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Vettels trauriger Ferrari-Abschied: Leclerc Mann der Zukunft

Vettels trauriger Ferrari-Abschied „Leclerc der Mann der Zukunft“

Ferrari wird froh sein, dass diese Seuchensaison vorbei ist. Das Auto nicht konkurrenzfähig, der Motor schlecht. Zum Abschluss war man sogar langsamer als der Kunde Alfa Romeo. Sebastian Vettel wünscht seiner Herzensmannschaft alles Gute – und Charles Leclerc ein Auto, das seinen Fähigkeiten würdig ist.

Die Fahrer auf den WM-Plätzen 8 und 13. Nur 131 WM-Punkte in Summe. 50 Punkte hinter dem fünften Platz. Zum Saisonende nur ein Punkt aus drei Rennen. Ferraris 71. Formel 1-Saison war ein Desaster. Es gab nur ein paar kleine Zwischen-Hochs wie in Österreich, in Silverstone oder der Türkei mit Podestplätzen. Ansonsten hagelte es Pleiten und Kritik. Das Auto zu ineffizient, der Motor nach einer Not-OP im Winter der schlechteste im Feld.

Zum dritten Mal in den letzten zehn Saisons blieb Ferrari sieglos. Zum dritten Mal nach 1973 und 1992 führte ein rotes Auto nicht eine einzige Runde in einem Grand Prix an. So wurde Sebastian Vettels sechstes und letztes Jahr in Rot zu ein Leidensfahrt. Pilot und Auto fanden nie zueinander. Zum 13. Mal in Folge verpasste Vettel in Abu Dhabi den dritten Teil der Qualifikation. Nur in seinem Debütjahr 2007 erzielte der Heppenheimer eine schlechtere WM-Platzierung – und da fuhr er im Toro Rosso nur eine halbe Saison.

Charles Leclerc überdeckte mit seinem jugendlichen Eifer und seinem großen Fahrtalent wenigstens zeitweise die Schwächen des Autos. Vor allem in der Qualifikation. Vettel beschreibt das so: "Charles hat seine ganz eigene Art, das Auto zu fahren. Eine eigene Art, die Probleme zu umfahren." Im Rennen schrumpfte der Unterschied zwischen dem 23-Jährigen und seinem hoch dekorierten Teamkollegen. In Summe sah Vettel aber kein Land gegen Leclerc.

Sebastian Vettel - Ferrari - GP Abu Dhabi 2020 - Rennen
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Sebastian Vettel und Charles Leclerc träumten nur bis zu den Boxenstopps von Punkten.

Kein Abschied im Groll

Vettel verabschiedete sich nicht im Groll. Trotz einer weiteren Enttäuschung. Im letzten gemeinsamen Rennen sollten wenigstens Punkte rausspringen. Doch die Befürchtungen, dass Ferrari in Abu Dhabi wieder leiden werde, bewahrheiteten sich. Leclerc landete auf dem 13., Vettel auf dem 14. Platz. Beide hinter dem Kundenauto von Alfa Romeo mit Kimi Räikkönen am Steuer. "Dieses Rennen war so krumm wie die ganze Saison", fasste der Ex-Weltmeister zusammen. "Das Ergebnis spricht nicht für die gemeinsamen Jahre, die wir miteinander hatten."

Der Mann, der 14 Mal in einem Ferrari gewann, sang seiner Mannschaft in der Auslaufrunde ein Ständchen. Vettel dankte den Teammitgliedern mit Namen am Funk. Er verteilte später im Fahrerlager Bier. Irgendwie musste sich Ferrari den Frust von der Seele trinken. Sportchef Laurent Mekies dankte Vettel im Namen der Belegschaft: "Er hat immer zu uns gehalten und uns zusammengehalten – in guten und in schlechten Zeiten."

