Vettel Kanada-Favorit

Erster Red Bull-Sieg im achten Anlauf?

GP Kanada 2011 Podium Foto: xpb 51 Bilder

Neben Austin ist Montreal die einzige Strecke im aktuellen Kalender, auf der Red Bull noch nie gewonnen hat. Dieses Jahr könnte es klappen. Der RB9 ist ein Traktionswunder. Dazu fehlen in Montreal schnelle Kurven, die dem Red Bull von der Abstimmung her einen Kompromiss aufzwingen würden.

Wer gewinnt den GP Kanada? Die Papierform spricht für Red Bull - obwohl das Weltmeisterteam in den sieben bisherigen Anläufen noch nie einen Siegerpokal aus Montreal mitnehmen konnte. Das Layout spielt dem aktuellen Newey-Renner in die Karten. Man muss sich nur das Ergebnis vom GP Bahrain anschauen, dann weiß man warum.

Sebastian Vettel fuhr dort ein Rennen, das an die Saison 2011 erinnerte. Kimi Räikkönen hätte gegen ihn auch nicht gewonnen, wäre er weiter vorne gestartet. Und Fernando Alonso wäre höchstens Zweiter geworden, hätte es bei Ferrari keine Probleme mit dem Heckflügel gegeben. Die Strecke von Bahrain besteht hauptsächlich aus langsamen Kurven. Sechs Mal wird von unter 120 km/h auf Top-Speed beschleunigt. Dazu gibt es noch drei schnelle Kurven.

Montreal nur Stop and Go

Die Strecke von Montreal ist noch extremer. Auf dem 4,361 Kilometer langen Kurs zählt an sechs Stellen die Traktion. Und ebenso oft ein Auto, das gut auf der Bremse liegt. Schnelle Kurven? Fehlanzeige. Der Rechtsbogen, in dem 1997 Olivier Panis verunglückte, wird heute gar nicht mehr als Kurve wahrgenommen.

Kein Auto hat eine bessere Traktion als der Red Bull RB9. Das liegt auch daran, dass Adrian Newey wegen der starken Anstellung des Autos hinten mit großen Federwegen arbeiten kann. Er kann in Montreal sogar den üblicherweise großen Radsturz und die hohe Rollsteifigkeit etwas zurücknehmen, weil die schnellen Kurven fehlen. Beides entlastet die Reifen.

Schnelle Kurven Gift für Red Bull

Nur schnelle Kurven bringen den Red Bull in einen Konflikt. Dann leidet der RB9 mehr als andere Autos, weil er wegen der weichen Seitenwände der Reifen vorne höher gefahren werden muss als üblich. Und damit hinten erst recht. Das führt zu einem Abstimmungsdilemma.

Reduziert man Sturz und Rollsteifigkeit, hilft das den Reifen, aber es kann zu Strömungsabriss im Heck führen, wenn das Auto in schnellen Kurven zu stark um seine Längsachse kippt. Dann besteht die Gefahr, dass auf der kurvenäußeren Seite Luft in den Diffusor eindringt.

Wieder Duell Mercedes vs. Red Bull?

Deshalb kämpft Red Bull für eine Rückkehr der 2012er Reifenkonstruktionen, die weniger stark walken. Vorne wie hinten. Auch Mercedes ist daran interessiert, weil das Fahrzeugkonzept des AMG W04 dem des Red Bull nachempfunden ist.

Die Silberpfeile könnten zum stärksten Konkurrenten um den Sieg werden. Der Silberpfeil hat bekanntermaßen etwas mehr Qualm an der Kette. Doch wie lange halten die Hinterreifen bei Rosberg und Hamilton durch. Eine gummischonende Bummelfahrt wie in Monaco kann sich Mercedes nicht leisten.

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