Vettels Problem entdeckt?

Wieder neues Chassis für Vettel

Sebastian Vettel - Red Bull - 2014 Foto: Red Bull 19 Bilder

Sebastian Vettel war ratlos. Eine Stunde nach dem GP Belgien konnte er sich nicht erklären, warum er 52 Sekunden auf Teamkollege Daniel Ricciardo verlor und ein Mal mehr Reifen wechseln musste. Jetzt scheint das Rätsel gelöst. Zum zweiten Mal in diesem Jahr muss ein neues Chassis her.

Die Zahlen des GP Belgien waren ernüchternd. Daniel Ricciardo Platz 1, Sebastian Vettel Rang 5. Vorsprung des Siegers auf seinen Teamkollegen: 52,1 Sekunden. Ricciardo wechselte zwei Mal die Reifen, Vettel drei Mal. Trotzdem war Vettel nur in 5 der 44 Runden schneller als der Australier. Und vier dieser Runden lagen im letzten Stint, als Vettel mit frischen weichen Reifen fuhr und Ricciardo mit alten harten.

Es war klar, dass da etwas nicht stimmen konnte. Zumal Vettel im verregneten Abschlusstraining auf Augenhöhe mit dem WM-Dritten fuhr. Im Q1 war der Weltmeister um 0,016 Sekunden langsamer, im Q2 um 0,121 Sekunden und im Q3 um 0,194 Sekunden schneller. Doch deutete sich Vettels Problem vielleicht schon im dritten freien Training auf trockener Piste an? Da lag Ricciardos Rundenzeit um 1,081 Sekunden unter der seines Stallrivalen.

Vettel mit 7 km/h mehr Top-Speed

Lag es daran, dass der Titelverteidiger die Rennvorbereitung am Freitagnachmittag wegen eines Motorwechsels abschreiben und sich beim Setup an den Daten von Ricciardo orientieren musste? Vettel glaubt nicht: "Die Autos waren mehr oder weniger identisch abgestimmt. Deshalb glaube ich nicht, dass es daran lag. Irgendetwas Gröberes kann nicht ganz richtig sein."

Komisch ist, dass Vettel mit 341,8 km/h den deutlich höheren Top-Speed hatte. Ricciardo kam nur auf 334,8 km/h. Das kann aber auch daran gelegen haben, dass Vettel öfter im Windschatten fuhr. In Eau Rouge waren beide praktisch gleich schnell. 312,4 km/h zu 312,3 km/h für Ricciardo. Auch die Geschwindigkeit zwischen den Rechtskurven von Stavelot und Paul Frère war mit 189,7 km/h zu 189,5 km/h zugunsten von Vettel nahezu identisch.

So wie die schnellsten Runden im Rennen. Allerdings erzielte Vettel seine schnellste Zeit von 1.52,953 Minuten auf weichen Reifen, die zwei Runden alt waren. Ricciardos Bestzeit von 1.52,974 Minuten wurde auf 17 Runden alten Medium-Reifen aufgestellt. Schon da gingen bei Vettel die Alarmglocken an.

In Monza wird Chassis 04 ausgepackt

Im Rennen spürte Vettel von der ersten Runde keinen Grip. "Wir hatten keinen Schaden oder etwas in der Art. Alles, was wir uns anschauen können, sieht in Ordnung aus. Aber wenn man den Speed auf der Strecke sieht, war irgendetwas nicht in Ordnung. Übersteuern, Untersteuern - alles vertreten heute. Letztenendes hatte ich keinen Grip. Ich konnte nicht später bremsen. Ich konnte den Speed nicht in die Kurven reinnehmen, weil die Vorderachse nicht gehalten hat. Und als das Auto dann mal irgendwann eingelenkt hat, konnte ich nur schwer ans Gas gehen, weil die Hinterachse nicht den gewünschten Grip hatte." Das ging auf den Reifenverschleiß. Deshalb auch ein Stopp mehr als Ricciardo.

Da es keine vernünftigen Erklärungen gab, blieb nur noch ein Verdacht. Es ist etwas faul mit dem Chassis. Jene Karbonröhre mit der Seriennummer 01, die beim GP Spanien aus der Reserve geholt werden musste, weil an Vettels Einsatzfahrzeug mit der Seriennummer 03 bei den ersten vier Rennen falsche Einstellungen in Bezug auf die Fahrwerksdaten festgestellt worden waren. Ein Fehler in der Messplattform in Milton Keynes hatte dazu geführt, dass Vettels Chassis sozusagen "krumm" war.

Jetzt also muss auch das Ersatzchassis ausgemustert und durch ein brandneues Monocoque mit der Seriennummer 04 getauscht werden. Nummer 01 war möglicherweise weich. Dafür spricht, dass Vettel im Regen im Vergleich zu Ricciardo besser unterwegs ist als auf trockener Strecke. Das war im dritten Training in Silverstone so, in den ersten acht Runden beim GP Ungarn und auch in der Qualifikation zm GP Belgien. Ein weiches Chassis kann auf nasser Bahn ein Vorteil sein. Unter normalen Umständen ist es allerdings der Todesstoß. Weil es dann beim Bremsen, Beschleunigen und in Kurvenfahrt Einfluss auf die Fahrdynamik nimmt.

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