Sebastian Vettel - Ferrari - GP Bahrain 2020 - Sakhir - Rennen xpb
Sebastian Vettel - Ferrari - Formel 1 - GP Aserbaidschan - Baku - 25. April 2019
Sebastian Vettel - GP USA 2007
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Vettels letztes Ferrari-Rennen: Gründe für Scheitern

Vettels letztes Ferrari-Rennen Gründe für das Scheitern

Sebastian Vettel ist ab Sonntagabend kein Ferrari-Fahrer mehr. Die Mission des Ex-Weltmeisters, Ferrari zum ersten Fahrer-Titel seit 2007 zu führen, ist gescheitert. Dafür gibt es Gründe. Fahrer und Team waren nicht immer auf der Höhe.

Es ist das Ende einer Ära. Sebastian Vettel fährt am Sonntag in Abu Dhabi sein letztes Rennen für Ferrari. Es wird sein 118. für die Scuderia. Nach 14 Siegen, 55 Podestplätzen, 12 Pole Positions, 14 schnellsten Rennrunden und 1.400 WM-Punkten ist die Reise nach sechs gemeinsamen Jahren zu Ende. Der Ferrari-Fan Vettel wird den roten Rennabzug abstreifen, und 2021 den von Racing Point anlegen – vermutlich einen grünen nach der Umbenennung in Aston Martin.

Vettels Ferrari-Zeit startete als Teamkapitän neben Kimi Räikkönen und mit einem Sieg im zweiten Rennen in Malaysia. Sie endet mit einem 13. oder 14. Platz in der Weltmeisterschaft, und der Rolle als Nummer zwei. Für den Heppenheimer war der erste Erfolg für den Rennstall seines Herzens ein besonderer. Dazu zählt Vettel auch die Siege in Monte Carlo 2017 und Kanada 2018 als besondere Momente. "Das waren die emotionalen Hochs. Leider gab es nicht so viele davon, wie erhofft."

Sebastian Vettel - Ferrari - Formel 1 - GP Sakhir - Bahrain - Freitag - 4.12.2020
F1/FIA
Sebastian Vettel und Ferrari: Man hat sich in den letzten beiden Jahren auseinander gelebt.

Bestenfalls WM-13. zum Abschied

Vier Saisons war Vettel der unbestrittene Chef. Bis Charles Leclerc sein Teamkollege wurde, dessen Aufstieg parallel zu Vettels Abstieg begann. Ferrari verliebte sich in den jungen Monegassen. Vettel wurde mehr und mehr in die Rolle der Nummer zwei gedrängt. Das Team und sein einstiger Lieblingsfahrer haben sich in den letzten beiden Jahren auseinander gelebt. Senkrechtstarter Leclerc gewann gleich im ersten Jahr den Teamvergleich mit 264 zu 240 WM-Punkten. 2020 fiel der Unterschied eklatanter aus. Ein Saisonrennen vor Schluss steht es 98 zu 33. Leclerc ist WM-Sechster, Vettel WM-13. Besser wird er nicht abschneiden. Vettel muss eher schauen, dass ihn Daniil Kvyat nicht noch überholt.

In jedem Fall wird es die schlechteste Saison für ihn in Rot. Ferraris Absturz auf den sechsten WM-Platz ist hauptsächlich Team und Auto anzukreiden. Die Aerodynamik ist ineffizient, der Motor mindestens 50 PS zu schwach. Doch auch Vettel strauchelt. Wäre er ungefähr auf dem Level seines Teamkollegen, hätte Ferrari wenigstens noch Aussichten, Renault oder McLaren einzuholen. So ist man auf dem sechsten Platz zementiert. Vettels bittere Erkenntnis nach dem zweiten Bahrain-Rennen. "Das Auto und ich werden keine Freunde mehr."

Vettels schleichender Abschwung bei Ferrari kam mit dem neuen Teamkollegen und mit den neuen Frontflügel-Regeln 2019. Seither ist der Ferrari ein Auto, das zwischen Vorder- und Hinterachse schwer auszubalancieren ist. Erst, weil vorne der Abtrieb fehlte. In dieser Saison, weil der Ferrari auf Geraden wie ein Scheunentor im Wind steht. Das konnte man sich vorher mit einem überlegenen Motor noch leisten. Dieses Jahr mit einem PS-Defizit nicht.

