Vettel zerstört FIA-Waage

Gnade für den Ferrari-Star

Sebastian Vettel - Ferrari - GP Brasilien - Interlagos - Formel 1 - Samstag - 10.11.2018 Foto: sutton-images.com 48 Bilder

Sebastian Vettel ist mit einem blauen Auge davongekommen. Um ein Haar hätte er sich eine perfekte Ausgangsposition zerstört. Der Ferrari-Pilot hatte es auf der FIA-Waage zu eilig, zerstörte die Waage und wurde bestraft. Er darf aber seinen 2. Startplatz behalten.

Ferrari bewies Mut. Die Wetterlage vor dem Q2 war höchst instabil. Bei Anpfiff war die Strecke trocken, doch es fielen immer wieder Regenspritzer aus den pechschwarzen Wolken über Interlagos. Ferrari, Mercedes und Red Bull schickten ihre Fahrer sofort mit Supersoft-Reifen in die Schlacht, doch Ferrari bog nach einer Runde wieder in die Boxen ab. In der Garage lagen schon zwei Garnituren Soft-Reifen für Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen bereit.

Jetzt musste alles schnell gehen. Jede Sekunde konnte wichtig sein. Ferrari hatte eine Runde hergeschenkt, und die Fahrer mussten ja noch eine Aufwärmrunde vor der fliegenden Runde schaffen. Ausgerechnet in diesem Moment wählte der Zufallsgenerator an der FIA-Waage Vettel zum Wiegen aus. Der Deutsche wurde ungeduldig, fuhr einen Poller um, zwang einen Helfer zum Ausweichen und stellte auf der Messplattform den Motor zu spät ab. Als der Ferrari nicht gleich von Waage geschoben wurde, startete Vettel den Motor und gab Gas. Dabei wurde die Einrichtung so beschädigt, dass die FIA auf ihre Standardwaage in der Garage ausweichen musste.

Geld-Buße statt Startplatzstrafe

Natürlich hatte der Vorfall ein Nachspiel vor den Sportkommissaren. Vettel prangerte in einem ersten TV-Interview entschuldigend das System an: „Bei solch wechselhaften Bedingungen ist es unfair, Leute auf die Waage zu holen.“ Danach hielt er sich bedeckt. In der Hoffnung die Schiedsrichter milde zu stimmen. Es zahlte sich aus. Das Beweismaterial entlastete den WM-Zweiten zum Teil. Er hatte den Motor abgestellt, wenn auch spät. Und er hatte die Anordnungen des Dienstpersonal nicht ordnungsgemäß befolgt. Dafür kassierte Vettel eine Verwarnung und eine Strafe von 25.000 Euro, was ungefähr dem entstandenen Schaden entsprach.

Sebastian Vettel - Ferrari - GP Brasilien - Interlagos - Formel 1 - Samstag - 10.11.2018 Foto: sutton-images.com
Sebastian Vettel zerstörte die Waage der FIA.

Der Verzicht auf eine Startplatzstrafe ist für Vettel und Ferrari eine Erlösung, denn die Ausgangslage für das Rennen ist ideal. Vettel verfehlte die Pole Position von Lewis Hamilton zwar um 0,093 Sekunden, doch er startet im Rennen auf den wesentlich langlebigeren und stabileren Soft-Reifen. Wenn die Longruns am Freitag die Grundlage sind, dann hat der Soft-Reifen nach 15 Runden einen Gripvorteil vor den Supersoft-Gummis der Mercedes und Red Bull. Und er hält schätzungsweise 15 Runden länger. Das Grip-Manko beim Start bei nur 335 Metern Anlauf in die erste Kurve und den Startplatz auf der linken Seite sieht Vettel nicht unbedingt als Handikap: „Ich habe gute Erfahrungen mit dem zweiten Startplatz.“ Im letzten Jahr ging er von dieser Position direkt in Führung und gewann das Rennen.

Unentschieden im Power-Sektor

Vettel schaffte im Q2 trotz der härteren Reifen eine Zeit, die nur 49 Tausendstel über dem Schnellsten Valtteri Bottas lag. Da schien die Pole Position eigentlich nur noch Formsache. Vettel wunderte sich selbst, dass er dann auf den Supersoft-Gummis nicht den erwarteten Zeitsprung schaffte. „Die Reifen fühlten sich gut an, das Auto war auch gut ausbalanciert. Eigentlich haben wir uns drei bis vier Zehntel Gewinn erwartet. Ich war selbst erstaunt, als ich am Ende die Rundenzeit sah.“ Im zweiten Versuch probierte es Vettel dann zu sehr mit der Brechstange. „Ich war zu aggressiv. In Kurve 8 haben die Vorderräder blockiert. Danach habe ich etwas den Rhythmus verloren. Ich habe dann in der letzten Kurve vor der Geraden etwas probiert, das nicht funktioniert hat.“

In der Qualifikation haben sich Ferrari und Mercedes beinahe neutralisiert. Im Power-Sektor am Schluss der Runde lagen Vettel und Hamilton mit jeweils 15,601 Sekunden gleichauf. Im Topspeed lag Hamilton mit 336,5 km/h knapp vor Vettel mit 334,0 km/h. Der erste Abschnitt ging an Ferrari. Die roten Autos waren besser in den schnellen Kurven. Mercedes gewann seine Zeit im kurvigen Mittelsektor mit vielen langsamen Passagen. Dort nahm Hamilton sogar den Red Bull ein Zehntel ab. Vettels Rückstand betrug dort 0,165 Sekunden. Hätten die Fahrer von Ferrari und Mercedes ihre schnellsten Sektorzeiten in eine Runde packen können, wäre es an der Spitze noch enger zugegangen. Hier die Idealzeiten:

  • Hamilton: 1.17,177 min
  • Vettel: 1.17,215 min
  • Bottas: 1.17,311
  • Räikkönen: 1.17,341 min
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