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Vettel verliert an Boden

Mercedes zittert vor Spa und Monza

Sebastian Vettel - Ferrari - GP Ungarn 2018 - Rennen Foto: sutton-images.com 68 Bilder

Sebastian Vettel verlor in Deutschland und Ungarn zwei Rennen, die er eigentlich hätte gewinnen müssen. Trotzdem ist der Heppenheimer guter Dinge für die zweite Saisonhälfte. Ferrari hat das schnellere Auto als Mercedes. Das Weltmeisterteam zittert vor Spa und Monza.

05.08.2018 Andreas Haupt

Diese Weltmeisterschaft ist unberechenbar. Lewis Hamilton und Sebastian Vettel reichen sich den Spitzenplatz hin und her. Fünf Mal schon wechselte die WM-Führung. Hamilton hat sie seit dem GP Deutschland. Und baute seinen Vorsprung beim GP Ungarn um sieben Punkte auf 24 Zähler aus.

Sowohl Hamilton als auch Vettel haben in den 12 Rennen je einen Ausfall zu verzeichnen. Dem Engländer verwehrte eine kaputte Benzinpumpe in Österreich den Sieg. Vettel warf in Hockenheim durch einen Fahrfehler 25 Punkte weg. Die Nullrunde schmerzt noch immer. „Das Pendel schwingt hin und her. Konstanz ist der Schlüssel in dieser Weltmeisterschaft. Ich habe mir in Hockenheim keinen Gefallen getan, kann es aber nicht mehr ändern.“

Ferrari hätte früher stoppen sollen

Auch Ungarn war so ein Rennen, das Ferrari und Vettel eigentlich hätten gewinnen müssen. Die Roten stolperten über den Regen in der Qualifikation. Vom vierten Startplatz war der Schaden nicht mehr zu reparieren. Wieder gewann der größte Widersacher. „Ich hätte Lewis folgen können, steckte aber fest. Platz zwei ist nicht das Ergebnis, das wir uns vor dem Wochenende erhofft hatten. Aber es war das Maximum, das wir im Rennen angesichts unserer Ausgangslage erreichen konnten.“ Ferrari hatte in Budapest das schnellste Auto. Schneller als Red Bull. Schneller als Mercedes. Doch selbst das schnellste Auto nützt auf einem Kurs nichts, auf dem das Überholen eines anderen Top-Autos praktisch unmöglich ist.

Ferrari versuchte es über die Taktik. Man bestückte Vettels Auto für den ersten Stint mit den härteren Soft-Reifen. Kimi Räikkönen schaffte Valtteri Bottas durch einen frühen Boxenstopp aus dem Weg. Nach 15 Runden war Hamilton aber schon um 8,6 Sekunden enteilt. In den folgenden 20 Runden deutete alles daraufhin, dass Vettel über den langen ersten Stint Bottas würde überholen können. Doch dann blieb er im Verkehr stecken, Bottas drehte auf, Ferrari verpatzte den Reifentausch und Vettel schaute dem Mercedes mit der Startnummer 77 wieder ins Auspuffrohr.

Valtteri Bottas - Mercedes - GP Ungarn 2018 - Budapest - Rennen Foto: xpb
Lange kein Vorbeikommen: Vettel hängt hinter Bottas fest.

Im Nachhinein ist man immer schlauer: Ferrari hätte seinen Starpiloten besser reingerufen, bevor sich Vettel an Carlos Sainz, Romain Grosjean und Sergio Perez vorbeiarbeiten musste. Die Ultrasoftreifen hätten auch einen längeren Stint überlebt. Das war anhand der Trainingsdaten vom Freitag allerdings nicht abzusehen. „Sie hielten besser als gedacht. Als ich an Valtteri vorbei war, fühlten sie sich immer noch wie neue Reifen an.“

Das Überholmanöver kam zu spät, um Hamilton in irgendeiner Form gefährlich zu werden. Mehr als der zweite Platz wäre aber so oder so nicht herausgesprungen, glaubt Vettel. „Wir hätten Lewis einholen, aber nicht überholen können, wenn wir direkt nach dem Stopp vor Bottas gewesen wären.“

Beinahe hätte der Finne Vettel aus dem Rennen gekegelt. Bottas rauschte dem Ferrari ins Heck. „Ich habe so gebremst, dass ich die Innenlinie halten kann und nicht zu tief in die Kurve komme. Plötzlich bekam ich einen Schlag von hinten und wusste nicht so recht, was passiert war. Dann schaute ich in die Rückspiegel, sah Valtteri und Kimi und wusste, was abging. Ich hatte Glück, dass nichts brach und kein Reifen kaputt ging.“ Für Mercedes können die zwei gewonnen Rennen vor der Sommerpause noch Gold wert sein. Ferrari könnte den verpassten Chancen am Saisonende hinterher trauern.

Ferrari-Motor noch unter 1.000 PS

Es sind sich alle einig, dass Ferrari derzeit das beste Gesamtpaket hat. Das Chassis ist auf Augenhöhe mit dem von Mercedes. Und beim Motor ist Ferrari am silbernen Rivalen vorbeigezogen. Die Mercedes-Ingenieure verzeichneten auch in Ungarn trotz der verhältnismäßig kurzen Geraden signifikante Verluste. Ferrari demontierte Mercedes auf der Zielgerade sowie zwischen den Kurven eins und zwei sowie drei und vier. Man sah es an den Sektorzeiten. Ferrari war im ersten Abschnitt eine Macht.

Mercedes rätselt noch immer, wie Ferrari in so kurzer Zeit einen so großen Leistungssprung machen konnte. „Wir dürfen uns jetzt nicht darauf versteifen zu hinterfragen, was sie machen. Wir sollten uns fragen, was wir besser machen können, um uns zu verbessern. Wie wir unser Entwicklungsprogramm beschleunigen können“, fordert Mercedes-Teamchef Toto Wolff.

Auch in Ungarn vernahmen die Spione ein seltsames Geräusch, dass der Ferrari-V6 beim Rausbeschleunigen macht. Die 1.000 PS-Marke hat Ferrari laut Messungen übrigens noch nicht überschritten. Trotzdem: Bei Mercedes rauchen die Köpfe. Und Vettel ist trotz der zwei Niederlagen optimistisch für die verbleibenden neun Rennen. „Unser Auto ist stärker und effizienter als 2017. Es gibt noch viel Potential freizusetzen. Wir haben gute Entwicklungen in der Pipeline.“

Die nächsten drei Strecken verheißen nichts Gutes für Mercedes. In Belgien und Italien zählen Motorleistung. Deshalb befürchtet der Titelverteidiger, auf den Powerstrecken weiter ins Hintertreffen zu geraten. Und dann folgt mit Singapur eine verwinkelte Strecke mit etlichen 90-Grad-Kurven. Eine Strecke, die Mercedes in der Vergangenheit Kopfschmerzen bereitete. Da kann der Vorsprung von 24 Punkten in der Fahrer-WM und 10 Punkten in der Konstrukteurs-WM schnell dahin sein.

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@p2d:

Danke für die freundlichen Erklärungen.

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Auto_MG 12. August 2018, 22:55 Uhr
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