Sebastian Vettel - Lewis Hamilton - GP Aserbaidschan 2017 - Baku xpb
Valtteri Bottas - Kimi Räikkönen - GP Aserbaidschan 2017 - Baku - Rennen
Fans - GP Aserbaidschan 2017 - Baku - Rennen
Lewis Hamilton - Mercedes - GP Aserbaidschan 2017 - Baku - Rennen
Sebastian Vettel - Ferrari - GP Aserbaidschan 2017 - Baku - Rennen
Nico Hülkenberg - Renault - GP Aserbaidschan 2017 - Baku - Rennen 67 Bilder

Vettel rammt Hamilton

WM-Duell eskaliert in Baku

In Baku gingen die beiden WM-Rivalen aufeinander los. Sebastian Vettel schlitterte hinter dem Safety Car ins Heck von Lewis Hamilton. Und rammte danach absichtlich den Führenden. Das sagen die Streithähne.

Der GP Aserbaidschan war ein verrücktes Rennen. Mit einem völlig überraschenden Ausgang: Daniel Ricciardo vor Valtteri Bottas und Lance Stroll. Darauf hätte im Vorfeld keiner gewettet. Trotzdem drehte sich nach den 51 Runden alles um einen Zwischenfall. Die Sieger rückten in den Hintergrund. Die Formel 1-Welt wollte wissen, warum Sebastian Vettel seinem Rivalen Lewis Hamilton einen Stoß verpasst hatte.

Hamilton vermisst Fairplay

Es passierte in der 19. Runde. Nach der 15. Kurve. Kurz vor dem zweiten Restart. Am Kurvenausgang rutschte der Ferrari mit der Startnummer 5 in den Mercedes W08 des Führenden. Die linke Kaskade des Frontflügels zerbröselte und auch von den Flaps blätterten Carbonteile ab. Vettel beschädigte mit seinem Auto den Diffusor des Mercedes. „Er hat beschleunigt und dann abgebremst“, fluchte Vettel.

Was danach passierte, erinnerte ein wenig an sein großes Vorbild Michael Schumacher, der Jacques Villeneuve im WM-Finale 1997 in Jerez abräumen wollte. Vettel setzte sich links neben Hamilton, hob den linken Arm und lenkte absichtlich mit dem rechten in den Mercedes. Die beiden WM-Rivalen stießen zusammen. Das rote Auto verlor für einen Augenblick mit zwei Rädern den Bodenkontakt. „Formel 1 ist etwas für Erwachsene. Seine Aktion davor war nicht notwendig. Das hat meinen Frontflügel beschädigt und seinen Diffusor. Er hat gebremst, wo man eigentlich beschleunigt“, rechtfertigte der viermalige Weltmeister seinen Rammstoß.

Hamilton sah es freilich anders. „Das war kein Fairplay. Wir haben heute einen anderen Sebastian gesehen als in den ersten sieben Rennen. Ich hoffe, dass kein Formel 2-, GP3-Pilot oder ein anderer Youngster seine Aktion gesehen hat. So verhält man sich nicht auf der Rennstrecke. In dieser Art darf man auf einen Rennzwischenfall nicht antworten.“

Vettel wirft Hamilton kein absichtliches Bremsen vor

In einem Punkt waren sich die beiden WM-Rivalen einig. „Der Führende diktiert beim Restart das Tempo.“ Danach entzweiten sich die Meinungen. Vettel beharrt darauf, dass Hamilton gebremst habe. „Ich denke nicht, dass er es absichtlich gemacht hat. Er wollte nicht meinen Frontflügel kaputt machen. Das hätte für ihn ja auch schnell in einem Plattfuß enden können. Ich konnte den Auffahrunfall allerdings nicht mehr verhindern.“ Mercedes widerspricht. „Die Daten belegen, dass Lewis nicht gebremst hat. Er hat nicht beschleunigt, sondern den Fuß vom Gas genommen“, berichtete Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff.

Hamilton wählte bei der zweiten Wiederaufnahme des Rennens eine andere Taktik. „Du kannst nicht zweimal das gleiche gegen einen vierfachen Weltmeister machen.Die Gerade ist so lang. Es ist so schwer darauf, die Führung zu halten, wenn die anderen vom Windschatten profitieren.“ Mercedes-Teamchef Wolff führte die Taktik-Änderung auf die Erfahrungen hinter dem ersten Safety Car zurück. „Lewis hätte beinahe das Safety Car eingeholt. Das war knapp.“ Hamilton verneinte: „Da waren noch 100 Meter dazwischen. Kein Problem.“

Für den absichtlichen Rammstoß bestrafte die Rennleitung Vettel mit einer Zehnsekundenstrafe, die er vor der Ferrari-Garage absitzen musste. Man setzte ihn wie im Icehockey auf die Strafbank und zückte nicht wie im Fußball die rote Karte. Das hätte die Disqualifikation bedeutet. Der WM-Führende brachte für die Entscheidung der Kommissare kein Verständnis auf. „Wir haben beide den Preis mit Beschädigungen bezahlt. Ich finde die Strafe ungerecht. Wenn die Stewards eine verteilen, muss sie an uns beide gehen.“ Und weiter: „Wir sind hier zum Rennfahren. Die Leute wollen, dass wir die Ellbogen ausfahren. Sie wollen enge Zweikämpfe sehen.“

Aussprache vor Österreich?

Aus den Aussagen der Mercedes-Bosse war herauszuhören, dass man das Strafmaß womöglich für zu milde hält. „Er ist ein vierfacher Weltmeister. Er ist ein Vorbild. Sebastian hat sich heute selbst blamiert“, äußerte sich Wolff. „Du kannst jemandem nicht absichtlich ins Auto fahren. Das ist inakzeptabel. So etwas habe ich noch nie erlebt. Das darf aus Zorn nicht passieren. Die Rennleitung hat darüber entschieden. Wenn man darüber nachdenkt, hätten es eigentlich mehr als zehn Sekunden sein müssen“, polterte Mercedes-Außenminister Niki Lauda.

Das achte Rennen der Saison hat einen ohnehin bereits packenden Zweikampf weiter gewürzt. „Wir machen Druck auf Ferrari. Das führt zu solchen Aktionen“, stichelt Hamilton. „Wir kennen alle Sebastians Funksprüche aus dem letzten Jahr. Wir wissen, wie emotional er reagiert. Ich will die Weltmeisterschaft ehrlich gewinnen.“

Kommt es vor dem Rennen in Österreich zur Aussprache zwischen den Konkurrenten? „Ich weiß gar nicht, ob er überhaupt meine Nummer hat“, witzelt Hamilton. „Ich denke nicht, dass wir viel zu besprechen hätten. Ich regle es lieber auf der Strecke.“ Wie sieht es Vettel? „Wir werden es manchen, wenn ihr nicht dabei seid.“

Motorsport Aktuell Sebastian Vettel - Ferrari - GP Aserbaidschan 2017 - Baku - Qualifying Ferrari in der zweiten Reihe Großer Abstand zu Mercedes in Baku

Mercedes fuhr im Qualifying zum GP Aserbaidschan in einer anderen Liga.

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