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Hamilton - Usain Bolt - Mercedes-AMG GT R - GP USA 2017 - Rennen
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Lewis Hamilton - Mercedes - GP USA 2017 - Rennen
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Ferrari bezahlt für Trainings-Problem

Warum gingen bei Vettel die Reifen ein?

Nach dem Start sah in Austin noch alles nach einem Ferrari-Sieg aus. Doch dann brachen bei Sebastian Vettel die Reifen ein. Teamkollege Kimi Räikkönen hatte keine Reifenprobleme. Für die Erklärung muss man auf das Training zurückblicken.

Nach dem GP USA wurden selbst die größten Optimisten bei Ferrari von der Wirklichkeit eingeholt. Die Konstrukteurs-Weltmeisterschaft ist bereits an Mercedes gegangen. Der Fahrertitel wird aller Voraussicht nach beim nächsten Rennen in Mexiko vergeben. Lewis Hamilton kann die vierte Weltmeisterschaft mit 66 Punkten Vorsprung eigentlich nicht mehr verlieren. Ein einziger fünfter Platz in den letzten drei Rennen reicht ihm.

Sebastian Vettel war die Enttäuschung nach dem WM-Lauf in Austin anzusehen. Der GP USA hatte mit dem Chassisproblem am Freitag einen schwierigen Anfang genommen und schien nach dem gewonnenen Start gegen Hamilton ein gutes Ende zu finden. Doch es dauerte nur fünf Runden, dann stellte Hamilton die alte Ordnung wieder her. Vettel hatte gegen den Mercedes-Piloten keine Chance.

Im ersten Stint auf Ultrasoft-Reifen verlor er in 16 Runden 4,458 Sekunden auf den WM-Rivalen. Im zweiten Abschnitt auf Soft-Gummis wuchs der Abstand von 1,430 auf 7,085 Sekunden an. Erst auf dem dritten Reifensatz erreichte Vettels Ferrari Normalform. Hamilton brauchte keinen dritten Satz. Er kam mit einem Boxenstopp über die Distanz und lag im Ziel 10,143 Sekunden vor seinem Widersacher. Soweit die nackten Zahlen .

Vettel rechnet mit Pannen ab

Sebastian Vettel suchte erst gar keine Ausreden. Er zeigte ganz offen seine Enttäuschung: „Wir wollten gewinnen und wurden offen und ehrlich geschlagen. Wir waren nicht schnell genug. Ich hätte nicht erwartet, dass die Reifen so stark abbauen. Das Rennen war nach dem ersten Stint praktisch schon gelaufen.“

„Es gibt keine Entschuldigung. Der Fehler liegt bei uns selbst. Uns fehlte der Freitag. Das hat im Rückblick nicht geholfen. Was uns in den letzten Wochen passiert ist, hat nichts mit Pech zu tun oder dem Glück anderer. Das haben wir selbst zu verantworten. Wir hatten es in der Hand und haben es nicht geschafft. Es gab Rennen, da waren wir stärker als unsere Gegner, und wir sind nicht mal bis zum Rennen gekommen. Da müssen wir ehrlich zu uns selbst sein. “

Austin war im Restprogramm der Formel-1-Saison die Strecke, die Mercedes am meisten in die Karten spielte. Das Layout verlangte nicht maximalen Abtrieb. Zu Beginn des Rennens waren die Vorderreifen der limitierende Faktor. Damit befanden sich die Silberpfeile in ihrem Aerodynamikfenster.

Lewis Hamilton - GP USA 2017
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Trotz kleinerer Verbremser hielten die Reifen am Mercedes besser als an Vettels Ferrari.

Auch die Bedingungen passten. Nach dem morgendlichen Regenschauer war die Strecke grün. Und die Asphalttemperatur blieb mit 35 Grad unter der Schmergrenze von Mercedes. Die liegt bei 38 Grad. „Trotzdem haben wir uns eine Chance ausgerechnet“, beharrte Vettel. „Im Training waren wir ziemlich nah dran, näher als sonst. Normalerweise sind wir Sonntag noch besser, aber leider nicht heute.“

Im Rückblick schadete ihm der verlorene Freitag mehr als er am Samstag noch zugeben mochte. Wenn auf so hohem Niveau gefochten wird, entscheiden Kleinigkeiten. Ein ganzes Training zu verlieren, noch dazu das mit der Vorbereitung für das Rennen, ist ein massiver Rückschlag.

Das geben auch die Mercedes-Ingenieure zu: „Wenn es den schnelleren Fahrer erwischt, tappst du im Dunklen. Die Daten des Teamkollegen bringen nicht viel, weil er anders fährt und langsamer unterwegs ist. Deshalb weißt du nicht, wie schnell es im Rennen gehen wird, was das Auto und die Reifen bei dem Speed erwartet.“

Hamiltons Geheimnis auf der Fahrt zum Startplatz

Als ab Sonntagmittag die Temperaturen ständig nach oben kletterten, waren die Ingenieure gefordert. Sie mussten ihr Setup den Bedingungen den geänderten Bedingungen anpassen, um im ersten Stint eine ordentliche Balance zu finden. Wer am Freitag zwei Longruns mit unterschiedlichen Reifentypen gefahren war, hatte eine Basis.

