Vettel & Räikkönen - GP Monaco 2017 Wilhelm
Sebastian Vettel - Formel 1 - GP Monaco 2017
Marcus Ericsson - Formel 1 - GP Monaco 2017
Marcus Ericsson - Formel 1 - GP Monaco 2017
Kimi Räikkönen - Formel 1 - GP Monaco 2017 66 Bilder

Vettel holt zweiten Monaco-Sieg

Wurde Räikkönen verschaukelt?

Ferrari feierte seinen ersten Doppelsieg seit dem GP Deutschland 2010. Damals trübte eine Stallregie die Freude bei der Scuderia. Auch in Monaco war von versteckter Team-Order die Rede. Wurde Kimi Räikkönen für Sebastian Vettel geopfert?

Kimi Räikkönens Gesichtsausdruck und seine Worte sprachen Bände. Der Finne stand mit versteinertem Gesicht auf dem Siegerpodest. Als Nico Rosberg ihn beim Interview der drei Erstplatzierten auf der Zielgerade fragte, wie er sich fühle, da antwortete Räikkönen: „Es ist immer noch ein zweiter Platz. Aber ich fühle mich nicht gut dabei.“ Kimis Statement in finnischer Sprache für das TV-Weltbild dauerte genau 18 Sekunden. Wir haben nicht verstanden, was er gesagt hat, aber wir können es uns vorstellen.

Was war passiert? Räikkönen führte bis zur 33. Runde den GP Monaco an. Er hatte Sebastian Vettel beim Start die Auspuffrohre seines Ferrari gezeigt. „Ich habe die ganze Nacht geträumt, wie ich an Kimi am Start vorbeikomme, doch dann hatte er einen guten und ich einen normalen Start, und von da an musste ich einfach nur geduldig sein“, juxte Vettel.

Der Abstand der beiden Ferrari-Piloten schwankte zwischen 0,9 und 2,3 Sekunden. In Runde 33 betrug er exakt 1,138 Sekunden. Räikkönen war gerade eine Runde von 1.17,034 Minuten gefahren, Vettel eine mit 1.17,188 Minuten. In Runde 32 hatte Max Verstappen die Reifenwechsel der Top 5 eröffnet. Der Holländer hatte zu dem Zeitpunkt 6,7 Sekunden Rückstand auf Spitzenreiter Räikkönen, 5,1 Sekunden auf Vettel und 1,9 Sekunden auf Valtteri Bottas.

Hat Ferrari nicht gemerkt, dass der Overcut besser war?

Red Bulls Schachzug hatte Folgen. Aus Angst vor einem Undercut zog in Runde 33 zuerst Mercedes mit Bottas nach, in Runde 34 dann Ferrari. Nein nicht mit Vettel, sondern mit Räikkönen. Vettel durfte noch 4 weitere Runden Tempo machen. Als er wieder auf die Strecke kam, lag er vor Räikkönen.

Der spätere Sieger zeigte sich überrascht: „Als Kimi reinkam, habe ich alles auf eine Karte gesetzt. Ich hatte zu dem Zeitpunkt das Gefühl, dass ich schneller als Kimi fahren konnte. Dass ich aber vor ihm wieder rauskomme, damit hätte ich nicht gerechnet.“

Räikkönen kochte im Cockpit, als er merkte, dass sich die Reihenfolge gedreht hatte. Er dachte, was viele dachten. Hat mich mein Team da verschaukelt? Warum schützt Ferrari zuerst den Fahrer, der mehr Vorsprung auf Verstappen und Bottas hat, statt den Schlechterplatzierten? Hatte Ferrari da noch nicht gemerkt, dass der Overcut wahrscheinlich die bessere Taktik sein würde?

Und hat Räikkönens Renningenieur Dave Greenwood übersehen, dass Räikkönen wie Bottas und Verstappen hinter die überrundeten Pascal Wehrlein und Jenson Button fallen würde und damit automatisch Zeit auf Vettel und Ricciardo verliert, die noch mit dem alten Satz Reifen auf der Strecke waren?

War das am Ende alles gewollt? So wie beim letzten Ferrari-Doppelsieg 2010 in Deutschland? Einer im Fahrerlager meinte: „Wenn es gewollt war, dann haben sie es diesmal auf die eleganteste Art gemacht, die möglich ist.“ Lewis Hamilton sagte gar: „Heute hat Ferrari gezeigt, wer ihre Nummer 1 ist.“ Mercedes-Teamchef Toto Wolff meinte süffisant: „Jetzt hat Ferrari die Probleme, die wir früher hatten. Sie müssen bei einem Doppelsieg erklären, warum der richtige Fahrer gewonnen hat.“

Räikkönen wollte trotz heftiger Nachfragen noch nicht so weit gehen: „Als Fahrer muss ich mich auf die Kommandos vom Team verlassen. Ich habe noch nicht das ganze Bild, aber es gibt bestimmt Gründe dafür, warum die Entscheidungen so getroffen wurden.“

Vettel zeigte Verständnis dafür, dass der Teamkollege ein langes Gesicht machte: „Ich wäre auch angepisst, wenn ich das Rennen verloren hätte. Normalerweise reagiert das Team mit dem Führenden zuerst. Ich hätte auch nicht gedacht, dass die alten Reifen noch so viel hergeben. Es gab eine Phase, da haben die Hinterreifen stark überhitzt. Sie haben sich aber wieder erholt.“

Vettel nahm Räikkönen 4,1 Sekunden ab

Schauen wir uns mal die entscheidenden 6 Runden rund um die Ferrari Boxenstopps an. Vettel machte in dieser Phase 4,1 Sekunden auf Räikkönen gut. Er fuhr auf 37 Runden alten Reifen eine Runde vor dem Boxenstopp eine Zeit von 1.15,587 Minuten. Räikkönen schaffte auf Reifen, die 33 Runden auf der Lauffläche hatten, nur eine Zeit von 1.17,034 Minuten. Selbst auf frischen Supersoft-Gummis war der Finne nur 1.15,527 Minuten schnell.

„Das zeigt ganz klar, dass Vettel zu dem Zeitpunkt viel schneller als Kimi war“, analysierte ein Strategieexperte. Daraus schlossen die Spezialisten: „Ferrari wusste, dass Vettel klar schneller war. Deshalb haben sie alle Karten auf Seb gesetzt. Sie hatten absolut Recht damit.“ TV-Experte Martin Brundle meinte: „Es wäre fahrlässig gewesen, dem WM-Kandidaten 7 Punkte zu stehlen.“

Räikkönen mag sich in diesem Moment an seine Worte vom Vortag erinnert haben. Da hatte er auf Fragen, ob Ferrari schon beim Start eine Stallorder ausgibt, unwirsch geantwortet: „Ihr wollt doch nur aus Nichts dumme Geschichten machen.“ Vielleicht denkt er jetzt anders darüber. Er muss weiter auf seinen 21. GP-Sieg warten. Das letzte Mal stand er beim GP Australien 2013 ganz oben auf dem Podest.

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