Vettel erwartet engen Kampf

Alle Top-6-Fahrer können gewinnen

Vettel & Verstappen - GP Kanada 2018 Foto: sutton-images.com 70 Bilder

Normalerweise zeigt sich Sebastian Vettel nach einer Pole Position nicht besonders euphorisch. Doch in Kanada war das etwas anders. Der erste Startplatz brachte dem Heppenheimer in Montreal mehr Freude als sonst. Wir verraten warum.

Wie sich das Blatt innerhalb von 12 Monaten wenden kann. Vor einem Jahr jubelte noch Lewis Hamilton nach dem Montreal-Qualifying. Der spätere Weltmeister hatte den Pole-Position-Rekord von Ayrton Senna geknackt. Zu diesem besonderen Anlass bekam er sogar einen originalen Helm seines brasilianischen Idols geschenkt.

Doch 2018 sieht die Stimmungslage nach dem Kampf um die besten Startplätze etwas anders aus. Während Hamilton nach Rang 4 ins Grübeln kam, strahlte Sebastian Vettel nach seiner vierten Pole Position im siebten Rennen über beide Ohren. Wissend dass die WM-Punkte erst am Sonntag vergeben werden, gibt sich der Heppenheimer nach dem Qualifying normalerweise eher reserviert. Doch das war dieses Mal etwas anders.

Erste Ferrari-Kanada-Pole seit 2001

„Das ist schon ein besonderes Gefühl auf dem Circuit Gilles Villeneuve ganz vorne zu stehen“, begründete der Pilot seine Euphorie. Kanada ist eine der Lieblingsstrecken des Hessen. Hier ist die Unterstützung der Ferrari-Fans immer besonders groß. Und eigentlich gilt Montreal als Spezialstrecke von Lewis Hamilton. Seit Michael Schumacher im Jahr 2001 konnte hier kein Ferrari-Fahrer mehr von ganz vorne losfahren.

Mit einer Vettel-Pole war also rein statistisch nicht zu rechnen. Auch nach dem Freien Training am Freitag sprach nur wenig dafür, dass der 30-Jährige etwas zu Jubeln bekommt. „Gestern waren wir noch richtig in Schwierigkeiten. Da habe ich mich noch wie ein Passagier im eigenen Auto gefühlt. Das war heute deutlich besser. Ich hatte wieder mehr die Kontrolle und konnte einen guten Rhythmus finden. Es wurde mit jeder Runde besser“, lobte der Pilot seinen Dienstwagen.

Im Training hatte sich Vettel bei einem Mauerkuss vorne links in Kurve 4 leicht die Aufhängung verbogen. Doch die Mechaniker brachten den roten Rennwagen wieder in die Spur. Dazu kam noch ein Problem mit der Lenkung und eine längere Reparaturpause, die wertvolle Übungszeit kostete. „Heute war es direkt viel besser. Das habe ich schon gemerkt, als ich das erste Mal die Box verlassen habe.“

Heikle Situation im Q2

Auch im Qualifying lief zunächst alles nach Plan. Nur am Ende des Q2 kam es kurz zu einer heiklen Situation, als der Ferrari am Ende einer schnellen Übungsrunde auf ein Pulk von Autos auflief, die vor der Zielschikane versuchten, Abstand zum Vordermann zu schaffen. „Die waren höchstens mit 100 km/h unterwegs und ich komme mit Vollgas angeflogen“, zeigte sich Vettel überrascht. „Entweder man hat sie nicht gewarnt oder sie haben nicht in den Rückspiegel geschaut. Ich musste die Runde abbrechen. Es gab keine Möglichkeit slalommäßig um sie herumzufahren.“

Doch lange ließ sich der WM-Zweite davon nicht irritieren. „Im Q3 war ich direkt mit meiner ersten Runde zufrieden. Ich wusste aber, dass im ersten Sektor noch etwas Zeit zu holen ist. Das habe ich im zweiten Run dann auch geschafft. Ich musste also den Rest der Runde nur noch einmal so fahren wie vorher. Aber dann habe ich etwas zu viel gewollt und es irgendwie nicht richtig hinbekommen.“

Die Fehler waren im Fernsehen kaum zu sehen, aber der Fahrer sorgte gewohnt selbstkritisch für Aufklärung: „In Kurve 8 hatte ich einen kleinen Wackler, auch den Ausgang der Haarnadel habe ich nicht so gut erwischt. Auf der Geraden habe ich noch versucht, einen Windschatten von Kimi zu bekommen, aber das hat auch nicht richtig funktioniert. Die Zielschikane war auch nicht optimal. Am Ende wurde es dann fast die gleiche Zeit wie im ersten Run. Zum Glück konnten sich die anderen nicht verbessern und hat es am Ende doch noch gereicht.“

Drei Top-Teams auf einem Niveau

Mit 93 Tausendstel Vorsprung verwies Vettel den Mercedes von Bottas auf Rang 2. Fast die gleiche Lücke lag dahinter zum Drittplatzierten Max Verstappen. „Wir liegen alle auf einem Level. Jedes Auto hat Stärken in verschiedenen Bereichen. Aber alles zusammengerechnet ist es verdammt eng“, analysiert Vettel die Situation.

„Jeder Pilot unter den ersten Sechs kann das Rennen gewinnen. Aber je weiter man vorne steht, desto höher sind die Chancen. Das muss ich natürlich so sagen, weil ich ja auf der Pole Position stehe. Aber es wird sicher ein spannender Kampf, bei dem es auch auf die Strategie ankommen wird.“ Besonders interessant ist dabei die Reifenfrage. Während Mercedes und Ferrari auf den Ultrasoft-Reifen losfahren, geht Red Bull aus den Hypersofts ins Rennen.

„Ich bin etwas überrascht über die Entscheidung von Red Bull. Ich denke, wir fahren auf dem richtigen Reifen los. Das wird aber auf jeden Fall eine spannende Angelegenheit. Die ersten Rennen haben gezeigt, dass wir in Sachen Longrun-Pace nah beieinander liegen. Wir stehen aber nicht grundlos auf Pole. Ich hoffe, dass wir die gute Leistung ins Rennen mitnehmen können.“

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