Das Force India-Geheimnis

"Jeder Schuss muss sitzen"

Vijay Mallya - GP England 2017 Foto: xpb 21 Bilder

Vijay Mallya ist ein seltener Gast im Fahrerlager. Der Chef von Force India sprach in Silverstone über das Erfolgsgeheimnis seines Team und die Lage der Nation. Fazit: Force India macht mehr aus seinem Geld als andere.

Force India hat in Silverstone seinen Kurs fortgesetzt. Wieder ein Upgrade, wieder ein Fortschritt beim Auto, wieder doppelte Punkte, wieder mehr Abstand zur Konkurrenz. Beim GP Ungarn könnte die 100-Punkte-Marke fallen. Williams liegt schon 54 Zähler zurück. Als Vijay Mallya 2008 den Rennstall von Spyker übernahm, war Force India Schlusslicht. Heute ist die Truppe aus Silverstone Best of the rest. Alle Teams vor Force India setzen drei Mal so viel Geld ein.

Mallya lebt wegen seines Rechtsstreits mit dem Indischen Staat in England im Exil und taucht deshalb auch nur ein Mal im Jahr auf. Entsprechend hielt der Paradiesvogel aus Kalkutta Hof. Im ersten Stock des Force India-Motorhomes gab der 61-jährige Inder in bestem Englisch eine Ansprache zur Lage zur Nation und erklärte, warum sein Rennstall hinter den Top 3 die Formel 1 aufmischt.

Force India steckt Geld in Entwicklungstempo

Der Grund ist simpel. Eine schlanke, perfekt eingespielte Truppe, die auf allen Schlüsselpositionen gut besetzt ist und sich seit Jahren kennt. Und ein Management, das aus dem verfügbaren Budget das Maximum herausholt: „Wir geben nur das Geld aus, das wir haben und versuchen nicht auf größerem Fuß zu leben. Das zwingt uns, unser Geld sinnvoll einzusetzen. Es wird in Rundenzeit und Ergebnisse investiert, und in nichts anderes.“

In diesem Jahr wurden die 10 Prozent höheren Einnahmen in eine höhere Entwicklungsgeschwindigkeit gesteckt. „Wir hatten in diesem Jahr bei jedem Rennen etwas Neues am Auto“, verrät Einsatzleiter Tom McCullough. Technikdirektor Andy Green ergänzt: „Und oft haben die kleinen Änderungen mehr Rundenzeit gebracht als die großen.“

Esteban Ocon - Force India - Formel 1 - GP England - 15. Juli 2017 Foto: sutton-images.com
Trotz der Baku-Kollision ist Force India zufrieden mit Neuling Esteban Ocon.

Das beste Beispiel für Mallyas Einschätzung ist die Fahrerwahl. „Wir hatten die Wahl zwischen einer ordentlichen Mitgift und Talent. Unsere Leute haben sich für das Talent entschieden.“ Esteban Ocon entwickelt sich genau so, wie es Mallya sich von dem langen Franzosen erwartet hat: „Nach nur fünf Rennen hat er Perez schon Druck gemacht. Und Ocon will immer noch lernen.“ Mit Ocon hat Force India noch zwei Jahre einen Vertrag. Sergio Perez wird von Jahr zu Jahr verhandelt. Mallya könnte verstehen, wenn er dem Ruf von Ferrari folgt, doch dazu muss ihn Ferrari erst einmal rufen. „Sonst ist er bei uns am besten aufgehoben. Ich glaube, er weiß das zu schätzen.“

Die Kollision von Baku ist schon fast wieder vergessen. „Sie war ärgerlich, weil wir wichtige Punkte verschenkt haben. Es war ein Missverständnis, keine bösartige Aktion. Wir haben Checo und Esteban einfach nur gesagt: Ihr dürft frei fahren, aber das darf sich nicht wiederholen. Sie werden sich daran halten.“

