Lewis Hamilton - Bouncing - GP Australien 2022 Motorsport Images
Lewis Hamilton - GP Kanada 2019
Sebastian Vettel - GP Kanada 2019
Lando Norris - GP Kanada 2019
Antonio Giovinazzi - GP Kanada 2019 41 Bilder

Vorschau GP Kanada: Letzte Infos zum Montreal-Comeback

Vorschau GP Kanada 2022 Mercedes muss wieder leiden

Die Mercedes-Piloten müssen in Montreal noch einmal die Zähne zusammenbeißen. Dem Ferrari dürfte die wellige Highspeed-Piste dagegen deutlich besser schmecken. In der Vorschau verraten wir, wie gut die Chancen der Scuderia stehen, die Red-Bull-Siegesserie endlich zu durchbrechen.

Eigentlich hat der Circuit Gilles Villeneuve seit Jahren einen festen Platz im Formel-1-Kalender. Doch in den letzten 36 Monaten wurde es ziemlich still auf der Ile Notre-Dame. Seit 2019 nahm kein Grand-Prix-Renner den 4,361 Kilometer langen Traditionskurs mehr unter die Räder. Wegen Corona machte die Königsklasse zuletzt einen großen Bogen um die Heimat von Lance Stroll und Nicholas Latifi.

Doch in diesem Jahr passen die Bedingungen für das Comeback endlich wieder. Die ganze Stadt will eine große Formel-1-Party feiern. Die Tickets für die Tribünen sind schon seit Monaten restlos ausverkauft. Die Hotels rufen astronomische Preise auf. Jeder will vom Boom der Königsklasse profitieren.

Der gute Saisonstart von Ferrari heizte das Interesse noch zusätzlich an. Die Scuderia hat in Kanada traditionell immer eine besonders große Fangemeinde. Doch zuletzt sprang das Cavallino leider nicht mehr ganz so hoch, wie noch in den ersten Rennen des Jahres. Zwar startete Charles Leclerc vier Mal in Folge von der Pole Position, am Ende nahm aber immer ein Red-Bull-Pilot den Siegerpokal mit nach Hause.

Auch die Fans von Mercedes mussten leiden – genau wie die Fahrer. Der Silberpfeil schlägt auf Bodenwellen extrem durch, was auf dem welligen Kurs in Montreal zu einem richtig schmerzhaften Problem werden könnte. Regen würde das Tempo verringern und die Tortur damit lindern. Aber bis auf eine leichte Schauer-Gefahr am Freitag soll das Wochenende nach letzten Prognosen trocken bleiben. Die Temperaturen liegen knapp über der 20°C-Marke im moderaten Bereich.

Die Strecke – Circuit Gilles Villeneuve

Nach Monaco und Baku steht in Montreal der dritte Stadtkurs in Folge auf dem Programm. Vom Layout ist der Circuit Gilles Villeneuve auf der Ile Notre-Dame mitten im Sankt-Lorenz-Strom aber nicht ganz mit den genannten Strecken zu vergleichen. Sechs Mal beschleunigen die Autos auf der 4,361 Kilometer-Runde auf mehr als 250 km/h. Und ebenso oft steigen die Piloten knallhart in die Eisen.

Um schnelle Rundenzeiten zu erreichen, müssen die Autos in den Schikanen aggressiv über die Kerbs, was mit den flachen Rennwagen der Generation 2022 zu einem Problem werden könnte. Gefahr droht auch durch die engen Mauern am Kurvenausgang. Vor allem die Bande in der Zielschikane ist schon vielen großen Piloten zum Verhängnis geworden, was ihr den Spitznamen "Wall of Champions" einbrachte. Überholen ist in Kanada dank der langen Geraden und drei DRS-Zonen normalerweise kein Problem.

Fast Facts zum GP Kanada

  • Streckenlänge: 4,361 Kilometer
  • Rundenzahl: 70
  • Renndistanz: 305,270 km
  • Rundenrekord im Rennen: 1:13.078 Min. (Valtteri Bottas, 2019)
  • Kurven: 14 (6 links, 8 rechts)
  • Vollgas-Anteil (Rundenzeit): 61 Prozent
  • Distanz Pole Position bis zur ersten Bremszone: 163 Meter
  • Länge der Boxengasse: 404 Meter
  • Zeit in der Boxengasse bei Speedlimit: 18,2 s
  • Reifen: C3 / C4 / C5
  • Reifenverschleiß: niedrig
  • Bremsbelastung: hoch
  • Spritverbrauch: hoch
  • DRS-Zonen: 3 – Zielgerade, Gerade vor Zielschikane, Gerade zwischen T7 & T8
Pirelli Infografik GP Kanada 2022
Pirelli
Reifenverschleiß und Abtrieb niedrig, Bremsbelastung und Top-Speed hoch - Montreal ist eine extreme Strecke.

Setup:

Die langen Geraden verlangen nach einem guten Top-Speed. 60 Prozent einer Runde haben die Piloten den Gasfuß voll durchgedrückt. Mit zu viel Luftwiderstand verliert man Rundenzeit und wird für die Konkurrenz im Zweikampf zur leichten Beute. Die Flügel werden deshalb ähnlich flach gestellt wie zuletzt in Baku. Die Ingenieure müssen in Sachen Anpressdruck aber einen guten Kompromiss finden, um in den kurvigen Abschnitten nicht zu viel Zeit zu verlieren.