Also muss man Flügel rausnehmen, um auf den Geraden halbwegs passabel zu sein. Genau dann wird die Kurvenfahrt zum Drahtseilakt. Und da ist Leclerc in seinen jungen Jahren draufgängerischer und anpassungsfähiger. Gesehen an zahlreichen Chaosrunden, wie zuletzt in Bahrain. Vettels Stunde schlug auf Strecken, wo man ohnehin mit maximalem Anpressdruck fahren muss. Wie am Hungaroring zum Beispiel. Es wäre wenig verwunderlich, wenn er in Abu Dhabi den Teamkollegen noch einmal ärgern könnte. Auf dem Yas Marina Circuit wird mit viel Abtrieb gefahren.

Sebastian Vettel - Ferrari - GP Bahrain 2020 - Sakhir
F1/FIA
Sebastian Vettel feierte mit Ferrari 14 GP-Siege.

Ferrari und Vettel zusammen gescheitert

Der Ex-Weltmeister nimmt kein Blatt vor den Mund. Seine Mission mit Ferrari ist gescheitert. Obwohl nur Michael Schumacher (72) und Niki Lauda (15) mehr Siege für Ferrari eingefahren haben. Doch die sind mit Ferrari auch Weltmeister geworden. "Ich bin selbst mein schärfster Richter. Wir wollten zusammen Weltmeister werden, und sind es nicht geworden. Deshalb sind wir gescheitert. Das ist eine ehrliche Selbstreflexion. Wir sind an einer Team-Fahrer-Kombination gescheitert, die eine der besten der Geschichte ist, aber wir wollten es besser machen. Das war unser Anspruch. Ich suche keine Ausreden. Es ist uns einfach nicht gelungen, sie zu schlagen." Gemeint sind Lewis Hamilton und Mercedes.

Fahrer und Team waren nicht immer auf Ballhöhe. Die besten Chancen vergeigte man 2017 und 2018. 2017 mit einer Pannenserie im zweiten Halbjahr. 2018 zerbrach Vettel an einem unglaublichen Lewis Hamilton ab dem GP Deutschland, am Auto – und an sich selbst. Er versemmelte einen Sieg beim Heimrennen in der Sachskurve. Sicher ein Wendepunkt, vielleicht sogar der Wendepunkt in Vettels Ferrari-Laufbahn. "Ein kleiner Fehler mit schwerer Wirkung", sagt der Heppenheimer.

Doch es waren auch die internen Störfeuer und Machtkämpfe, die Fahrer und Team zusetzen. Der Verlust von Präsident Sergio Marchionne im Juli 2018 schaffte ein Machtvakuum in Maranello. Der italienisch-kanadische Manager hatte zwar ein Klima der Angst geschaffen, doch durch die eiserne Hand schien es bei Ferrari aufwärts zu gehen. Man hatte einen Fahrplan. Es gab eine klare Führung.

Danach kämpften Noch-Teamchef Maurizio Arrivabene und Damals-Technikchef Mattia Binotto um die Rolle als Team-Führer. Wir kennen den Ausgang. Der Techniker setzte sich gegen den Zigarettenverkäufer durch. Arrivabene war ein ehemaliger Marlboro-Manager. "Es gab persönliche Konflikte zu dieser Zeit im Team." Es würde wahrscheinlich ein paar Abende und viel Wein brauchen, um das alles aufzuarbeiten. Solche politischen Machtspiele gibt es bei Mercedes nicht. Da ist jeder auf Sieg gepolt, und stellt persönliche Interessen für den Erfolg der Mannschaft auch mal hinten an.

Der Witz mit George Russell

Vettel selbst bezeichnet seine Jahre als Achterbahnfahrt. "Mit vielen Aufs und Abs. Ich habe sichergestellt, dass ich aus den Momenten auf und neben der Strecke lerne." Ein neues Abenteuer wartet. Trotz der Misserfolge der letzten beiden Jahre hat Vettel den Humor nicht verloren. Ob er bei Racing Point in große Fußstapfen von Sergio Perez trete, wie Formel 1-Sportchef Ross Brawn in einem Interview sagte, wollte ein Reporter wissen. "Ich hätte mehr Sorgen, wenn ich in Georges Schuhe passen müsste. Er hat ja Schuhgröße 45." Gemeint ist Mercedes-Nachwuchs-Ass George Russell. Dann fügt ein ernster Vettel an. " Ich weiß, dass Sergio sieben Jahre mit dem Team gearbeitet hat. Es wird dauern, bis ich mich eingewöhnt habe. Aber ich glaube, ich kann dem Team mit meiner Erfahrung viel geben."

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