Sebastian Vettel - Ferrari - Formel 1 - GP Spanien - 13. Mai 2017 sutton-images.com
Sebastian Vettel - GP USA 2007
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Vettel Zweiter trotz Motorchaos

„Muss noch einmal die Schulbank drücken“

Am Freitag war Ferrari nirgendwo. Am Samstag musste in Sebastian Vettels Auto der Motor getauscht werden. Nach einem Kilometer schien das Training schon beendet. Am Ende kostete ihn ein Rutscher in der Schikane die Pole Position.

Am Ende trennten die WM-Favoriten 51 Tausendstel. Sebastian Vettel fuhr zwei Sektoren lang auf Pole Position-Kurs, doch dann kam seine Hass-Kurve. In der Schikane verlor Vettel die entscheidende Zeit auf die schnellste Runde von Lewis Hamilton. Auch der Mercedes-Pilot kam nicht ungeschoren durch die letzten drei Kurven. „Es war unheimlich rutschig dort am Ende des Trainings. Der Bremspunkt vom ersten Versuch hat nicht mehr gepasst.“ Schuld war möglicherweise starker Rückenwind.

Früher bei Red Bull wurde die Kurvenkombination scherzhaft die Webber-Schikane genannt. Weil Mark Webber in dieser Rechts-Links-Rechts Passage unschlagbar war. Vettel stand mit der Schikane vor der Zielkurve immer auf Kriegsfuß. "Mark hat mir gezeigt, wie man dort schnell fährt, aber ich habe offenbar nicht gut genug aufgepasst. Ich muss wohl noch einmal die Schulbank drücken“, scherzte Vettel.

Der WM-Spitzenreiter konnte die knappe Niederlage verkraften. Er hat jetzt beim Start 740 Meter Platz, den verlorenen Platz wieder gutzumachen. Am Freitag durfte Vettel noch nicht hoffen, mit den Mercedes um den besten Startplatz zu fahren. „Ich spürte, dass unser Auto hier gut gehen würde, aber konnte einfach nicht alles aus ihm rausholen.“

Hilft niedrigerer Reifendruck Ferrari?

Am Samstag zeigte sich der Ferrari wie verwandelt. Die zwei roten Autos dominierten das dritte Training. Und schlugen sich auch in der Qualifikation im Hundertstelbereich mit den Mercedes. Ein Grund für die Steigerung könnte der von Pirelli gesenkte Reifendruck sein. Vorne um ein halbes PSI, hinten um 1,5 PSI. „Ferrari scheint davon mehr zu profitieren als wir“, hieß es bei Mercedes.

Vettel hatte vor seiner Fahrt auf den zweiten Startplatz noch zwei andere Prüfungen zu bestehen. Als er im dritten Training in seine 8. Runde gehen wollte, stoppte ihn ein Funkspruch kurz vor der Boxenausfahrt. Die Ingenieure entdeckten an den Daten Wasserverlust. Erst am Morgen war das zweite Triebwerk frisch in das Auto mit der Startnummer 5 eingebaut worden. In der Mittagspause kam es wieder raus. Und der erste Motor wurde wieder ins Auto geschraubt.

Dabei vollbrachten die Ferrari-Mechaniker ein Wunder. „Normalerweise brauchen unsere Jungs drei Stunden. Diesmal haben sie es unter zwei Stunden geschafft. Fünf Minuten vor Quali-Beginn saß ich im Auto“, lobte Vettel die Ferrari-Crew. „Auch Kimis Mannschaft hat mitgearbeitet. Es war schon faszinierend zu sehen, wie sie in zwei Arbeitsgruppen wie die Bienen um das Auto und den Motor geschwirrt sind.“

Nach Sensoralarm drohte Trainingsende

Vettel war noch keinen Kilometer gefahren, da gab es den nächsten Alarm. Renningenieur Riccardo Adami meldete sich aufgeregt am Funk: „Stop the car.“ Vettel hatte gerade die erste Service-Ausfahrt ausgangs Kurve 3 verpasst. Um Zeit zu gewinnen, fragte er noch einmal nach. „Seid ihr sicher?“ Vettel rollte in Schleichfahrt weiter, in der Hoffnung, bessere Nachrichten aus der Box zu hören. „Ich wollte auf jeden Fall vermeiden, das Kommando falsch verstanden zu haben. Nichts wäre schlimmer gewesen, als umsonst anzuhalten. Deshalb habe ich mir vorgenommen, das Auto in der Ausfahrt in Kurve 4 zu stoppen.“

Dann kam der erlösende Funkspruch: „Try to go to the pits.“ Kurz vor Ende der Runde meldete Vettel, dass sich Auto und Motor wieder normal anfühlen. Die Motorentechniker hatten in der Zwischenzeit einen defekten Sensor als Ursache ausfindig gemacht. Das Training war gerettet. Einziger Wermutstropfen: Der erste Motor war mit dem vierten Turbolader und der dritten MGU-H bestückt. Aus Zeitgründen musste das gesamte Paket gewechselt werden. Vettel hat jetzt bereits alle 4 Turbolader im Pool. Beim fünften gibt es die ersten Startplatzstrafe.

Ferrari-Upgrade neutralisiert Mercedes-Fortschritt

Viel wichtiger aber war die Erkenntnis, dass Ferrari offenbar die große Technikoffensive von Mercedes kontern konnte. Das eigene Upgrade mit neuen Leitblechen und Modifikationen am Unterboden war vergleichsweise bescheiden ausgefallen. Vettel zog einen positiven Schlussstrich: „Unsere Ausbaustufe war nicht so spektakulär wie die von Mercedes, aber sie funktioniert.“

Kimi Räikkönen lag ebenfalls die ganze Zeit auf Schlagdistanz mit den Mercedes und seinem Teamkollegen. Der Finne hatte das dritte Training für sich entschieden. Auch er haderte mit seinem letzten Versuch: „Ich habe in Kurve 5 zweieinhalb Zehntel liegenlassen, und ich hatte die gleichen Probleme wie alle anderen auf der Anfahrt zur der Schikane.“ Räikkönen fehlten 0,290 Sekunden auf die Pole Position.

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