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Hamilton- & Vettel-Fan - GP Japan 2018
Bottas & Hamilton - GP Japan 2018
Mercedes - GP Japan 2018
Lewis Hamilton - GP Japan 2018
Lewis Hamilton - GP Japan 2018 29 Bilder

Kann Vettel noch Weltmeister werden?

Nur fünf Mal gelang die Wende

Noch vier Rennen, 67 Punkte Rückstand. Eigentlich ist die Lage für Sebastian Vettel aussichstlos. Er kann sich nur an die Historie klammern. Es gibt fünf Beispiele, in den große Rückstände noch aufgeholt wurden.

Mercedes und Lewis Hamilton wollen das Wort WM-Titel noch nicht in den Mund nehmen. „Wir haben die Hand am Titel, aber den Titel noch nicht in der Hand“, umschrieb Teamchef Toto Wolff die gegenwärtige Gefühlslage vier Rennen vor Schluss. Lewis Hamilton führt die Fahrer-WM mit 67 Punkten Vorsprung auf Sebastian Vettel an. Er könnte die nächsten zwei Rennen zuhause bleiben und hätte immer noch mindestens 17 Zähler Guthaben. Wolff will sich auf diese Rechenspiele nicht einlassen. „Man denke nur daran, wie schnell sich einer den Finger brechen kann.“

Gefühlt kann Hamilton die letzten vier Rennen mit einer Hand fahren, und er würde seinen Titel immer noch verteidigen. Er hat einen Lauf. Bei Mercedes läuft alles wie am Schnürchen. Ferrari hat Probleme mit seinem Auto, mit den internen Abläufen und mit sich selbst. Das ist nicht gerade die ideale Basis, auf der man eine Aufholjagd startet. Vettel versucht die Risse im Team mühsam zu kitten. „Der Geist im Team ist immer noch gut, auch wenn die letzten Rennen nicht so gelaufen sind, wie wir uns das gewünscht haben.“

Richtig vergleichbar mit Vettels Lage ist nur 2007

Vettel weiß, dass seine WM-Chancen auf ein Minimum gesunken sind. Das einzige, an was er sich noch klammern kann, ist die Statistik. Fünf Mal in der Geschichte der Formel 1 wurden große Rückstände noch umgedreht. An einer Wende war er selbst beteiligt, an der anderen sein Teamkollege Kimi Räikkönen. 2010 hatte Vettel zwei Runden vor Schluss 25 Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Fernando Alonso. Mark Webber und Lewis Hamilton waren auch noch mit im Spiel, alle mit mehr Punkten als der damalige Red Bull-Pilot. Das machte die Aufgabe noch schwieriger.

Hamilton & Räikkönen - GP England 2007
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Lange hatte Lewis Hamilton 2007 die Nase im WM-Duell vorne.

Allerdings war auch der Abstand zur Spitze auf vier Rennen hochgerechnet geringer. Er wäre vergleichbar damit, dass Vettel jetzt zwei Siege auf Hamilton fehlen würden. Es sind aber 17 Zähler mehr. Kimi lag nach heutigem Punkteschema 2007 vor den abschließenden Rennen in China und Brasilien 43 Punkte hinter Hamilton. Mit Alonso noch mittendrin. Das würde aktuell 86 Punkten Rückstand entsprechend. Seine Lage vor elf Jahren war also umgerechnet noch aussichtsloser als die von Vettel heute.

Räikkönen profitierte aber auch von einem Umstand, auf den Vettel heute nicht bauen kann. Im gegnerischen McLaren-Team 2007 herrschte Krieg. Teamchef Ron Dennis unternahm alles, damit Fernando Alonso nicht Weltmeister wird. Der Spanier hatte sein Team im Spionagefall verpfiffen. Hamilton wiederum konnte sich nicht auf Alonso verlassen. Der kochte sein eigenes Süppchen.

In der komplizierten Gemengelage richtete McLaren Hamiltons Rennen in China allein darauf aus, Alonso zu schlagen. Hamilton blieb viel zu lange mit abgefahrenen Reifen auf der Strecke und flog in der Boxeneinfahrt ins Kiesbett. Räikkönen gewann. Das war der Grundstein zum Titelgewinn.

In den frühen Jahren regierte das Schicksal

Auch in den frühen Jahren der Formel 1 gab es große Vorsprünge, die plötzlich zusammengeschmolzen sind. Die Wende kam damals aber immer viel früher. Jim Clark hatte 1964 nach der Hälfte der Saison drei Mal so viel Punkte wie John Surtees auf dem Konto. Doch dann erwachte Ferrari. Der Sieg von Surtees am Nürburgring leitete die Wende ein. Der Ex-Motorradchampion holte aus den letzten fünf Rennen zwei Siege und zwei zweite Plätze. Clark wurde nur ein Mal Fünfter.

Andretti & Hunt - GP Japan 1976
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Hunt machte 1976 in Fuji den Titel klar, nachdem Lauda freiwillig zurückgezogen hatte.

Die Ausgangsposition für James Hunt sah 1976 zu zwei Zeitpunkten der Saison mehr als hoffnungslos aus. Nach dem GP Schweden, dem siebten von 16 Rennen führte Niki Lauda mit 52 zu 17 Punkten. Dann bescherte ein Sieg beim GP Frankreich und eine zurückgenommene Disqualifikation vom GP Spanien Hunt innerhalb einer Woche 18 Punkte.

Ein Rennen später in England wurde der Engländer dann tatsächlich disqualifiziert. Allerdings erst Wochen später. Somit stand es nach 9 von 16 Rennen 61 zu 30 für Lauda. Dann kam der Feuerunfall vom Nürburgring, die Pause, das Comeback und das Finale in Fuji, bei dem Lauda aufgab und Hunt mit einem 3. Platz doch noch Weltmeister wurde. Ereignisse, wie sie heute nicht mehr stattfinden.

Nelson Piquet lag 1981 nach einem Unfall in Silverstone 17 Punkte hinter Carlos Reutemann. Die WM schien gelaufen, zumal Reutemann ein zuverlässiger Ankommer war. Doch Reutemann kämpfte bei Williams ein internes Duell gegen Alan Jones aus. Teamchef Frank Williams weigerte sich eine Stallregie auszusprechen, und Jones hätte aus Prinzip nie Platz für Reutemann gemacht.

Das Unglaubliche passierte: Piquet punktete in allen sechs verbleibenden Rennen. Reutemann kam nur zwei Mal in den Punkterängen ins Ziel. Auch darauf kann sich Vettel heute nicht mehr verlassen. Moderne Formel-1-Autos fallen kaum noch aus. Und Hamilton hat den einen statistischen Ausfall durch Defekt schon hinter sich.

Die größten Aufholjagden der Formel 1

Jahr Zeitpunkt WM-Stand Weltmeister
1964 Nach 5 von 10 GP Clark 30 (75)*, G.Hill 24 (60), Surteees 10 (25) John Surtees
1976 Nach 9 von 16 GP Lauda 61 (153) Hunt 30 (75) James Hunt
1981 Nach 9 von 15 GP Reutemann 43 (108) Piquet 26 (65), Laffite 21 (53) Nelson Piquet
2007 Nach 15 von 17 GP Hamilton 107 (268), Alonso 95 (238), Räikkönen 90 (225) Kimi Räikkönen
2010 Nach 17 von 19 GP Alonso 231, Webber 220, Hamilton 210, Vettel 206 Sebastian Vettel
* Punkte nach heutigem Punkteschema 25-18-15-12-10-8-6-4-2-1
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