Sebastian Vettel - Ferrari - F1-Test - Barcelona - 20. Februar 2020 Motorsport Images
Charles Leclerc - Ferrari - F1-Test - Barcelona - 19. Februar 2020
Charles Leclerc - Ferrari - F1-Test - Barcelona - 19. Februar 2020
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Ferrari - F1-Test - Barcelona - 19. Februar 2020 96 Bilder

Vettel nach Erkältung zurück

Mit Mercedes-Trick beschäftigt

Keine Bestzeiten, dafür Grundlagenarbeit: Ferrari hält sich bislang bei den Testfahrten zurück. Weder Sebastian Vettel noch Charles Leclerc fallen auf. Der Heppenheimer attestiert trotzdem einen Schritt nach vorne.

Kurz vor dem Start in die Wintertestfahrten hatte sich Sebastian Vettel krankgemeldet. Die Ausläufer einer Grippe zwangen den vierfachen Weltmeister, noch einen Tag zu pausieren. „Ich hatte am Mittwoch noch leichtes Fieber. Deshalb war es sinnvoller, auszusetzen.“ Am Donnerstag sank die Köpertemperatur wieder auf Normalzustand. Vettel meldete sich einsatzbereit, kletterte am Nachmittag das erste Mal bei den Vorsaisontests in seinen Ferrari und beendete den halben Tag im Cockpit nach 73 Runden.

Vettel mit positiven Kommentaren

Das erste Fazit fällt positiv aus. „Das Auto macht, was wir erwarten.“ Die wichtigste Frage über das neue Auto beantwortete Vettel kurz und bündig. Hat der Ferrari SF1000 mehr Anpressdruck als sein Vorgänger? „Ja.“ Dann folgt der Nachsatz: „Wir sind zwar momentan nicht auf Rundenzeiten aus. Doch man bekommt im Auto trotzdem ziemlich schnell ein Gefühl dafür, was besser ist und was nicht. In den Kurven haben wir einen Schritt nach vorne gemacht. Das Auto fühlt sich generell gut an.“

Das werden die Tifosi gerne hören. Sie lechzen, wie der erfolgreichste Rennstall der Formel 1-Geschichte danach, endlich wieder den Weltmeistertitel nach Maranello zu holen. Das gelang mit einem Fahrer zuletzt 2007 (Kimi Räikkönen) und als Team zuletzt 2008. Damit man Mercedes dieses Jahr vom Thron stoßen kann, hat Ferrari das neue Auto mit dem Fokus auf mehr Abtrieb entwickelt.

Der Vorgänger des SF1000, der auf das Kürzel SF90 hörte, war zwar auf den Geraden pfeilschnell, hatte aber in den Kurven seine Defizite. Es fehlte aufgrund des Frontflügelkonzepts mit den abfallenden Flaps der Abtrieb an der Vorderachse. Ferrari konnte in diesem Bereich nicht genügend aufsatteln, also musste zunächst im Heck abgerüstet werden, um das Auto in Balance zu bringen.

Sebastian Vettel - Ferrari - F1-Test - Barcelona - 20. Februar 2020
Motorsport Images
Sebastian Vettel geht in seine sechste Saison mit Ferrari.

Noch in der Kennenlernphase

Und genau das schwächte Vettel. Der SF90 wurde dadurch auf der Bremse im Heck instabil. Vettel konnte das Auto nicht so in die Kurven werfen, wie er es für seinen Fahrstil brauchte. Dem vierfachen Weltmeister kam das Vertrauen abhanden. Erst als Ferrari mit einem Upgrade-Paket ab dem GP Singapur den Anpressdruck generell erhöhte, fand Vettel zurück in die Spur. Und fuhr ab diesem Zeitpunkt auf dem Niveau des Teamkollegen, der mit einem nervösen Heck leichter leben kann als der Routinier auf der anderen Seite der Garage.

Doch um Mercedes zu bezwingen, musste Ferrari für 2020 noch mehr Anpressdruck aufsatteln. Nur so bringt man auch die Reifen zuverlässig in ihr Fenster. Nur so unterbindet man auch, dass der Abtrieb im Heck in den Kurven schwankt, und das Auto stattdessen vom Kurveneingang bis zum Ausgang klebt. Nach 73 Runden stellte Vettel einige Verbesserungen fest. „Wir sind in einigen Bereichen besser geworden.“

Noch aber sind nicht alle Probleme der Vorsaison gelöst. „Ein paar Eigenschaften sind ähnlich zum Vorjahresmodell. Aber es ist noch früh. Wir haben Zeit. Wir haben noch Spielraum mit dem Setup, um die Charakteristika zu verfeinern.“ Die Ingenieure haben den SF1000 im mechanischen Bereich so entwickelt, dass man beim Setup mehr Mögliichkeiten hat. Damit hofft man, das Auto je nach Strecke und je nach Kurventyp besser feinjustieren zu können.

