Esteban Ocon - Sergio Perez - GP Portugal 2020 - Portimao xpb
Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - GP Bahrain - 31. März 2019
Fahrerparade - Formel 1 - GP Bahrain - 31. März 2019
Fernando Alonso - Formel 1 - GP Bahrain - 31. März 2019
Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Bahrain - 31. März 2019 48 Bilder

Vorschau GP Bahrain 2020: Vier Teams, ein dritter Platz

Vorschau GP Bahrain 2020 Vier Teams streiten um Platz drei

Die Formel 1 verabschiedet sich in die Wüste. Mit einem Doppelschlag in Bahrain und dem Finale in Abu Dhabi endet die Saison. Die WM-Titel sind bereits vergeben, der Fokus verlagert sich auf den Vierkampf um den dritten Platz.

Mit drei Dreierpacks startete die Formel 1 in die Corona-Saison. Das ungewöhnlichste Jahr ihrer Geschichte schließt sie mit einem weiteren Dreierpack in den Wüstenstaaten von Bahrain und Abu Dhabi ab. Für spektakuläre Aufnahmen ist gesorgt: Die letzten drei Rennen innerhalb von drei Wochen finden jeweils unter Flutlicht statt.

Los geht es auf der üblichen Streckenvariante des Bahrain International Circuit, bevor sich die Formel 1 eine Woche später mit dem sogenannten "Outer Circuit" einer neuen Herausforderung stellt. Die Spannung an der Spitze ist raus. Lewis Hamilton ist zum siebten Mal Weltmeister und Mercedes wie seit 2014 üblich Konstrukteurs-Weltmeister.

Racing Point will Vorentscheidung

Das soll aber nicht heißen, dass es nur noch um Einzelsiege geht. Dafür ist der Kampf um den dritten WM-Platz hinter Mercedes und Red Bull zu nervenaufreibend und kostspielig. Racing Point, McLaren, Renault und Ferrari duellieren sich im Zehntelbereich. Sie wollen alle hinter den beiden Spitzenteams einlaufen. Es geht um Prestige und einen zweistelligen Millionenbetrag für das Team-Budget.

Die besten Karten hat Racing Point. Das Team aus Silverstone liegt mit 154 Punkten fünf Zähler vor McLaren, 18 vor Renault und 24 vor Ferrari – und hat zudem das beste Auto aus der Mittelfeldgruppe. Ein weiteres Topergebnis, und Racing Point könnte bereits eine Vorentscheidung herbeiführen. Ohne den Punktabzug vom GP der Steiermark wären die pinken Rennwagen ohnehin schon enteilt.

Doch der Mix aus vier langen Geraden, harten Bremszonen und überwiegend langsamen sowie mittelschnellen Kurven sollte besonders Renault entgegenkommen. McLaren schwächelte zuletzt zwar in der Qualifikation, war aber an Rennsonntagen meist zur Stelle. Der Traditionsrennstall will mit seinem Teamspirit dagegenhalten. Ferrari muss Mittel und Wege finden, den Motorennachteil in Bahrain zu kompensieren.

Zuschauer an der Rennstrecke werden auch im Königreich nicht zugelassen sein. Die Herrscherfamilie will nur eine begrenzte Anzahl von Tribünenplätzen für Familien von Gesundheitspersonal und Ersthelfern freigeben, um deren Arbeit in der Corona-Pandemie zu würdigen.

GP Bahrain 2020 - Pirelli - Infografik
Pirelli
Reifenlieferant Pirelli fasst die Anforderungen in Bahrain in einer Infografik zusammen.

Die Strecke: Bahrain International Circuit

Nach dem Nürburgring, Portimao, Imola und Istanbul treffen die zehn Teams wieder auf eine bekannte Rennstrecke, die seit 2004 mit einer Ausnahmen im Rennkalender vertreten war. 2011 fiel der GP Bahrain politischen Unruhen zum Opfer. Ein Jahr zuvor hatte sich die Formel 1 an einer verlängerten Variante mit insgesamt 6,3 Kilometern probiert, kehrte aber wieder auf das alte Layout zurück.

