve 1 der 26. Runde sorgte bei den Experten allerdings für Stirnrunzeln. Selbst Daniel Ricciardo wusste nach dem Rennen nicht, ob sein Teamkollege absichtlich mitspielte: "Ich kann nicht sagen, ob er einfach zu spät gebremst hat und deshalb zu weit in die Kurve gefahren ist oder freiwillig zu Seite fuhr."

Vettel betonte, dass er freiwillig Platz gemacht habe. "Es machte keinen Sinn, gegen ihn zu kämpfen und ihn aufzuhalten. Er war zu diesem Zeitpunkt eindeutig schneller. Warum das so war, müssen wir jetzt herausfinden." Teamchef Horner sieht den Grund vor allem in der Reifenbehandlung. "Sebastian ist deutlich schneller durch die verschiedenen Verschleiß-Phasen gegangen. Das Reifenschonen war früher immer seine Stärke. Aber mit den neuen Pirellis hat er es noch nicht so raus. Sobald das der Fall ist, wird er wieder die alte Form zeigen, da bin ich sicher."
 
Kurzfristig hatte man bei Red Bull sogar überlegt, den Heppenheimer auf eine 3-Stopp-Strategie umzustellen. Vettel forderte sogar am Funk, die Box anfahren zu dürfen. Schließlich hatten ihn die Ingenieure ja auch nur mit der Aussicht auf frische Reifen überreden können, für Ricciardo Platz zu machen. Doch dann musste der Kommandostand den Piloten vertrösten, dass er doch auf den alten Gummis weiterfahren muss.

Stimmt bei Red Bull die Teamchemie?

"Wir hatten einfach keine vernünftige Lücke nach hinten", verteidigt Horner. "Und mit dem mangelnden Top-Speed wäre es nicht einfach gewesen, andere Autos zu überholen und die frischen Reifen auch auszunutzen. Deshalb sind wir doch auf der 2-Stopp-Strategie geblieben." Die Frage lautet, ob Vettel auch für Ricciardo Platz gemacht hätte, wenn ihm klar gewesen wäre, dass beide Autos bei der gleichen Strategie bleiben.
 
Unklar ist auch, ob sich die starken Leistungen von Ricciardo negativ auf die Teamchemie auswirken. Bisher sind die beiden Piloten sehr gut miteinander ausgekommen. Das Verhältnis ist deutlich entspannter als früher mit Mark Webber. "Mir ist noch nichts Verdächtiges aufgefallen von seiner Seite der Garage", grinste Ricciardo nach dem Rennen entspannt. "Ich bin mir sicher, dass Sebastian nicht glücklich mit der Situation ist, aber er wird sicher weiter mit mir reden. Er wird hart daran arbeiten, die Probleme abzustellen. Aber ich werde mit Sicherheit auch nicht nachlassen."

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