Mallya sieht Williams als Hauptgegner

Vijay Mallya kann sich noch daran erinnern, dass er bei der Präsentation des neuen Autos von Platz 3 geträumt hatte. „Du musst als Chef deinem Team die Ziele hoch setzen. Und so weit sind wir ja gar nicht weg. Es gab ein paar Rennen, da musste Red Bull über die Schulter schauen. Unsere Gegner in den Top 3 haben einfach so viel mehr Geld und Ressourcen, dass sie schwer zu schlagen sind. Sie können bei der Entwicklung des Autos in alle Richtungen schießen, und irgendein Schuss trifft immer. Bei uns müssen alle sitzen.“

Die Verteidigung des 4. Platzes sei auch ein Erfolg, räumt Mallya mittlerweile ein. „Weil wir gegen starke Gegner kämpfen, die je nach Strecke auch mal das schnellere Auto haben. Aber wir schlagen sie mit unserer Konstanz. Wir sind überall gut.“ Williams hatte in Baku das schnellere Auto, HaasF1 in Spielberg, Renault in Silverstone. Die Bilanz der 3 Rennen: Force India 24 Punkte, Williams 19, HaasF1 14, Renault 8. Trotz der Karambolage in Baku, die Force India ein Podium gekostet hat.

Sergio Perez - Force India - Formel 1 - GP England - 14. Juli 2017 Foto: sutton-images.com
In Silverstone brachte Force India einen neuen Frontflügel und Bargeboards.

Mallya ist stolz, dass sein Team in der WM-Wertung vor dem Werksrennstall Renault, Red Bulls B-Team Toro Rosso und dem Dinosaurier Williams steht. „Ich kam als Sponsor von Benetton in die Formel 1. Zu der Zeit war Sir Frank schon eine Legende und ich ein Lehrling. Sein Team hat 37 Jahre mehr Erfahrung als wir. Williams ist unser Hauptgegner, weil sie den gleichen Motor haben wie wir. Der Vorsprung auf Williams ist zwar groß, aber wir sehen das nicht als Ruhekissen. Zwei schlechte Rennen von uns, und Williams ist wieder dran.“

Um die Angriffe der direkten Konkurrenz abzuwehren, wird Force India weiter ein hohes Entwicklungstempo fahren. In Silverstone debütierten ein neuer Frontflügel und neue Leitbleche. In Budapest wird Kleinkram folgen. „Der nächste große Schritt folgt in Singapur. Dort haben wir einen völlig neuen Unterboden“, verspricht Andy Green.

Anschuldigungen gegen Mallya, aber keine Beweise

Vijay Mallya sprach auch über die Zukunft. Er bestätigt, dass über einen Namenswechsel nachgedacht wird und dass „Force 1“ der Favorit sei. „Wir haben aber noch ein paar andere Namen im Angebot, und vielleicht fallen uns ja noch ein paar ein. Wir werden dann prüfen lassen, ob sie nicht schon geschützt sind.“ Die Namensänderung soll dem Rennstall mehr Sponsoren und neue Partner bescheren. „Durch das India im Namen sind wir geografisch zu stark beschränkt.“

Ein Verkauf, wie so oft kolportiert, steht laut Mallya nicht an. „Es gibt derzeit auch keine Kontakte. Wir haben uns in den letzten 10 Jahren Respekt und Erfolg erarbeitet. Den möchte ich jetzt genießen.“ Mallya hat deshalb an die neuen Rechteinhaber der Formel 1 nur zwei Wünsche: „Eine gerechtere Geldverteilung und eine Budgetdeckelung.“ Dem Inder schweben 150 Millionen Euro als Kostenobergrenze vor.

Auf die Frage, wie lange er noch dem Team zur Verfügung steht, wusste Mallya auch keine Antwort. Indien verlangt seine Auslieferung, doch der Milliardär, der mit Fluglinien und Brauereien reich geworden ist, bleibt vorerst in seinem Exil in England: „Ich werde mich meiner Verantwortungen in Indien stellen. Aber bis jetzt gibt es nur Anschuldigungen und nicht einen einzigen harten Beweis. Das Team würde auch ohne mich überleben. Ich kann ruhig schlafen, weil ich es gut aufgestellt weiß.“

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