Sebastian Vettel 2010 Red Bull
Lewis Hamilton - Stats - GP Japan 2017
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Kann Vettel die WM noch drehen?

Statistik macht Ferrari Hoffnung

Von der Wahrscheinlichkeit her hat Lewis Hamilton den WM-Titel schon halb in der Tasche. Der Kampf von Vettel ist aber nicht aussichtslos. Sieben Mal kippte die WM noch nach großen Vorsprüngen, und zwei Mal war Vettel selbst beteiligt.

59 Punkte Vorsprung. Für Lewis Hamilton in seiner aktuell bestechenden Form sollte das eine der leichtesten Aufgaben sein. Da müssten sich bei Mercedes schon die Motorseuche einschleichen, Ferrari und Red Bull permanent die ersten vier Plätze belegen oder Lewis Hamilton wie Fernando Alonso 2012 zwei Mal in Startkollisionen verwickelt werden. Nicht möglich, sagen Sie? Es ist schon passiert. 1964, 1976, 1981, 1986, 2007, 2010 und 2012.

Die leichten Aufgaben können manchmal die schwierigsten sein. Manchmal muss nur ein Rennen nicht nach Plan laufen, dann schleicht sich Nervosität oder Pech ein und beim Gegner der Mut der Verzweiflung. 1964 hatte John Surtees fünf Rennen vor Schluss gerademal 10 Punkte auf seinem Konto. Titelfavorit Jim Clark führte die Meisterschaft mit drei Siegen und 30 Punkten klar an. Am Ende hieß der Weltmeister John Surtees.

Der Ferrari-Pilot begann am Nürburgring mit seinem Siegeszug. Big John gewann zwei Rennen und wurde zwei Mal Zweiter. Clark fiel fünf Mal in Folge aus. Beim Finale in Mexiko wurde er trotz Ausfall noch Fünfter. Doch die zwei Punkte reichten nicht mehr zum Titelgewinn.

Hunt gewann zwei Grands Prix an einem Wochenende

1976 stand es vor dem GP Frankreich zwischen Niki Lauda und James Hunt 55:8. Doch dann drehte sich das Bild. Hunt gewann an einem Wochenende zwei Rennen. Er bekam den Sieg beim GP Spanien am grünen Tisch zurück, und er siegte in Paul Ricard, während Lauda mit Motorschaden ausfiel. Danach stand es nur noch 52:26 für Lauda. Immer noch ein stattlicher Vorsprung. Doch dann kamen der Nürburgring-Unfall, zwei verpasste Rennen, das Comeback und ein Hunt in Top-Form. Am Ende verlor Lauda den Titel noch um einen Punkt.

Als Nelson Piquet 1981 beim GP England seinen Brabham im Rennen mit Karacho im Reifenstapel der Becketts Kurve versenkte und sich dabei eine schmerzhafte Knöchelverletzung zuzog, Carlos Reutemann gleichzeitig Zweiter wurde, da schien das Rennen um den Titel gelaufen. Reutemann führte 6 Rennen vor Schluss mit 43:26.

Und der Argentinier war in dieser Saison ein Muster an Zuverlässigkeit. Er hatte in sieben der ersten neun Rennen gepunktet. Trotzdem verlor der Williams-Pilot die Meisterschaft noch gegen Piquet. Weil sein Williams plötzlich schwächelte, das Team sich strikt weigerte, den heimlichen Chefpiloten Alan Jones einzubremsen, und weil Reutemann immer mehr die Nerven verlor.

Piquet & Mansell - Formel 1 - 1986
Sutton-Images.com
Die Williams-Teamkollegen Mansell und Piquet kämpften 1986 lange um den Titel. Beim Finale in Adelaide wurden sie noch von Prost überholt.

1986 schien das Rennen um die WM-Krone eine klare Angelegenheit für die beiden Williams-Piloten Nelson Piquet und Nigel Mansell. Sie räumten den Großteil der Siege ab. Doch Ayrton Senna und Alain Prost hielten sich lange eine theoretische Chance offen. Senna fiel beim GP Portugal aus dem Rennen. Da waren‘s nur noch drei. Zwei Rennen vor Schluss führte Mansell mit 70 Punkten vor Piquet (60) und Senna (59). 18 Zähler lagen noch auf der Straße. Mansell und Prost mussten noch je zwei Punkte streichen. Nur Piquet konnte voll punkten.

