Vettel - Verstappen - GP England 2019 - Silverstone - Rennen Motorsport Images

Vettel schießt Verstappen ab

Ferrari-Star gesteht Fehler ein

Es wurde an allen Ecken gekämpft an diesem Rennsonntag von Silverstone. Vor allem zwischen Ferrari und Red Bull entbrannten heiße Duelle. Einmal ging es schief. Als Sebastian Vettel den vorausfahrenden Max Verstappen abräumte.

Die Entscheidung von Österreich, Max Verstappen nach dem Rempler gegen Charles Leclerc straffrei davonkommen zu lassen, hat sich ausgezahlt. Die Fahrer haben verstanden. Sie dürfen wieder aggressiver gegeneinander fahren, auch mal Zärtlichkeiten austauschen, ohne dafür direkt mit einer Strafe belegt werden. Solange der Gegner nicht grob fahrlässig und gefährlich von der Strecke gedrängt wird, haben die Rennkommissare offensichtlich nichts mehr einzuwenden.

Kollision in der 37. Runde

Den eindringlichsten Beweis für die kulante Linie der Stewards erbrachte der GP England. Die Schiedsrichter um Fahrer-Kommissar Vitantonio Liuzzi, Garry Connelly, Felix Holter und Dennis Carter schauten sich zwar den einen oder anderen Zwischenfall an, verzichteten allerdings bis auf eine Ausnahme auf eine Strafe. Sebastian Vettel wurde für seinen Rammstoß gegen Max Verstappen mit zehn Sekunden bestraft. Die Zeit wurde auf das Rennergebnis addiert. Dazu gab es zwei Strafpunkte für die Sünderkartei. Vettel hat in den letzten 12 Monaten nun sechs angehäuft. Bei sechs weiteren Strafpunkten muss er ein Rennen aussetzen.

Es passierte in der 37. Runde im Kampf um den letzten Podestrang. Verstappen klappte den Flügel auf, saugte sich auf der Hangar-Gerade im Windschatten des SF90 an, scherrte nach links aus und überflügelte den Ferrari auf der Außenseite. „Er hatte so viel Überschuss, dass ich nichts dagegen unternehmen konnte“, schilderte Vettel. Doch es eröffnete sich eine Gelegenheit, nur wenige hundert Meter später zu kontern.

Im schnellen Rechtsbogen von Stowe, der mit über 220 km/h genommen wird, trug es Verstappens Red Bull etwas zu weit hinaus. Vettel witterte seine Chance. „Ich bin besser aus der Kurve gekommen.“ Dieses Mal robbte sich der Ferrari-Pilot im Windschatten heran, und erspähte fälschlicherweise eine Lücke auf der Innenseite.

Max Verstappen - Red Bull - GP England 2019 - Silverstone - Rennen
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Max Verstappen wurde von Sebastian Vettel ausgehebelt. Er rettete sich als Fünfter ins Ziel.

Vettel verschätzt sich

Da war Vettel in der Falle. „Als ich mich für die Innenseite entschied, war ich zu spät dran. Als ich dann nach rechts ging, war es ebenfalls zu spät, den Unfall noch zu vermeiden. Ich hatte das Gefühl, dass er selbst wieder nach rechts zieht. Zumindest auf die Mitte der Straße.“ Verstappen zuckelte und betonierte die Innenbahn zu. Als Vettel die Linie kreuzte, und die Turbulenzen des vorausfahrenden Autos den Ferrari mit der Startnummer 5 wieder mit voller Wucht trafen, nahm das Unheil seinen Lauf.

Das rote Auto verlor Anpressdruck auf der Vorderachse, verzögerte nicht ausreichend und gabelte den Red Bull vor Vale auf. Als sich die beiden Autos wieder voneinander lösten, sprang Verstappen rückwärts über den Randstein, wurde ausgehebelt und knallte hart auf dem Untergrund auf. Beide rutschten gemeinsam ins Kiesbett. Red Bulls Helmut Marko und Christian Horner urteilten: „Vettel hat sich grob verschätzt. Sein Fehler hat uns heute ein sicheres Podest gekostet.“ Bei Red Bull glaubt man sogar, den zweiten Platz verloren zu haben. Man sah sich virtuell vor Valtteri Bottas, der noch ein zweites Mal zum Boxenstopp kommen musste.

Die Rennkommissare sahen es wie Red Bulls Führungsspitze. Einzig Vettel sei die Schuld für den Unfall zuzuschieben. Sie bezogen sich auf Artikel 38.2 des Sportgesetzes. „Beim Auto mit der Startnummer fünf blockierten die Vorderräder während des Bremsvorgangs. Deshalb krachte es ins Heck des Autos mit der Startnummer 33.“ Vettel versuchte erst gar nicht, die Schuld von sich zu weisen. „Es war mein Fehler. Ich habe mich verschätzt und eine Lücke gesehen, die es nicht gab. Deshalb bin ich direkt nach dem Rennen zu Max und habe mich entschuldigt.“ Verstappen nahm die Entschuldigung noch im Cockpit an. „Ich akzeptiere sie. Es ist trotzdem eine große Enttäuschung für mich. Ich bin in allen Zweikämpfen zuvor nicht mit vollem Risiko gefahren, weil ich ins Ziel kommen wollte.“ Das ist der neue Verstappen. Der Niederländer fährt mit Weitsicht.

Verstappen holt zehn Punkte

Die Zielflagge sahen beide. Vettel musste nach dem Zusammenstoß ein zweites Mal an die Box. Ferrari wechselte die demolierte Nase samt des gebrochenen Frontflügels. Der Notstopp warf den viermaligen Weltmeister aus den Punkten. Verstappen hingegen brachte einen waidwunden Red Bull auf dem fünften Platz ins Ziel. Durch die zehn Punkte setzte sich der Niederländer in der Weltmeisterschaft weiter ab von seinem Verfolger. Verstappen hält den dritten WM-Rang mit 136 Punkten. Vettel liegt 13 Zähler dahinter. Dieser fünfte Platz könnte noch Gold wert sein für Red Bull. Es heißt, Verstappen müsse vor der Sommerpause den dritten WM-Rang einnehmen, damit er eine mögliche Ausstiegsklausel nicht ziehen kann.

Es war ein kleines Wunder, dass der Red Bull überhaupt bis zum Ende kam. Durch den Zusammenstoß mit Vettel wurden der Diffusor ramponiert. Durch den Flug durch die Luft und den harten Aufprall brach der Unterboden, und die Servolenkung wurde ausgeknockt. „Dazu riss es meinen Sitz aus der Verankerung. Ich habe mich in den letzten 15 Runden ganz schön viel bewegt im Cockpit.“

F1-Fotos GP England 2019: Die Highlights des Rennens

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