Vettel

"Mir fehlt noch jede Menge zu einem Top-Fahrer"

Foto: dpa

Jungspund Sebastian Vettel sorgt in der Formel 1 für mächtig Furore. Mit seinem jüngsten Coup in Monza unterstrich er erneut eindrucksvoll, dass er zu den aussichtsreichsten Kronprinzen der Königsklasse gehört.

Nicht von ungefähr feiert der Boulevard den Toro Rosso-Piloten längst als "Bubi-Schumi" oder "Baby-Schumi". Vettel gilt als größtes deutsches Talent seit Michael Schumacher. Der Rekord-Weltmeister hält viel von seinem potenziellen Nachfolger: "Er hat einiges drauf." Teamchef Gerhard Berger bescheinigte seinem Schützling enorme Qualitäten: "So weit wie Sebastian war zuvor kein anderer Fahrer in dem Alter. Er ist schon ein Top-Mann."

Seine außergewöhnlichen Fähigkeiten bewies Vettel einmal mehr in der Qualifikation zum Großen Preis von Italien bei zudem extremen Wetterbedingungen. Mit 21 Jahren und 72 Tagen holte der Champion in spé als jüngster Pilot der Grand-Prix-Geschichte eine Pole-Position. Überwältigt von seiner Galavorstellung jubelte "Vettel furioso" über Boxenfunk: "Grande, grande, grandissimo."

Dabei ist der inzwischen in Walcherswil am Zuger See wohnende Hesse aus Heppenheim bescheiden und bodenständig. "Ich muss noch viel an mir arbeiten", so seine kritische Selbsteinschätzung. "Es gibt noch jede Menge, was mir zu einem Top-Fahrer fehlt." Bis er ganz oben angelange, stehe ihm noch "ein langer, schwerer und harter Weg bevor.

Steile Karriere

Vettels zielstrebiger Ansturm zum Gipfel verläuft bislang äußerst geradlinig. Nach dieser Saison steigt der "Jungbulle" vom B- in den A-Rennstall Red Bull des österreichischen Energydrink-Milliardärs Dietrich Mateschitz auf. BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen hält eine Rückkehr des Rohdiamanten zu den Weiß-Blauen für durchaus möglich: "Er ist jetzt 'mal für zwei Jahre bei einem anderen Team."

Schließlich startete Vettel seine Formel-Karriere in der Nachwuchsserie Formel BMW. Sein Debüt in der Königsklasse feierte er ebenfalls bei den Bayern: Als Ersatz des verletzten Stammpiloten Robert Kubica holte der damals 19-Jährige am 17. Juni 2007 beim Großen Preis der USA als Achter auf Anhieb einen WM-Punkt. Vier Rennen später setzte ihn Toro Rosso anstelle des enttäuschenden Scott Speed (USA) in Ungarn ins Cockpit. Vettel rechtfertigte die Beförderung zum Stammpiloten mit dem sensationellen vierten Platz in Shanghai. 

Familienunterstützung an der Strecke

In dieser Saison ließ Vettel bislang mit seinem fünften Rang beim Klassiker in Monaco,  Platz sechs in Valencia und zuletzt erneut Rang fünf in Spa aufhorchen. Mit der Pole von Monza toppte er allerdings diese Resultate. Die Eltern Norbert und Heike Vettel waren begeisterte Augenzeugen des historischen Auftritts im Königlichen Park. "Ich bin selber hobbymäßig Rennen gefahren, da war Sebastian auch mit dabei. Mit dreieinhalb wollte er dann selbst ein Kart", schilderte der Vater in "Bild am Sonntag" den Ursprung der Karriere seines Filius'. "Der Anfang war nicht teuer - 7.000 Mark im Jahr."

Inzwischen dürfte Vettel einschließlich Prämien auf rund 1,5 Millionen Euro jährlich kommen. Die Verhandlungen führt der auf einen Manager verzichtende Abiturient (Notenschnitt: 2,8) selbst, verlässt sich dabei aber auf die Beratung durch Familie, Freunde und Formel-1-Experten. Zu seinen wichtigsten Tipp-Gebern, allerdings primär in sportlichen Angelegenheiten, gehört Schumacher. Die beiden Wahl-Schweizer telefonieren regelmäßig miteinander.

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