Sebastian Vettel - GP Kanada 2018 Motorsport Images

Vorschau GP Kanada 2019

Ferraris beste Chance

So gute Siegchancen wie in Montreal bekommt Ferrari dieses Jahr wohl nicht mehr oft. Reißt die Mercedes-Serie jetzt endlich? Wir haben alle wichtigen Infos zum Kanada-Grand-Prix in der Vorschau.

Vor zwölf Monaten reisten Mercedes, Ferrari und Red Bull mit jeweils zwei Siegen auf dem Konto nach Montreal. In diesem Jahr sieht das Kräfteverhältnis an der Spitze etwas anders aus. Die Silberpfeile konnten bisher alle sechs Siegerpokale abräumen, was bei den neutralen Fans nicht gerade für Begeisterung gesorgt hat. Noch gibt es aber keinen Grund die Hoffnung aufzugeben. In Kanada müssen sich Lewis Hamilton und Valtteri Bottas auf mehr Gegenwehr einstellen.

Auf den langen Geraden des Circuit Gilles Villeneuve sollte Ferrari seinen Power-Vorteil deutlich besser ausspielen können als zuletzt. Das Layout erinnert etwas an Bahrain, wo Charles Leclerc ja beinahe seinen ersten Sieg eingefahren hätte, wenn ihn die Technik kurz vor Schluss nicht im Stich gelassen hätte. Die Frage lautet, wie groß der Top-Speed-Vorsprung des roten Autos noch ist, wenn die silberne Konkurrenz das geplante Motoren-Update auspackt.

Red Bull rechnet sich mit dem Honda-Defizit nicht ganz so viel aus. Auch der Wunsch nach Regen wird sich für Max Verstappen und Pierre Gasly wohl nicht erfüllen. Die Wettervorhersage geht das ganze Wochenende über von trockenen Bedingungen aus. Bei moderaten Höchsttemperaturen knapp über der 20°C-Marke könnte aber das Thema „Reifenaufwärmen“ wieder für einige Piloten zum Problem werden.

Die Strecke – Circuit Gilles Villeneuve

Nach dem Klassiker in Monaco steht in Montreal der nächste Stadtkurs auf dem Programm. Vom Layout ist der Circuit Gilles Villeneuve auf der Ile Notre Dame mitten im Sankt-Lorenz-Strom aber nicht mit dem engen Gewurschtel im Fürstentum zu vergleichen. Sechs Mal beschleunigen die Autos auf der 4,361 Kilometer-Runde auf mehr als 250 km/h. Und ebenso oft müssen die Piloten knallhart in die Eisen steigen.

Um schnelle Rundenzeiten zu erreichen, müssen die Autos in den Schikanen aggressiv über die Kerbs. Besondere Gefahr droht den Karbon-Rennern durch die engen Mauern am Kurvenausgang. Vor allem die Bande in der Zielschikane ist schon vielen großen Namen zum Verhängnis geworden, was ihr den Spitznamen „Wall of Champions“ einbrachte. Überholen ist in Kanada dank der langen Geraden und der drei DRS-Zonen normalerweise kein Problem.

Fast Facts zum GP Kanada

  • Streckenlänge: 4,361 Kilometer
  • Rundenzahl: 70
  • Renndistanz: 305,270 km
  • Rundenrekord im Rennen: 1:13.622 Min. (Rubens Barrichello, 2004)
  • Kurven: 14 (6 links, 8 rechts)
  • Vollgas-Anteil (Rundenzeit): 60 Prozent
  • Gangwechsel pro Runde: 50
  • Distanz Pole Position zum Scheitelpunkt Kurve 1: 362,1 Meter
  • Länge der Boxengasse: 401,1 Meter
  • Zeit in der Boxengasse bei Speedlimit: 18,0 s
  • Reifen: C3 / C4 / C5
  • Reifenverschleiß: niedrig
  • Bremsbelastung: hoch
  • Spritverbrauch: hoch
  • Safety-Car-Wahrscheinlichkeit: 60 Prozent
  • DRS-Zonen: 3 – Zielgerade, Gerade vor Zielschikane, Gerade zwischen T7 & T8
Pirelli - Infografik - GP Kanada 2019
Pirelli
Pirelli bringt wie schon in Monaco die drei weichsten Mischungen C5, C4 und C3 an den Start.

Setup:

Die langen Geraden verlangen nach einem guten Top-Speed. 60 Prozent einer Runde fahren die Fahrer mit Volllast. Mit zu viel Luftwiderstand verliert man Rundenzeit und wird für die Konkurrenz im Zweikampf zur leichten Beute. Die Flügel werden deshalb deutlich flacher gestellt als in Monaco. Die Ingenieure müssen in Sachen Anpressdruck einen guten Kompromiss finden, um in den kurvigen Abschnitten nicht zu viel Zeit zu verlieren.

Wegen des Stop-&-Go-Charakters der Strecke sind auch Bremsstabilität und die Fahrbarkeit des Motors zwei besonders wichtige Faktoren. Die Bremsbelastung ist hoch. Der Fahrer steht für 19 Prozent einer Runde auf dem linken Pedal. Als Verzögerung werden Werte von über 5 g gemessen. Die vielen harten Bremsvorgänge belasten Mensch und Material. Die Teams müssen für eine ausreichende Kühlung sorgen.

Aus den engen Ecken heraus zählt vor allem eine gute Traktion. Auf der Hinterachse sollten deshalb etwas weichere Federn verbaut werden. Bei der Bodenfreiheit muss auch auf die Kerbs und einige Wellen im Asphalt geachtet werden. Außerdem sollten die Ingenieure bei der Wahl des Setups einkalkulieren, dass der Grip auf der nicht permanenten Rennstrecke über das Wochenende traditionell stark zulegt. Auch der wechselnde Wind ist ein nicht zu unterschätzender Faktor.