Lewis Hamilton - GP USA 2017
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Schon vor dem Start passte Hamilton das Setup an.

Hamilton passte auf dem Weg in die Startaufstellung zwei Mal die Frontflügeleinstellung an. Und die Reifendrücke wurden nachjustiert. Der spätere Sieger gab zu: „Wäre ich mit den Einstellungen ins Rennen gegangen, mit denen ich aus der Box gefahren bin, hätte ich mit dem ersten Reifensatz Probleme bekommen.“

Auch Ferrari hat versucht, das Auto mit der Startnummer 5 optimal zu trimmen, jedoch auf einer viel bescheideneren Datenbank. So lässt sich erklären, warum bei Vettel das passierte, wovor normalerweise eher Mercedes Angst hat. Bei Ferrari bauten die Reifen zu stark ab.

„Wir müssen herausfinden, warum ich größere Reifenprobleme hatte als die meisten anderen Fahrer zu der Zeit“, forderte Vettel. Der WM-Zweite meldete nach 11 Runden Blasen auf dem linken Vorderreifen. Ein typisches Zeichen für Überhitzung. Er verlor vor allem in den schnellen Kurven des ersten Sektors Zeit auf Hamilton.

Ein früher Boxenstopp in Runde 16 machte ein Einstopp-Rennen schon fast unmöglich. Andererseits forderte der Reifenwechsel Mercedes heraus zu reagieren. Um ein Haar wäre der Undercut gelungen. Hamilton kam drei Runden später an die Box. Es war höchste Eisenbahn. „Vor dem Stopp hatte ich fünf Sekunden Vorsprung auf Sebastian. Als ich aus der Box kam, traute ich meinen Augen nicht. Sebastian war plötzlich hinter mir. Ich fragte mich: Wo kommt der denn her?“ Vettel hatte die Mercedes-Strategen mit zwei extrem schnellen Runden überrascht. Anhand von Vettels Runde aus der Box heraus, hatte man nicht mit einem derartigen Zeitgewinn in den zwei folgenden Umläufen gerechnet.

Doch möglicherweise hat Vettel genau in diesen zwei Runden den zweiten Reifensatz geopfert. Die Reifen der Marke Soft litten bei der Attacke derart, dass sie schon ab der vierten Runde Verschleißerscheinungen zeigten. Innerhalb der nächsten fünf Runden vergrößerte Hamilton seinen Vorsprung um 2,1 Sekunden.

Plan B bringt Vettel ins Rennen zurück

Vettel bestätigte: „Die Reifen haben nach drei bis vier Runden angefangen zu leiden. Im ersten Stint musste ich früh an die Boxen. Deshalb war ich mir im zweiten Turn nicht sicher, wie lange sie halten. Wir haben am Funk über Plan B gesprochen und haben uns dazu entschlossen, eine alternative Strategie zu riskieren, ohne zu wissen ob sie gut geht. Am Ende war es die richtige Entscheidung.“

Als Vettels Rückstand in Runde 37 auf 7,085 Sekunden angewachsen war, fragte Vettel bei seinem Team nach, ob zwei Stopps Sinn machen würden. Red Bull nahm Ferrari die Entscheidung ab. Der zweite Boxenstopp von Max Verstappen zwang Ferrari nachzuziehen. Um vor dem Holländer zu bleiben.

Ferrari hatte zwar nur noch einen gebrauchten Supersoft-Reifensatz in der Hinterhand, aber er reichte Vettel, um Verstappens Angriffe abzuwehren. Und Valtteri Bottas und Kimi Räikkönen innerhalb von 15 Runden wieder einzuholen. Vettels Überholmanöver an Bottas vorbei in Kurve 1 war sehenswert. „Ich wollte eigentlich außen vorbei. Dann kam ein überrundetes Autoins Spiel. Ich zögerte, sah die Lücke und bin hineingestoßen. Eigentlich nur, um aus dieser Falle zu kommen. Valtteri wollte die Innenspur blockieren und hat dabei wohl etwas Schwung verloren“, erinnerte sich Vettel.

Eine Frage bleibt: Warum rapportierte Kimi Räikkönen keine Reifenprobleme und warum war der Finne über weite Strecken der schnellere Ferrari-Fahrer? Die Antwort kann nur heißen, dass Ferrari mangels Erfahrungswerten bei Vettel zu lange gebraucht hat, die richtige Frontflügeleinstrellung und den richtigen Reifendruck zu finden. Es funktionierte erst mit dem dritten Satz.

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Lewis Hamilton dominierte den GP USA.

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