Sebastian Vettel - Ferrari - GP Emilia-Romagna 2020 - Imola xpb
Lewis Hamilton - Mercedes - GP Emilia-Romagna 2020 - Imola - Rennen
Lewis Hamilton - Mercedes - GP Emilia-Romagna 2020 - Imola - Rennen
Renault - GP Emilia-Romagna 2020 - Imola - Rennen
Lewis Hamilton - Mercedes - GP Emilia-Romagna 2020 - Imola - Rennen 54 Bilder

Vettel um Punkte betrogen: Sieg & Niederlage für Ferrari

Vettel um Punkte betrogen Sieg und Niederlage für Ferrari

Ferraris Ziel ist es, die Teams im Kampf um Platz 3 noch einzuholen. Doch der Abstand wurde größer. Die Mindestanforderung ist es, vor Alpha Tauri zu bleiben. Da hat Ferrari in Imola den Schaden begrenzt.

Ferrari-Teamchef Mattia Binotto wusste nicht so recht, ob er sich ärgern oder freuen sollte. Die Grand Prix in Italien bringen Ferrari in diesem Jahr kein Glück. Imola war besser als Monza und Mugello, doch am Ende fuhr nur ein Team aus dem Mittelfeld mit weniger Punkten nach Hause, und das war Racing Point. Ausgerechnet das mit dem größten Vorsprung. Ferraris Teamleitung hatte fünf Rennen vor Schluss das ehrgeizige Ziel ausgegeben, in den Kampf um Platz 3 noch einzugreifen. Das ist mit einem Rennen weniger nun weiter weggerückt. Renault, McLaren und Racing Point haben jetzt 32 und 31 Punkte Vorsprung.

Andererseits wollte Ferrari den Rest der Saison nicht mehr über die Schulter schauen. Eine Niederlage gegen den italienischen Nachbar Alpha Tauri im Duell um Platz 6 wäre aus Sicht von Maranello inakzeptabel. Und doch ist sie möglich. Der Vorsprung von Ferrari schrumpfte nur von 16 auf 14 Zähler. Es hätte viel mehr sein können, wenn allein das Renntempo über die Platzierungen entschieden hätte. Nach Pierre Gaslys Ausfall fuhr Alpha Tauri nur noch mit halber Kraft. Und landete trotzdem einen Platz vor den berühmten Hausherren.

Imola nicht ideal für Ferrari

So war es aus Sicht von Ferrari unter dem Strich ein Sieg und eine Niederlage zugleich. Die Pressemitteilung sprach von einem "beständigen Fortschritt". Das kann man so sehen, wenn man mit einrechnet, dass die Power-Strecke Imola nicht das ideale Terrain für Ferrari ist. Unter den Umständen ist der fünfte Platz von Charles Leclerc ein Erfolg. So sieht es auch der Fahrer: "Ich bin zufrieden. Wir waren ein bisschen schneller als Ricciardo, aber ich kam nicht an ihm vorbei. Die weichen Reifen hielten besser als erwartet. Beim Re-Start dauerte es zu lang, bis meine Reifen auf Temperatur kamen. So ist mir Kvyat noch durchgerutscht. Es war das Maximum, was heute für uns möglich war." Ferrari überließ die Entscheidung ob Boxenstopp oder nicht seinem Fahrer. Leclerc war die Streckenposition wichtiger als der Reifenvorteil. Wahrscheinlich die richtige Entscheidung. So verlor er einen Platz, andernfalls wären es drei gewesen.

Das Rennen zeigte aber auch, was die Schwächen von Ferrari sind, und die haben nicht nur mit dem Motor zu tun. Leclerc kam von den Top Ten der Startaufstellung als erster zum Reifenwechsel an die Box. Und die Ferrari brauchten am längsten, ihre Reifen anzuzünden. Das hat nichts mit fehlendem Abtrieb zu tun. Egal, ob Ferrari viel oder wenig Flügel wählt, dieses Manko begleitet die Fahrer schon die ganze Saison und war in Ansätzen bereits in den letzten beiden Jahren zu erkennen.

Sebastian Vettel - Charles Leclerc - Ferrari - GP Emilia-Romagna 2020 - Imola
Wilhelm
Nur ein Ferrari sammelte in Imola Punkte. Es war Charles Leclerc.

Vettel vier Zehntel vor Leclerc

Das Auto hat mit dem Aerodynamik-Upgrade, das in Portugal abgeschlossen wurde, Fortschritte gemacht. Der Abtrieb ist jetzt berechenbarer. Die Strömung im Heck reißt nicht mehr so leicht ab. Das hilft auch Sebastian Vettel, auch wenn man die Auswirkungen mehr am Sonntag als am Samstag erkennt. In Imola fuhr Vettel ein Rennen, als hätte es die Probleme nie gegeben. Von den 24 Runden, in denen beide Fahrer freie Bahn hatten, gingen 13 an Vettel und 11 an Leclerc.

