Sebastian Vettel - Ferrari - Barcelona - F1-Test - 27. Februar 2019 Motorsport Images

Vettel beobachtet Konkurrenz genau

„Red Bull und Alfa sehen gut aus“

Sebastian Vettel musste am drittletzten Testtag einen Rückschlag hinnehmen. Nach einem technischen Problem flog der Ferrari-Pilot in Kurve 3 heftig in die Bande. Die gute Stimmung bei der Scuderia konnte der Crash aber nicht trüben.

Wenn man nicht gewusst hätte, dass Sebastian Vettel zweieinhalb Stunden vor seiner Medienrunde in die Bande gekracht war, man wäre von alleine wohl nicht darauf gekommen. Der Heppenheimer gab gut gelaunt Auskunft über die aktuelle Test-Wetterlage bei Ferrari und die Aussichten für die anstehende Saison.

Doch natürlich wollten die Medienvertreter zuallererst wissen, warum der vierfache Weltmeister um 11.10 Uhr in der schnellen Kurve 3 bei mehr als 200 km/h von der Ideallinie abgekommen war und nach dem Ritt durchs Kiesbett in die Barrieren einschlug. Der Aufprall war so heftig, dass die Sensoren am Auto Verzögerungen von mehr als 15g aufzeichneten, was automatisch einen Sicherheitscheck im Medical-Center notwendig machte.

Doch was die Unfallursache angeht, konnte der Crashpilot noch nicht groß für Aufklärung sorgen: „Wir wissen noch nicht genau, was passiert ist. Wir haben nur eine Idee. Aus dem Auto heraus habe ich gespürt, dass vorne links etwas passiert ist. Leider sehe ich aus dem Cockpit nicht viel von der Aufhängung“, zuckte Vettel ratlos mit den Schultern.

Vettel übersteht Highspeed-Crash

Die Auswirkungen des Defekts waren dramatisch. Statt nach rechts fuhr der SF90 plötzlich nur noch geradeaus. „Ich konnte noch etwas verlangsamen, bin dann aber doch relativ heftig eingeschlagen. Zum Glück haben die TecPro-Barrieren und das Auto ihren Job erledigt. Etwas mehr Auslauf hätte uns die Fehlersuche erleichtert. Durch den Aufprall wurde das Auto ziemlich beschädigt. Da müssen wir jetzt aufpassen, dass wir die richtigen Schlüsse ziehen und das Problem rekonstruieren können.“

Vettel wurde ordentlich durchgeschüttelt, konnte das Cockpit aber aus eigener Kraft verlassen. Die Streckenposten waren direkt zur Stelle und Vettel hob auch direkt den Daumen, um zu signalisieren, dass alles okay ist. „Natürlich schaut man nach so einem Einschlag erstmal bei sich selbst nach, ob noch alles gut ist. Aber bis jetzt gibt es noch keine Probleme“, gab der 31-Jährige Entwarnung.

Sebastian Vettel - Ferrari - Barcelona - F1-Test - 27. Februar 2019
xpb
Der Ferrari wurde bei dem Crash stark am sechsten Testtag stark beschädigt.

Die gute Laune wollte er sich von dem Abflug nicht nehmen lassen. Das generelle Gefühl im Scuderia-Lager passt. Vettel fällt es sichtlich schwer, auf die Euphoriebremse zu treten: „Die Atmosphäre im Team positiv, trotz der Probleme gestern und heute. Aber bis wir genau wissen, wo wir stehen, wird es noch etwas dauern.“

Die guten ersten Eindrücke, von denen Vettel in der Vorwoche geschwärmt hatte, seien immer noch vorhanden: „Wir sind voll auf Kurs, sowohl was den Antrieb angeht als auch beim Auto. Die Basis war schon am ersten Tag sehr gesund. Jetzt schrauben wir hoch, runter, vor, zurück, um noch weiter an der Balance zu arbeiten.“

Vettel lobt Red Bull und Alfa Romeo

Auch die Zusammenarbeit mit seinem neuen Teamkollegen Charles Leclerc funktioniere schon prima. Er habe mit dem Monegassen in der ersten Woche mehr geredet als mit seinem alten Teamkollegen Kimi Räikkönen, scherzte Vettel. „Die Situation ist natürlich etwas anders als früher. Charles ist neu im Team und alles muss sich erst noch einspielen. Er unterscheidet sich auch vom Fahrstil etwas von Kimi. Aber was das Feedback über die Balance angeht, wollen wir ähnliche Dinge vom Auto. Dass er sehr schnell ist, brauche ich wohl nicht erwähnen. Sonst wäre er nicht hier.“

Dass Ferrari bis jetzt noch nicht ganz oben in den Zeitenlisten aufgetaucht ist, macht dem Routinier im Team keine Sorgen. „Wir haben die weichen Reifen noch nicht so oft drauf gehabt. Bevor wir anfangen zu experimentieren, müssen wir das Auto erst richtig verstehen. Jetzt haben wir leider etwas Zeit verloren. Für heute hatten natürlich ein paar mehr als nur 40 Runden eingeplant. Da wird sich natürlich auch das Programm etwas ändern.“

Sebastian Vettel - Ferrari - Barcelona - F1-Test - 27. Februar 2019
Stefan Baldauf
Vettel sieht Ferrari gut aufgestellt. Der Heppenheimer warnt aber davor, frühzeitige Schlüsse zu ziehen.

Obwohl es noch Fragezeichen gibt, ließ sich Vettel schon ein paar interessante Aussagen zur Analyse der Konkurrenz entlocken: „Ich habe die Zeiten noch nicht so genau analysiert. Ich denke aber, dass wir ganz gut dabei sein sollten. Red Bull sieht auf jeden Fall auch sehr stark und konstant aus. Und bis jetzt auch zuverlässig. Es könnte zudem ein paar Überraschungen geben. Alfa sieht zum Beispiel sehr gut aus.“

Mit einem Auge verfolgt Vettel natürlich auch, was bei Mercedes los ist. Der Hauptkonkurrent der letzten Jahre scheint momentan etwas zu schwächeln. „Es ist es etwas schwierig zu lesen, was da genau passiert. Manche Runs sehen gut aus, andere weniger“, grübelt der Pilot. Das große Technik-Update am Silberpfeil verfolgte der Fahrer mit Interesse: „Man schaut auf jeden Fall hin. Ich war etwas überrascht, dass das Auto so viele Neuerungen hatte. Aber jeder wählt seinen eigenen Weg. Und erst in Melbourne geht es richtig los.“

Ferrari SF90: Vettels Dienstwagen für 2019

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