Vorschau GP Kanada 2018

Schlägt das Imperium zurück?

Mercedes - GP Kanada - Formel 1 - 2017 Foto: sutton-images.com 73 Bilder

Der Grand Prix von Kanada sorgt traditionell für eine kleine Unterbrechung der Formel-1-Europasaison. Kann Mercedes auf der schnellen Strecke in Montreal wieder zurückschlagen? Wir haben die letzten Infos zum Rennen in unserer Vorschau.

Lange ging es in der Formel 1 nicht mehr so ausgeglichen zu wie in dieser Saison. Nach sechs Rennen liegen alle drei Top-Teams in puncto Siege gleichauf. In Monaco fanden sich sowohl Red Bull als auch Ferrari und Mercedes auf dem Podium wieder. Doch mit dem Circuit Gilles Villeneuve wartet in Montreal nun eine komplett andere Strecke auf die 20 Fahrer.

Mercedes muss beweisen, dass die Schwäche auf dem engen Stadtkurs in Fürstentum nur ein kleiner Ausrutscher war. In Kanada dürfte der Power-Vorteil der Silberpfeile vor allem in der Qualifikation wieder stärker zum Tragen kommen. Für Ferrari und Red Bull sprechen die vielen engen Kurven, der Traktionsvorteil und der Einsatz der Hyper-Soft-Reifen, die dem Mercedes in Monaco gar nicht schmeckten.

Vielleicht kommt es am Ende auch wieder ganz anders. Für das komplette Rennwochenende haben die Meteorologen die Gefahr von Schauern vorhergesagt. Regenrennen sorgen in Montreal bekanntlich immer für besonders viel Chaos. Da sind Überraschungen nicht ausgeschlossen.

Die Strecke – Circuit Gilles Villeneuve

Nach dem Klassiker in Monaco steht in Montreal der nächste Stadtkurs auf dem Programm. Vom Layout ist der Circuit Gilles Villeneuve auf der Ile Notre Dame mitten im Sankt-Lorenz-Strom aber nicht mit dem engen Gewurschtel im Fürstentum zu vergleichen. Sechs Mal beschleunigen die Autos auf der 4,361 Kilometer-Runde auf mehr als 250 km/h. Und ebenso oft müssen die Piloten knallhart in die Eisen steigen.

Um schnelle Rundenzeiten zu erreichen, müssen die Autos in den Schikanen aggressiv über die Kerbs. Besondere Gefahr droht den Karbon-Rennern durch die engen Mauern am Kurvenausgang. Vor allem die Bande in der Zielschikane ist schon vielen großen Namen zum Verhängnis geworden, was ihr den Spitznamen „Wall of Champions“ einbrachte. Überholen ist in Kanada dank der langen Geraden normalerweise kein Problem. Um ganz sicher zu gehen, hat die FIA aber dieses Jahr noch eine dritte DRS-Zone zwischen den Schikanen T6/T7 und T8/T9 eingerichtet.

Fast Facts zum GP Kanada

  • Streckenlänge: 4,361 Kilometer
  • Rundenzahl: 70
  • Renndistanz: 305,270 km
  • Rundenrekord im Rennen: 1:13.622 Min. (Rubens Barrichello, 2004)
  • Kurven: 14 (6 links, 8 rechts)
  • Vollgas-Anteil (Rundenzeit): 60 Prozent
  • Gangwechsel pro Runde: 50
  • Distanz Pole Position zum Scheitelpunkt Kurve 1: 362,1 Meter
  • Länge der Boxengasse: 401,1 Meter
  • Zeit in der Boxengasse bei Speedlimit: 18,0 s
  • Reifen: Hypersoft / Ultrasoft / Supersoft
  • Reifenverschleiß: niedrig
  • Bremsbelastung: hoch
  • Spritverbrauch: hoch
  • Safety-Car-Wahrscheinlichkeit: 40 Prozent
  • DRS-Zonen: 3 – Zielgerade, Gerade vor Zielschikane, Gerade zwischen T7 & T8

Setup:

Pirelli-Grafik - GP Kanada 2018 Foto: Pirelli
Pirelli bringt wie schon in Monaco die Hypersoft-Reifen an den Start.