Bis zur 63. Runde beim Finale in Adelaide war Mansell Weltmeister. Dann passierte es: Ein Reifenplatzer warf den Engländer aus dem Rennen. Eine Runde lang durfte sich Piquet über den Titelgewinn freuen. Dann holte ihn sein Team aus Sicherheitsgründen zum Reifenwechsel an die Box. Und die Weltmeisterschaft ging an Außenseiter Prost.

Vettel holte zwei Mal einen Rückstand auf

Im Jahr 2007 gehörte eine gehörige Portion Borniertheit dazu, dass McLaren den WM-Titel noch vergeigte. Man muss schon fast sagen verschenkte. Lewis Hamilton führte zwei Rennen vor Schluss 12 Punkte vor Teamkollege Fernando Alonso und 17 Zähler vor Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen. Bei 20 noch zu vergebenden Punkten. Ein Elfmeter zum Einschießen vor einem leeren Tor. McLaren schoss daneben. Weil man partout nicht wollte, dass Alonso, der Feind im eigenen Haus, Weltmeister wird.

Lewis Hamilton GP China 2007
xpb
2007 schmiss Hamilton die WM im Kiesbett von Shanghai weg.

Deshalb konzentrierte man sich beim vorletzten Rennen in China so darauf, dass Alonso nicht besser abschneidet als Hamilton, dass man Räikkönen aus den Augen verlor. Hamilton flog mit total abgewetzten Reifen ins Kiesbett. Räikkönen wurde Erster, Alonso Zweiter. Im Finale warf ein Getriebeproblem Hamilton in der Anfangsphase so weit zurück, dass er nur noch Fünfter wurde. Räikkönen gewann mit Hilfe von Teamkollege Felipe Massa und wurde Weltmeister. Alonso punktgleich mit Hamilton Zweiter.

Sebastian Vettel kennt das Gefühl, auf verlorenem Posten zu stehen. 2010 raubte ihm ein Motorschaden beim GP Korea den Sieg. Somit führte Fernando Alonso das Titelrennen zwei Rennen vor Schluss mit 231 Punkten an. Mark Webber folgte mit 220 Punkten, Lewis Hamilton mit 210 und Sebastian Vettel mit 206.

Selbst im Finale hatten Alonso und Webber noch bessere Chancen, trotz eines Sieges von Vettel in Brasilien. Doch dann konzentrierte sich Ferrari mit seiner Taktik auf Webber, reagierte mit Alonso auf einen schlecht getimten Boxenstopp von Webber, und prompt steckten die WM-Favoriten im Verkehr, während Vettel an der Spitze einem weiteren Sieg und damit seinem ersten WM-Titel entgegenfuhr.

Zwei Jahre später ein ähnliches Bild. Wieder hieß Vettels großer Rivale Alonso. Wieder führte der Spanier klar. Zur Sommerpause mit 164:122 Punkten. Alonso hätte die WM mit seiner Beständigkeit und der Zuverlässigkeit seines Ferrari F2012 nach Hause geschaukelt, hätte es da nicht die Startkollisionen in Spa und Suzuka gegeben.

Beide Male wurde Alonso von Lotus-Fahrern schuldlos abgeräumt. In Spa von Grosjean, in Suzuka von Räikkönen. Im Finale in Brasilien musste er einen Rückstand aufholen. 13 Punkte trennten Vettel und Alonso. Es reichte nicht mehr für den Spanier. Vettel gewann seinen dritten Titel mit 3 Punkten Vorsprung.

Wahrscheinlich wird Vettel an die Jahre 2010 und 2012 denken, wenn er in Austin beim viertletzten Rennen in die scheinbar ausweglose Prüfung geht. Es würde seiner Titelmission helfen, wenn er endlich beginnt, den Abstand zu verkürzen. Das wäre ein Zeichen, nachdem Hamilton in den letzten fünf Grand Prix jedes Mal Punkte gutgemacht hat.

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Ferrari kann inzwischen auf jeder Strecke in die erste Startreihe fahren.

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