Das Rennen ist schnell erzählt. Vettels Chancen schmälerte ein frühes Safety Car. So brachte es ihm wenig, auf den harten Reifen gestartet zu sein. Die Verfolger saßen ihm mit frischeren Reifen direkt im Nacken. Und der Ferrari war nicht so schnell wie der Renault, um trotzdem die Strategie zum Laufen zu bringen. Mit Leclerc ergriff Ferrari nicht die Chance zum Reifenwechsel. Man hielt ihn wie Vettel unter Safety Car auf der Strecke. Erklärung vom Sportchef: Weil man bei einem Stopp wie zuvor in den Niederrungen des Feldes festgesteckt wäre. Man wollte etwas tun, um nach vorne zu kommen. Vielleicht in der Hoffnung, dass Leclerc ein zweites Safety Car später unter die Arme greift.

Pathos bei Ferrari

Doch auf den Mediumreifen wurde Leclerc bis zum einzigen Reifenwechsel von Platz acht auf 13 durchgereiht. An Fittipaldi, Latifi, Magnussen und Russell kam er später auf der Strecke noch vorbei. Nicht aber an Routinier Räikkönen. "Bis ich hinter ihm war, waren meine harten Reifen schon wieder hinüber. Und ich hatte in Kurve sieben zu kämpfen. Da musst du aber gut sein, um überhaupt eine Chance zu haben, zu überholen."

Vettel rutschte bis zu seinem einzigen Boxenstopp bereits aus den Punkten. Der Ferrari nahm die Reifen zu hart an. Auf frischen Reifen reichte es nur noch gegen Russell im unterlegenen Williams. "Der Reifensatz hat leider Probleme gemacht." Mit dieser Medium-Garnitur kam Vettel nicht mehr voran.

Aus fahrerischer Sicht wird der 33-Jährige froh sein, diesen Ferrari nicht mehr lenken zu müssen. Das Team und seine Mitarbeiter wird der Ex-Champion vermissen. "Die gemeinsame Zeit werde ich immer in Erinnerung und in Ehren halten. Die Zeit abseits der Kameras mit den Mechanikern, den Ingenieuren, den Jungs in der Garage, in der Fabrik in Maranello. Wir haben sicher Fehler gemacht über die Jahre, aber ich bereue nichts. Es sind Erinnerungen geschaffen worden, die über Siege und Titel hinausgehen." Pathos schwingt bei einem Team wie Ferrari immer mit.

Sebastian Vettel - Ferrari - GP Abu Dhabi 2020 - Rennen
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Zum letzten Mal in Rot: Der 118. gemeinsame Grand Prix brachte kein Erfolgserlebnis.

Ferraris Baustellen: Auto und Motor

Seinem Teamkollegen, der ihn in zwei gemeinsamen Saisons bei Ferrari entthronte, wünscht Vettel alles Gute. Zum Abschied tauschten er und Leclerc die Helme. Für Vettel ist der Monegasse der Mann der Zukunft. Er sei der talentierteste Fahrer, der ihm in 15 Jahren in der Formel 1 begegnete. "Hoffentlich kann ihm Ferrari ein Auto bauen, das seinem Talent würdig ist. Er verdient es."

2021 wird Vettel im Aston Martin den stärksten Motor im Feld spüren. Er wird sich auf die Umstellung von Ferrari- auf Mercedes-Power freuen. Ferrari muss seinem Sechszylinder-Turbo Beine machen. Der erkältete Teamchef Mattia Binotto spricht von ermutigenden Prüfstandsläufen.

Obwohl viele Teile homologiert und für 2021 nicht angerührt werden dürfen, kann Ferrari trotzdem auch am Auto aufräumen. Die Aerodynamik muss effizienter werden. Bislang erkaufte sich Ferrari Abtrieb über Luftwiderstand. Das ging, als der Motor allen überlegen war. Mit welchen Mitteln lassen wir mal dahingestellt. Die Aerodynamik bleibt für 2021 ein offenes Feld, auch wenn man wegen der Bausteine darunter nicht grenzenlosen Handlungsspielraum hat. Ferrari wird seine Token, so hört man, für das Getriebe einsetzen. Damit es schlanker baut – also aus aerodynamischen Gründen.

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