Esteban Ocon - Alpine - GP Ungarn 2021 - Budapest xpb
Perez - Bottas - Verstappen - Norris - GP Ungarn 2021 - Budapest - Rennen
Valtteri Bottas - Mercedes - GP Ungarn 2021 - Budapest - Rennen
Lewis Hamilton - Mercedes - GP Ungarn 2021 - Budapest - Rennen
Fernando Alonso - Alpine - GP Ungarn 2021 - Budapest - Rennen 56 Bilder

Fünf Faktoren für Ocon-Sieg in Ungarn

Vettel trauert verpasstem Sieg nach Fünf Faktoren für Ocon-Sieg

GP Ungarn

Esteban Ocon hat sich mit einem Sieg in den Geschichtsbüchernverewigt. Der Franzose setzte sich beim GP Ungarn gegen Sebastian Vettel durch. Teamkollege Fernando Alonso leistete wertvolle Schützenhilfe. Seine rundenlange Blockade gegen Lewis Hamilton war einer von fünf Faktoren, die Ocon begünstigten.

Davon hätte Alpine im Vorfeld nicht einmal träumen können. Auf einen Schlag sammelte der französische Werksrennstall 35 WM-Punkte. Und das von den Startpositionen acht und neun auf einer Rennstrecke, auf der Überholen fast nicht möglich ist. Doch an diesem Chaos-Tag von Budapest war alles möglich.

Esteban Ocon und Fernando Alonso gehörten zu den großen Stars des GP Ungarn. Der Franzose als Rennsieger, der Matador als Verteidigungskünstler. Für Ocon gab es zur Belohnung den großen Pokal. Alonso blieb ein Podestrang verwehrt, doch die Fans krönten ihn zum Fahrer das Rennens.

Erst Tal, dann Sieg

Für den 24-Jährigen ging ein Traum in Erfüllung. Den ersten Sieg in der Formel 1 verdiente sich Ocon mit einer fahrerischen Meisterleistung, obwohl ihn die Umstände erst in die Situation brachten. Wie in Monza im Vorjahr seinen Landsmann Pierre Gasly. Es waren fünf Faktoren, die dem Alpine-Fahrer in die Hände spielten. 1.) Der Start. 2.) Der Mercedes-Fehler beim Restart. 3.) Nicholas Latifi als Abschirmjäger. 4.) Der abgewehrte Undercut von Sebastian Vettel. 5.) Teamkollege Alonso als Verbündeter in der Ferne.

Der Pilot konnte es selbst kaum fassen und erinnerte sich erst einmal zurück an schwierige Wochen. "Was für ein Moment. Ich ringe nach Worten. Es fühlt sich umso besser an, weil ich in dieser Saison schon in einem Tal steckte. Ich kann mich nur bei meinem Team bedanken, dass sie mir in einer schweren Phase vertraut haben." Ocon spielt auf die Rennen vor dem GP England an. Da versank er im Niemandsland, während Alonso mehr und mehr aufblühte.

Es war nicht der Chassis-Tausch von Silverstone, der die Wende brachte. Da hatten seine Mechaniker keinen Defekt gefunden. Doch beim Zerlegen des A521 hatte Alpine eine Ungereimtheit an der Vorderachse festgestellt, und sie behoben. Seither hat der Schlaks das Vertrauen ins Auto zurückgewonnen.

Esteban Ocon - Alpine - GP Ungarn 2021 - Budapest
xpb
Der erste Sieg: Ocon kreuzt nach 70 Runden den Zielstrich.

Schneller Wechsel auf Slicks

Natürlich brauchte es einen turbulenten Verlauf, dass ein Alpine-Fahrer in dieser Saison ein Rennen gewinnt. Natürlich müssen erst die Topteams bluten, damit der Weg frei ist. Dafür sorgte Valtteri Bottas am Start, der den McLaren von Lando Norris in Max Verstappen schob und dann auch noch Sergio Perez mitnahm. Vor Ocons Augen kollidierten zudem Lance Stroll, Charles Leclerc und Daniel Ricciardo.

Plötzlich befand sich Ocon auf dem zweiten Rang hinter Lewis Hamilton. Es hatte sich ausgezahlt, die Innenspur in der ersten Kurve zu nehmen. Nach dem Abbruch trafen die Alpine-Strategen in der Boxenstraße dieselbe Entscheidung wie alle anderen Teams. Man blieb auf den Intermediates. Keiner hatte geahnt, dass die Strecke in der 25 Minuten langen Unterbrechung auftrocknen würde. Dazu Alpine-Technikchef Marcin Budkowski. "Man muss sechs Minuten vor Verlassen der Box die Entscheidung treffen, welche Reifen man wählt. Wir haben über Slicks nachgedacht, uns aber dagegen entschieden. Die Strecke war noch feucht und die Sonne hinter den Wolken. Als sie rauskam, hat es schnell aufgetrocknet."