In der schnellsten Rennrunde war Vettel um vier Zehntel schneller als sein Teamkollege. Trotz einer halb abgerissenen Frontflügelendplatte als Andenken an eine Kollision mit Kevin Magnussen in der Startrunde. "Das Team hat mir gesagt, dass der Schaden nicht so schlimm ist. Das Auto fühlte sich auch nicht schlechter an." Das sollte den Ferrari-Aerodynamikern vielleicht mal zu denken geben.

Das Problem des vierfachen Weltmeisters bleibt der Samstag. Da verpasste Vettel zum zehnten Mal den Aufstieg ins Q3. Diesmal um zwei Zehntel. Der Deutsche klammert sich an die kleinen Erfolge: "Das war schon mal besser als zuletzt. Ich muss jetzt in kleinen Schritten denken und Geduld bewahren, auch wenn es schmerzt."

Der Rennspeed zeigt ihm, dass er das Rennfahren nicht verlernt hat. "Das Gefühl war heute da, die Rundenzeiten gut. Ich schlage mich mit meinen schlechten Startplätzen selbst. Dann hänge ich da hinten drin und kann mein Tempo nicht fahren." Diesmal hatte Vettel das Glück, dass alle Soft-Starter vor ihm bis zur 13. Runde das Feld geräumt hatten. Endlich genoss auch er einmal den Luxus, den zuletzt immer nur Leclerc hatte. Ein Rennen für sich, nur im Kampf gegen die Uhr.

Ferrari - Frontflügel - Endplatte - GP Emilia-Romagna 2020 - Imola
Mercedes
Das Teil, das Vettel in der Startrunde verlor und sich am Auto von Bottas verhakte.

Zweiter Boxenstopp überflüssig

Das unterschiedliche Bild am Samstag und Sonntag verrät auch, wo Vettels Problem liegt. Es sind die Reifentemperaturen. Sind sie da, fährt er auf seinem alten Niveau. Mit seinem Fahrstil fällt es ihm aber offenbar schwer, in der Qualifikation Vorder- und Hinterreifen gleichzeitig in ihr Fenster zu bringen. Das erklärt auch die oft signifikant großen Zeitunterschiede. Im Rennen ist die Aufgabe einfacher, weil man mehrere Runden hat, die Reifen anzuheizen, und weil in der ersten Rennhälfte auch das zusätzliche Gewicht durch Benzin im Tank hilft.

Das Rennen von Vettel hätte eigentlich Punkte verdient gehabt. Pech und Pannen verhinderten den Zahltag. Die VSC-Phase verpasste Vettel um ein paar Sekunden. Sie hätte ihm viel Zeit beim ersten Boxenstopp geschenkt. Er wäre entweder knapp vor Daniel Ricciardo oder knapp hinter dem Renault ins Rennen zurückgekehrt. Der tatsächliche Boxenstopp neun Runden später wurde zur Geduldsprobe. Ein Problem mit der vorderen rechten Radmutter hielt Vettel 13,1 Sekunden auf seiner Parkposition fest. Statt sich vor Lando Norris auf Platz 11 einzufädeln, landete er auf Rang 14 hinter Antonio Giovinazzi.

Vettel war der Meinung, dass er noch zehn Runden länger hätte fahren und dann für die letzten Runden Soft-Reifen hätte nehmen können. "Sie haben aber gesagt, dass ich relativ zu Norris Zeit verliere und dass es höchste Zeit ist, den Boxenstopp abzuwickeln. Da muss ich dem Team glauben. Sie haben einen besseren Überblick als ich", erklärte Vettel.

Das Rennen offerierte ihm mit einem Safety Car noch eine zweite Chance auf WM-Punkte. Doch Ferrari entschied im Gegensatz zu Leclerc, Vettel auf weiche Reifen zu setzen. Er hatte noch einen frischen Satz in der Hinterhand. Es wäre im Rückblick besser gewesen, auf der Strecke zu bleiben. Seine harten Reifen waren zu dem Zeitpunkt erst elf Runden alt. Wahrscheinlich war die Versuchung zu groß, weil Vettel beim SC-Signal so günstig zur Boxeneinfahrt lag. Ohne den Stopp wäre der zweite Ferrari zwischen den beiden Alfa Romeo auf Platz 10 ins Ziel gefahren.

Mehr zum Thema Scuderia Ferrari
Lewis Hamilton - Mercedes - GP Toskana 2020 - Mugello
Aktuell
Charles Leclerc - Ferrari - GP Abu Dhabi 2020 - Formel 1
Aktuell
Carlos Sainz - McLaren - Bahrain - Sakhir
Aktuell