Auf der 5,412 Kilometer langen Rennstrecke zählen Traktion, Motorleistung und Bremsstabilität. 75 Prozent der Runde stehen die Fahrer gemessen an der Rundendistanz voll auf dem Gas. Gleich vier Mal pro Runde beschleunigen sie auf über 300 km/h. Zwischen den langen Geraden bremsen viele langsame Kurven die Autos ein. Beschleunigen, Bremsen: Das geht vor allem auf die Hinterreifen. Zumal die Streckenoberfläche eine der rauesten überhaupt ist. Wer ein reifenschonendes Chassis gebaut hat, ist hier im Vorteil. Auch der Fahrer kann über die Fahrweise die Reifen bis zu einem gewissen Grad schonen.

Das erste und dritte Training findet unter Tageslicht bei Hitze statt. Dadurch sind Luft- und Streckentemperatur höher. Die Bedingungen sind daher eigentlich nur im zweiten Training repräsentativ für Qualifying und Rennen. Hier leuchten 495 Flutlichter die Strecke aus. Mit tieferen Temperaturen ändert sich das Aufwärm- und Abnutzungsverhalten der Reifen. Ingenieure und Fahrer müssten achtgeben, sich nicht mit dem Setup zu verzetteln.

Bahrain geht besonders auf das Material. Der hohe Vollgasanteil setzt den Motoren zu. Sieben Bremszone, drei davon von den Ingenieuren als starke Verzögerungsstellen ausgewiesen, treiben auch die Bremsen an die Belastungsgrenze. Auch das Getriebe wird härter rangenommen. 58 Mal schaltet der Fahrer pro Runde – nur Sotschi ist in dieser Beziehung anspruchsvoller.

Der eher raue Sand stellt für die Autos keine größeren Schwierigkeiten dar. Die Strecke wird von der dünnen Schicht, die der Wind aufträgt, relativ schnell freigefahren. Neben der Ideallinie bleibt es etwas rutschig, was die Jagd nach der perfekten Runde im Qualifying und das Überholen erschwert. Die FIA schreibt wie im letzten Jahr drei DRS-Zonen aus.

Fast Facts zum GP Bahrain:

  • Streckenlänge: 5,412 km
  • Rundenzahl: 57
  • Renndistanz: 308,238 km
  • Anzahl Kurven: 15 (6 links / 9 rechts)
  • Rundenrekord im Rennen: 1:31.447 Min. (Pedro de la Rosa, 2005)
  • Absoluter Rundenrekord: 1:27.866 Min. (Charles Leclerc in Q3, 2019)
  • Distanz Pole zur ersten Bremszone: 352 Meter
  • Länge Boxengasse: 418 Meter (Zeitverlust bei 80 km/h: ca. 18,8 Sekunden)
  • DRS-Zonen: zwischen T15-T1, T3-T4, T10-11
  • Safety-Car-Wahrscheinlichkeit: 40 Prozent
  • Reifen: C2/C3/C4
Sergio Perez - Racing Point - GP Emilia-Romagna 2020 - Imola
xpb
Racing Point hat im Kampf um den dritten Platz die besten Karten.

Das Setup

In Bahrain ist ein guter Kompromiss gefragt. Auf den langen Geraden sollte das Auto möglichst wenig Luftwiderstand aufbauen, was im Umkehrschluss für kleine Flügel sprechen würde. Doch in den 15 Kurven muss vor allem die Hinterachse auf dem Asphalt kleben – beim Anbremsen, Einlenken und Beschleunigen. Zu klein dürfen die Flügel also nicht sein. Ansonsten verliert man insbesondere zu viel Zeit im technisch angehauchten Mittelsektor, wo fast die Hälfe der Kurven steckt. Und noch etwas: Mit zu wenig Anpressdruck geraten die Autos außerdem ins Rutschen. Wer rutscht, überhitzt seine Reifen.

Früher mussten die Bremshutzen wegen der hohen Temperaturen etwas größer ausgelegt werden. Durch die Verlegung der Startzeit in den Abend ist die Hitzeproblematik deutlich entspannter. Der Asphalt ist nicht mehr ganz so eben wie in den ersten Jahren. Bahrain steht seit 2004 im Rennkalender. Doch es gibt immer noch relativ wenige Bodenwellen. Die Ingenieure können die Autos tief einstellen.