Die langen Geraden verlangen nach einem guten Top-Speed. 60 Prozent einer Runde fahren die Fahrer mit Volllast. Mit zu viel Luftwiderstand verliert man Rundenzeit und wird für die Konkurrenz im Zweikampf zur leichten Beute. Die Flügel werden deutlich flacher gestellt als in Monaco. Die Ingenieure müssen in Sachen Anpressdruck aber einen guten Kompromiss finden, um in den kurvigen Abschnitten nicht zu viel Zeit zu verlieren.

Wegen des Stop-&-Go-Charakters der Strecke sind Bremsstabilität und die Fahrbarkeit des Motors hier zwei besonders wichtige Faktoren. Die Bremsbelastung ist hoch. Der Fahrer steht für 19 Prozent einer Runde auf dem linken Pedal. Als Verzögerung werden Werte von über 5 g gemessen. Die vielen harten Bremsvorgänge belasten Mensch und Material. Die Teams müssen für eine ausreichende Kühlung sorgen.

Aus den engen Ecken heraus zählt vor allem eine gute Traktion. Auf der Hinterachse sollten deshalb etwas weichere Federn verbaut werden. Bei der Bodenfreiheit muss auf die Kerbs und einige Wellen im Asphalt geachtet werden. Außerdem sollten die Ingenieure bei der Wahl des Setups einkalkulieren, dass der Grip auf der nicht permanenten Rennstrecke über das Wochenende traditionell stark zulegt. Auch der wechselnde Wind ist ein nicht zu unterschätzender Faktor.

Der Reifenverschleiß ist wegen des glatten Asphalts normalerweise kein großes Problem. Doch in diesem Jahr hat Pirelli für Montreal eine aggressive Gummi-Kombination im Gepäck. Neben den Mischungen Ultrasoft und Supersoft kommt auch noch die weichste Sorte im Programm namens „Hypersoft“ zum Einsatz. Der Reifen mit den rosa Markierungen wurde zuletzt in Monaco schon verwendet und hat sich dort als nicht sehr haltbar gezeigt. Das könnte für interessante Strategien sorgen.

Technische Upgrades:

Wir erwarten, dass die Teams ihre Rennautos mit Low-Downforce-Paketen bestücken. Kleinere Heckflügel senken den Luftwiderstand und bringen mehr Geschwindigkeit auf den Geraden. Übertreiben dürfen es die Teams aber nicht. Wer zu viel Anpressdruck opfert, leidet in den Kurven. Das kostet Zeit und strapaziert die Reifen. Das größte Aero-Upgrade-Paket erwarten wir von Haas. Hier haben die Ingenieure einen größeren Fortschritt angekündigt. Auch bei Force India und Renault sind wieder kleinere Modifikationen im Gepäck. Ins Detail gehen wollten die Techniker dabei allerdings nicht.

Auch in Sachen Motoren wird es interessant. Alle vier Hersteller bringen neue Ausbaustufen nach Montreal. Die Ferrari-Kundenteams waren schon in Monaco mit den neuen Aggregaten unterwegs. Nach dem erfolgreichen Test kommen nun auch Vettel und Räikkönen in den Genuss von etwas mehr Power. Spannend wird es im Duell zwischen Renault und Honda. Red Bull wird ganz genau darauf schauen, welcher Motor sich mehr steigern kann. Das entscheidet über die Wahl des Antriebslieferanten für das kommende Jahr.

Die Favoriten:

Die Motoren-Frage könnte schon vor dem Rennen wichtig werden. Zwar war von Renault zu hören, dass die MGU-K am Auto von Daniel Ricciardo, die in Monaco noch Probleme gemacht hatte, erneut eingesetzt werden kann. Wenn der Australier wegen des PS-Vorteils aber ein komplett neues Antriebspaket einsetzt, dann droht eine Startplatzstrafe für den Australier und er wäre raus aus dem Kampf um den Sieg.