Noch hält sich Ferrari zurück. Die Testweltmeister des Vorjahres sind an keinem der beiden Testtage aufgefallen. Weder positiv noch negativ. Bislang bewegt sich Ferrari nicht im Vorderfeld, sondern im Mittelfeld. Dass die Gegner schneller sind, verunsichert die Italiener nach eigenen Aussagen nicht. „Wir konzentrieren uns auf uns. Keine Ahnung, was die anderen machen. Wir wollen zuerst die Zuverlässigkeit absichern. Damit hatten wir im letzten Jahr ein paar Probleme. Wir müssen das Auto erst verstehen, bevor wir uns um die Rundenzeiten kümmern. Dafür müssen wir verschiedene Konfigurationen ausprobieren“, erläutert Vettel. Das heißt zum Beispiel, mit der Bodenfreiheit zu variieren oder mit der Anstellung des Autos im Heck zu experimentieren.

Motor in Schmalspur-Modi

Gröbere Unzulänglichkeiten mit der Standfestigkeit habe es bislang nicht gegeben. Trotzdem: Der neue Ferrari ist noch kein Dauerbrenner. An zwei Tagen sammelten die Fahrer 1.182 Kilometer, was auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya 254 Runden oder fast vier Renndistanzen entspricht. Zum Vergleich: Mercedes kommt auf 356 Runden. Vettel gibt zu: „Wir hätten gerne mehr Kilometer auf dem Konto. Aber wir haben trotzdem schon viele Antworten bekommen. Die führen aber auch zu mehr Fragen.“ Um die zu beantworten, braucht man wiederum mehr Kilometer mit dem neuen Auto.

Die Antriebseinheit mit geänderter Motorenarchitektur, neuem Turbolader, neuen Zylinderköpfen und einem geänderten Hybridsystem betreibt Ferrari noch weit abseits der schärfsten Power-Modi. Es geht dem WM-Zweiten des Vorjahres nicht um Rundenzeiten. „Wir wollen so viele Kilometer sammeln, wie möglich. Das haben wir im Vorfeld auf dem Prüfstand getan. Doch die wahren Erkenntisse machst du erst auf der Rennstrecke. Es gibt so viele verschiedene Einstellungen für den Motor. Bei den Testfahrten zeigst du der Konkurrenz nicht, was du hast. Den Motor drehen wir erst in Melbourne beim Saisonstart auf.“

Erst dann wird die Konkurrenz erleben, ob Ferrari weiterhin den Nachbrenner auf den Geraden aktivieren kann. Ganz so dominant wird das rote Auto aber wohl nicht mehr sein. Das geänderte Konzept für mehr Abtrieb geht zulasten der Höchstgeschwindigkeit. Auch wenn die Ingenieure alles dafür getan haben, sich Anpressdruck nicht billig durch mehr Luftwiderstand zu erkaufen, sondern trotz der Aufrüstung ein gewisses Maß an Effizienz beizubehalten.

Lewis Hamilton - F1-Test - Barcelona 2020
Aktuell

Mercedes-Lenkrad wie Joystick

Natürlich kam die Sprache auch auf Mercedes und deren neuen Supertrick mit der Lenkung zurück. Onboard-Aufnahmen des Silberpfeils zeigten, wie Lewis Hamilton und Valtteri Bottas das Lenkrad auf den Geraden nach hinten zogen und es vor dem Bremspunkt wieder in die Ausgangsstellung schoben.

Vettels Kommentar: „Es ist sicher komisch für die Fahrer, damit zu arbeiten. Weil es abweicht vom natürlichen Fahren. Es ist nicht einfach eine Lenkung, sondern eher ein Joystick, den sie nach vorne drücken und nach hinten ziehen.“ In Maranello schaut man sich den Trick jedenfalls schon genauer an. „Ich bin sicher, dass ein großer Teil der Fabrik es untersucht und drauf und dran ist, das System zu verstehen. Wir müssen sehen, ob es auch sinnvoll für uns wäre. Ich bin mir sicher, dass es Mercedes etwas bringt. Sonst hätten sie es nicht im Auto. Ich glaube aber nicht, dass es ihr Ticket zum WM-Titel ist. Dafür reicht nicht ein Trick. Das Auto drum herum macht den Unterschied.“ Das klingt ein bisschen nach dem Prinzip Hoffnung.

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