Um die Traktion aus den langsamen Kurven zu verbessern und den Reifenverschleiß zu begrenzen, ist aber etwas Federweg auf der Hinterachse zu empfehlen. Mechanischer Grip entscheidet in Bahrain über die Rundenzeit, weil die wenigen schnellen Kurven ohnehin mit Vollgas durchfahren werden.

Da die Temperaturen vom Start bis zum Ziel um bis zu 20°C fallen können, sind Verschiebungen des Kräfteverhältnisses im Laufe des Rennens möglich, je nachdem, in welches Temperaturfenster das Setup besser passt. Die Ingenieure müssen im ersten und dritten Freien Training bei Tageslicht aufpassen, dass sie sich von den heißeren Temperaturen nicht in die Irre führen lassen. Mit mehr Gummi und weniger Sand verbessert sich der Grip auf der Ideallinie stark im Laufe des Wochenendes. Für einen kleinen Schreck dürfte die Wettervorhersage gesorgt haben, die zunächst von Regen für Samstag und Sonntag ausgegangen war. Inzwischen sprechen die Meteorologen aber von einem trockenen Qualifying und Grand Prix.

Pirelli entscheidet sich für die Reifenmischung C2 bis C4 – also die mittlere Stufe aus dem Sortiment. Die Reifen sind weicher als im Vorjahr, indem die Mehrzahl mit zwei Boxenstopps über die 57 Runden kam, sich allerdings auf die zwei weicheren der drei Sorten beschränkt hatte. Pirelli erhofft durch seine Auswahl, dass dieses Mal alle drei Reifentypen gefragt sein werden – und dadurch eine strategische Vielfalt entsteht.

Technik-Updates

Das erste und dritte Training bringt zwar wenig Aufschluss für das Rennen. Dafür aber können die Teams die Zeit nutzen, um sich mit den Reifen vertraut zu machen und mögliche Experimente im Hinblick auf 2021 durchzuführen. Jeder Fahrer erhält für den Trainingsfreitag zwei zusätzliche Reifensätze. Es handelt sich um einen neuen Reifen für die nächste Saison der Mischung C3.

Es könnte durchaus sein, dass manche Teams einen Teil der Trainingszeit zweckentfremden, und Probeläufe mit Teilen für das 2021er Auto absolvieren. Die Basis der Autos bleibt zwar gleich, doch Änderungen am Unterboden, den hinteren Bremsbelüftungen und Diffusor sind gravierender, als man zunächst meinen mag. Wer hier falsch gegensteuert, verliert massiv Abtrieb und rutscht in der Reihenfolge weit zurück. Deshalb könnte der ein oder andere die Erkenntnisse aus Windkanal und CFD mit der Wirklichkeit abgleichen, um sich negative Überraschungen zu ersparen. Williams kündigte bereits an, am Freitag ein paar Testreihen durchführen zu wollen, die der künftigen Entwicklung dienen sollen.

Red Bull und McLaren zählen zu den Teams, die ihre Autos in den letzten Wochen und Monaten schrittweise aufgerüstet haben. Red Bull zuletzt mit Änderungen an Frontflügel, Kapuzenflügel unter der Nase und Modifikationen rund um den Auspuff. Da verlegte Red Bull die Wastegate-Rohre unter den oberen Querlenker. In der verregneten Türkei konnte der WM-Zweite noch nicht alle Datensätze erfassen. Das dürfte man in Bahrain nachholen wollen.

Die Favoriten

Es spricht vieles für den 13. Saisonsieg von Mercedes. Beide Titel sind eingefahren, der Druck ist weg, die Fahrer können befreit auffahren. Auch wenn die Weltmeister die Entwicklung des W11 schon länger eingestellt haben, ist der schwarze Silberpfeil weiter das schnellste Auto im Feld mit den wenigsten Schwachpunkten. Der Motor ist die Messlatte, was auf den langen Geraden helfen wird. Bahrain ist eine Rennstrecke, die auf die Hinterreifen geht. Da haben diejenigen einen Vorteil, die ihr Auto auf Reifenschonen ausgerichtet haben. So wie Mercedes.