Ocon zweifelte die Entscheidung nicht an. "Ich habe gesehen, dass Lewis vor mir und Sebastian hinter mir auch auf Intermediates waren. Deshalb war ich entspannt." Auf dem Weg zum Neustart machte der 24-Jährige alles richtig und der Routinier vor ihm alles falsch. Hamilton blieb auf der Strecke, weil sein Team nicht auf ihn hörte. Alpine wechselte an beiden Autos dagegen wie das ganze Feld von Intermediates auf Trockenreifen.

Kurze Zweifel bei Ocon

Eigentlich war Ocon überzeugt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Ihm kamen allerdings auch ein paar Zweifel. "Lewis und Mercedes machen für gewöhnlich keine Fehler." Dieses Mal schon. Eine Runde später steuerte der Weltmeister auf einer trockenen Bahn die Box an und fiel aus den Top 10. Und der Franzose führte das Rennen an.

Zusammen mit Vettel enteilte er dem Verfolgerpulk, das von Nicholas Latifi aufgehalten wurde. Die Führung verteidigte er mit Bravour, obwohl Aston Martin das schnellere Auto hatte. Ocon leistete sich trotz des vierfachen Weltmeisters in seinem Rücken über die Renndistanz keine Schwäche. "Ich habe versucht, ihn in einen Fehler zu treiben. Das hat leider nicht geklappt. Ein paar Mal haben bei ihm die Räder blockiert, aber nichts Wildes." Der Zweitplatzierte applaudierte weiter. "Ich war nach der Zieldurchfahrt gefrustet über den verpassten Sieg. Mit etwas Abstand muss ich aber sagen, dass nicht wir das Rennen verloren haben, sondern Esteban es verdient gewonnen hat."

Mit der Taktik machte Alpine alles goldrichtig. Man hielt Alonso draußen, damit Aston Martin Vettel nicht früher an die Box ziehen konnte. In dieser Beziehung half der Spanier seinem Teamkollegen ein erstes Mal. Die Briten konnten ihren Schützling erst reinholen, als sie sicher sein konnten, dass Alpine seinen Doppelweltmeister nicht mehr würde zweckentfremden können.

Esteban Ocon - Alpine - GP Ungarn 2021 - Budapest
xpb
Vettel wurde für Ocon nur nach dem Boxenstopp und beim Überrunden wirklich gefährlich.

Matador gegen Hamilton

Den Undercut wehrte man erfolgreich ab. Weil Ocon kurz vor Vettels Boxenstopp ein Polster von 2,6 Sekunden aufgebaut hatte. Mit mehr als zwei Sekunden Vorsprung fühlte sich der Alpine-Kommandostand sicher. "Wir haben ihn Vollgas geben lassen. Das war sein Verdienst", dankte Einsatzleiter Alan Permane. Die Mechaniker steckten in 2,3 Sekunden auf die harten Reifen um. In Summe verbrachte das blaue Auto eine Sekunde weniger in der Boxenstraße als das grüne. Das lag daran, dass Vettel nicht richtig eingeparkt hatte. Sonst hätte es doch mit dem Positionswechsel klappen können.

Das letzte Puzzle-Stein setzte Alonso. Der Matador wehrte auf der vierten Position liegend elf Runden lang die wilden Angriffe von Hamilton ab. "Unsere Simulationen haben uns gesagt, dass Lewis nach dem weiteren Reifenwechsel das Rennen gewinnt, wenn er schnell an Fernando vorbei fährt. Die Statistik ist das eine, das Überholen das andere. Zum Glück ist das in Ungarn schwer. Und zum Glück haben wir Fernando", sagte ein strahlender Budkowski. Hamilton fand erst in der 65. Runde einen Weg vorbei. Zwei Umläufe vorher, und er hätte Vettel und Ocon noch gefährden können.

Ocon dankte seinem Teamkollegen. "Ich weiß, dass ich ihm den Sieg mit zu verdanken habe. Er ist ein toller Typ. Alles, was mir vorher über ihn erzählte wurde, ist nicht eingetroffen. Wir sind ein starkes Duo, das unser Team vorantreibt." An diesem Tag machte er nur einen kleinen Fehler. Nach der Auslaufrunde stellte er sein Auto nicht in der Box ab, wie es das Protokoll verlangt, sondern auf der Zielgeraden. Die Stewards sprachen dafür eine Verwarnung.