Wie bereits erwähnt sprechen für Red Bull die gute Traktion und der geringe Reifenverschleiß. Mercedes wirft den Power-Vorteil und die gute Qualifying-Pace in den Ring. Und Ferrari überzeugt mit seinem Gesamtpaket, das nur selten Schwächen zeigt. Durch die vielen Motoren-Upgrades und die aggressive Reifenwahl von Pirelli sind Vorhersagen so schwer wie nie. Im Qualifying sehen wir Montreal-Spezialist Hamilton leicht in der Favoritenstellung. Aber im Rennen kann auch dank der guten Überholmöglichkeiten alles passieren.

Im Mittelfeld erwarten wir ein Duell zwischen Haas und Force India. Hier kommt es darauf an, wie gut die neuen Teile bei Haas einschlagen. McLaren, Renault und Toro Rosso werden dahinter um die verbleibenden Punkte balgen. Auch Sauber und Williams dürften wieder nah dran sein am Rest des Mittelfeldes, um bei Problemen der Konkurrenz abzustauben.

So lief das Rennen im Vorjahr:

Lewis Hamilton hieß der Sieger des GP Kanada 2017. Nach einem guten Start von der Pole Position gab der Mercedes-Pilot die Führung das ganze Rennen nicht aus der Hand. Am Ende überquerte er mit 19,7 Sekunden Vorsprung vor Valtteri Bottas die Ziellinie. Der Mercedes-Doppelsieg geriet nie in Gefahr.

Sebastian Vettel war am Start in eine Kollision mit Max Verstappen verwickelt und musste sich einen neuen Frontflügel abholen. Mit einer beherzten Fahrt gelang es dem Heppenheimer von ganz hinten noch auf Rang 4 nach vorne zu fahren. Dabei überholte er kurz vor Schluss auch die beiden Force India von Sergio Perez und Esteban Ocon. Am Ende fehlten nur 6 Zehntel auf den letzten Podiumsplatz, der an Daniel Ricciardo ging.

In unserer Galerie zeigen wir zur Einstimmung noch einmal die Highlights vom GP Kanada 2017.

Zeitplan GP Kanada 2018

Sitzung Start (MEZ)
1. Training Freitag - 8. Juni - 16.00 Uhr
2. Training Freitag - 8. Juni - 20.00 Uhr
3. Training Samstag - 9. Juni - 17.00 Uhr
Qualifying Samstag - 9. Juni - 20.00 Uhr
Rennen Sonntag - 10. Juni - 20.10 Uhr
Neues Heft
Top Aktuell Nico Hülkenberg - Carlos Sainz - Renault - GP Brasilien 2018 Nico Hülkenberg zieht Bilanz Renault muss signifikant besser werden
Beliebte Artikel Daniel Ricciardo - Red Bull - GP Monaco - Formel 1 - Samstag - 26.5.2018 Korrigierte WM-Tabelle Wo stünde Verstappen ohne Fehler? Red Bull, Ferrari & Mercedes - GP Monaco 2018 F1 Power-Ranking GP Monaco Red Bull deklassiert WM-Gegner
Anzeige
Sportwagen Porsche 911 991 (2018) GT3 Touring-Paket Porsche 911 Carrera bis GT2 RS Elfer-Einmaleins in 5 Minuten Subaru WRX STI Diamond Edition Subaru WRX STI Diamond Edition 354 PS aus Südafrika
Allrad Jeep Gladiator JT Pickup Jeep Wrangler Gladiator (2019) Erste Bilder durchgesickert Toyota Tundra Kalifornien Toyota Tundra im Waldbrand-Einsatz Retten bis das Rücklicht schmilzt
Oldtimer & Youngtimer Mercedes 280 SE 3.5 Cabriolet W111 (1970) Wiesenthal Mercedes-Auktion Wiesenthal Familiensammlung unterm Hammer Porsche Carrera GT Werksrestaurierung Porsche Classic Carrera GT 13 Jahre alt, aber jetzt fabrikneu