Red Bull dürfte mit Max Verstappen die Nummer zwei sein. Die jüngsten Nachbesserungen haben den RB16 schneller und berechenbarer gemacht. Die überwiegend langsamen und mittelschnellen Kurven sollten Red Bull entgegenkommen. Verstappen wird den Blick nach vorne richten, sollte aber auch in den Rückspiegel schauen. Wenn man in dieser Saison eine Strecke mit Bahrain vergleichen kann, dann am ehesten noch Monza. Und dort reihte sich Red Bull in der Qualifikation hinter McLaren und Racing Point ein. Renault war nur ein paar Tausendstel langsamer.

Im Mittelfeld sind Prognosen praktisch unmöglich. Zuletzt hatten Racing Point und Renault dort das beste Paket am Samstag. Am Rennsonntag fährt McLaren aber auf Augenhöhe. Von Monza-Sieger Pierre Gasly und Alpha Tauri ist immer eine Überraschung zu erwarten. Ferrari dürfte mehr Mühe haben als zuletzt. Bahrain ist eine Motorenstrecke. In dieser Hinsicht haben die Italiener gegenüber den anderen Motorenherstellern einen Leistungsnachteil. Das werden auch Haas und Alfa Romeo im Kampf der Hinterbänkler gegen Williams-Mercedes zu spüren bekommen.

Charles Leclerc - Ferrari - GP Bahrain 2019 - Sakhir
xpb
Charles Leclerc dominierte das Bahrain-Wochenende 2019, wurde aber hinter den Mercedes trotzdem nur Dritter.

So lief das Rennen im Vorjahr – GP Bahrain 2019:

Es war die große Show des Charles Leclerc, den ein technischer Defekt um den ersten Karriere-Erfolg brachte. Der junge Monegasse stürmte in seinem zweiten Rennen für Ferrari erstmals auf Pole-Position. Drei Zehntel vor Teamkollege Sebastian Vettel und Lewis Hamilton. Am Start fiel Leclerc für den Moment zurück, überholte unwiderstehlich und setzte sich mit Leichtigkeit von seinen Verfolgern ab.

Ferrari gewann die Rundenzeit auf den langen Geraden. Mercedes richtete sein Rennen einzig auf den zweiten Ferrari aus, bis ein Kurzschluss in einer Kontrolleinheit in Leclercs Auto zuschlug, dem Sechszylinder-Turbo einen Brennraum raubte und den Monegassen zu einem wehrlosen Opfer machte. Die Mercedes flogen problemlos auf den Geraden an ihm vorbei. Ein spätes Safety Car rettete dem sicher geglaubten Sieger wenigstens einen Podestrang.

Der zweite Doppelsieg der Saison war für Mercedes ein geschenkter. Dieses Mal drehte Hamilton im Vergleich zum Auftaktrennen in Australien die Reihenfolge um. Der spätere Weltmeister setzte sich gegen Valtteri Bottas durch, der sich mit Balanceproblemen herumschlug. Hamilton manövrierte sich in der zweiten Rennhälfte vorbei an Vettel, der sich im Zweikampf drehte und einen Reifen plattbremste. Der verursachte starke Vibrationen, was auf der Geraden den Frontflügel vom Ferrari schüttelte. Der Heppenheimer beendete das Rennen nur auf dem fünften Platz hinter Max Verstappen. Red Bull war in Bahrain chancenlos.

Im Mittelfeld setzte sich McLaren mit Lando Norris gegen Kimi Räikkönen im Alfa Romeo durch. Der Engländer wurde Sechster. Renault ging innerhalb kurzer Zeit doppelt K.o. Wenige Runden vor dem Rennende verabschiedeten sich Nico Hülkenberg und Daniel Ricciardo jeweils mit technischem Defekt.

Zeitplan GP Bahrain 2020

Qualifying und Rennen starten in der Dämmerung und enden bei Nacht. Die Zuschauer in Deutschland müssen sich kaum umstellen. Die entscheidenden Sessions des Rennwochenendes finden nachmittags ab 15 Uhr statt.

Zeitplan GP Bahrain 2020

Datum  Session  Uhrzeit
Freitag, 27.11.2020 1. Training 12-13.30 Uhr
Freitag, 27.11.2020 2. Training 16-17.30 Uhr
Samstag, 28.11.2020 3. Training 12-13.00 Uhr
Samstag, 28.11.2020 Qualifying 15-16.00 Uhr
Sonntag, 29.11.2020 Rennen ab 15.10 Uhr 
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