Der Reifenverschleiß ist wegen des glatten Asphalts normalerweise kein großes Problem. Obwohl Pirelli wie im Vorjahr die drei weichsten Mischungen über den Teich geschickt hat, erwarten wir bei den meisten Piloten nicht mehr als einen Boxenstopp. Es wird interessant, ob auf der grünen Strecke und bei niedrigen Temperaturen wieder mal Graining zum Thema wird.

Technische Upgrades:

Normalerweise kommen die Teams immer mit Low-Downforce-Paketen nach Montreal. Die Erfahrung dieser Saison hat aber gezeigt, dass man es sich neuerdings nicht mehr leisten kann, mit ganz kleinen Flügeln zu fahren, weil die neuen Pirelli-Reifen dann nicht ins Arbeitsfenster kommen. Deshalb werden die meisten Autos wohl mit bekannten Teilen bestückt werden.

Ein größeres Aero-Paket erwarten wir nur von Haas. Der US-Renner wird zudem erstmals mit einer hydraulisch gesteuerten Hinterradaufhängung fahren. Ganz neu sind die Teile, die von Ferrari kommen, aber nicht. Die meisten anderen Autos verfügen schon länger über diese Technik.

Für die meiste Spannung an der Upgrade-Front von Montreal sorgt Mercedes. Während Renault, Honda und Ferrari schon in den letzten Rennen vorgelegt haben, kommt nun auch das Power-Upgrade am Silberpfeil. Die Kundenteams Racing Point und Williams kommen ebenfalls in den Genuss des Spec2-Motors. Von Racing Point haben wir zudem gehört, dass zum Stroll-Heimspiel auch neue Kühler verbaut werden sollen.

Zeitplan GP Kanada 2019

Sitzung Start (MEZ)
1. Training Freitag - 7. Juni - 16.00 Uhr
2. Training Freitag - 7. Juni - 20.00 Uhr
3. Training Samstag - 8. Juni - 17.00 Uhr
Qualifying Samstag - 8. Juni - 20.00 Uhr
Rennen Sonntag - 9. Juni - 20.10 Uhr

Die Favoriten:

Wie bereits erwähnt dürfte die Mercedes-Dominanz in Montreal nicht ganz so groß ausfallen wie in den letzten Rennen. Gegen einen Sieg von Mercedes würden wir aber nicht wetten. Die Frage lautet auch, ob Valtteri Bottas nach zwei Niederlagen noch einmal gegen Lewis Hamilton kontern kann. Letzte Saison war der Finne in Montreal deutlich besser unterwegs als der Weltmeister. Doch bei sechs Kanada-Siegen kann man sicherlich nicht behaupten, dass Hamilton die Strecke nicht liegt.

Wie nah Ferrari dran sein wird, hängt auch vom Motoren-Upgrade bei Mercedes ab. Wenn es normal läuft, sollte aber wenigstens der Druck von Verfolger Red Bull auf Sebastian Vettel und Charles Leclerc nicht ganz so groß sein. Doch bei Max Verstappen weiß man bekanntlich nie. Der Holländer konnte in den letzten 11 Rennen immer mindestens einen der beiden Ferrari-Piloten hinter sich lassen.

Im Mittelfeld spielt die Motorenleistung natürlich auch eine wichtige Rolle. In Verbindung mit den Technik-Upgrades spräche das eigentlich für Haas als ersten Punktekandidaten. Doch die US-Renner kamen zuletzt nicht immer mit den Reifen zurecht. In verbesserter Form sollten sich theoretisch auch Alfa Romeo und Racing Point präsentieren. Nicht ganz so stark erwarten wir Renault und McLaren.

So lief das Rennen im Vorjahr:

Vor 12 Monaten hieß der strahlende Sieger von Montreal noch Sebastian Vettel. Der Heppenheimer gewann den Start und ließ in einem ereignisarmen Rennen anschließend nichts mehr anbrennen. Von der Spitze kontrollierte der Ferrari-Pilot fehlerfrei den Abstand zu Valtteri Bottas, der 7,3 Sekunden dahinter auf Rang 2 über die Linie fuhr. Es war übrigens der 50. Erfolg für Vettel in seiner Formel-1-Karriere.

Auf Rang 3 machte Max Verstappen das bunt gemischte Podium komplett. Der Niederländer startete in den ersten Kurven eine Attacke auf Bottas, zog aber doch sicherheitshalber zurück. Mit Daniel Ricciardo kam direkt dahinter noch ein Red Bull-Pilot auf Rang 4 ins Ziel. Der Australier schnappte sich auf den ersten Metern erst Kimi Räikkönen. Im Zuge der ersten Boxenstopps schob er sich auch noch an Lewis Hamilton vorbei.

Für die spektakulärste Szene des Rennens sorgten Lance Stroll und Brendon Hartley schon in der Startrunde. Stroll drückte seinen Konkurrenten in die Bande, wodurch der Toro Rosso in die Luft geschleudert wurde. Beide rutschten mit ihren beschädigten Rennwagen in die Auslaufzone. Anschließend mussten die Piloten zur Untersuchung ins Medical Center. Hartley wurde für weitere Scans sogar noch ins Krankenhaus von Montreal geschickt.

In unserer Galerie zeigen wir zur Einstimmung noch einmal die Highlights vom GP Kanada 2018.

GP Kanada 2018: Die Highlights vom Rennen in Montreal

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