Wegen des Stop-&-Go-Charakters der Strecke sind auch Bremsstabilität und die Fahrbarkeit des Motors zwei sehr wichtige Faktoren. Die vielen harten Bremsvorgänge belasten Mensch und Material. Die Teams müssen für eine ausreichende Kühlung der Carbon-Stopper sorgen. Bei der Verzögerung werden regelmäßig Werte von über 5g gemessen.

Aus den engen Ecken heraus zählt vor allem eine gute Traktion. Auf der Hinterachse sollten deshalb etwas weichere Federn verbaut werden. Wegen der hohen Kerbs und der vielen Wellen im Asphalt kann das Fahrwerk generell nicht maximal tief runtergeschraubt werden, was allerdings auf Kosten des Abtriebs geht.

Die Ingenieure sollten bei der Wahl des Setups einkalkulieren, dass der Grip auf der nicht permanenten Rennstrecke über das Wochenende immer stark zulegt. Auch der wechselnde Wind ist ein nicht zu unterschätzender Faktor.

Der Reifenverschleiß ist wegen des glatten Asphalts normalerweise kein großes Problem. Obwohl Pirelli wie immer die drei weichsten Mischungen über den Teich geschickt hat, erwarten wir – auch wegen der moderaten Temperaturen – bei den meisten Piloten nicht mehr als einen Boxenstopp. Es wird interessant, ob auf der grünen Strecke wieder mal Graining zum Thema wird.

Technische Upgrades:

Montreal bildet den zweiten Teil eines extrem stressigen Doppelschlags mit Baku. Da wäre es schon sehr verwunderlich, wenn die Teams plötzlich größere Upgrade-Pakete aus dem Hut zaubern würden. Die Low-Downforce-Kits wurden bereits in Saudi Arabien und Aserbaidschan an die Autos geschraubt. Hier muss man also nicht in neue Teile investieren.

Die Mercedes-Verantwortlichen haben allerdings schon ein paar Technik-Modifikationen angekündigt. Die Ingenieure wollen dem Silberpfeil mit aller Macht das Bouncing und Bottoming austreiben. Bei Ferrari liegt der Fokus auf dem Antriebsstrang. Charles Leclerc benötigt nach seinem Motorschaden in Baku ein neues Triebwerk. Wir erwarten, dass der Monegasse mit den verwendeten Nachrüst-Komponenten aber noch unter dem erlaubten Limit bleibt und keine Strafe kassiert. Alpine kündigte bereits in Baku einen weiteren Technik-Aufschlag an.

Die Favoriten:

Man muss kein Prophet sein, um an der Spitze wieder ein enges Duell zwischen Ferrari und Red Bull vorherzusehen. Mit dem neuen Low-Downforce-Heckflügel, der in Baku debütierte, ist Ferrari nun auch auf den langen Geraden konkurrenzfähig. Im direkten Vergleich sollte das rote Auto besser über die Bodenwellen und die hohen Randsteine kommen und seine Vorteile bei der Traktion aus engen Ecken ausspielen können.

Es wäre also keine Überraschung, wenn zum fünften Mal in Folge ein Ferrari auf der Pole Position parkt. Die große Frage lautet aber, was dann im Rennen passiert. Neben der Zuverlässigkeit sprach zuletzt auch immer wieder der Reifenverschleiß für Red Bull. Durch den glatten Asphalt und den Mangel an schnellen Kurven ist die Abnutzung der Pirellis in Montreal aber normalerweise kein großes Thema.

Mit ordentlich Respektabstand fuhr Mercedes zuletzt im Niemandsland zwischen den beiden Top-Teams und dem breiten Mittelfeld hinterher. Das sollte auch in Montreal nicht anders sein. Allerdings wird die wellige Piste auf der Ile Notre-Dame eine noch größere Tortur für die Piloten als der Stadtkurs in Baku. Da müssen sich die Ingenieure etwas einfallen lassen.

Im Kampf um die verbleibenden WM-Punkte erwarten wir Alpha Tauri besonders stark. Wenn der AT03 zwei Dinge kann, dann sind es enge Kurven und lange Geraden. Die Autos von McLaren und Alfa Romeo tun sich auf dieser Art Rennstrecke dagegen eher schwer. Nach der starken Vorstellung von Sebastian Vettel in Baku muss man den Heppenheimer in Montreal auch auf der Rechnung für einen Top-Ten-Platz haben. Für Mick Schumacher bleibt dagegen wohl nur die Hoffnung auf etwas Chaos, damit es mit den ersten WM-Punkten klappt.

Sebastian Vettel - GP Kanada 2019
Jerry André
Sebastian Vettel wollte sich mit dem zweiten Platz in Montreal nicht abgeben.

So lief das Rennen beim letzten Mal:

Beim letzten Gastspiel der Formel 1 vor 36 Monaten rollte Sebastian Vettel als Erster über die Ziellinie. Der Siegerpokal wurde allerdings an Lewis Hamilton überreicht. Eine nachträgliche Fünf-Sekunden-Strafe drehte die Reihenfolge an der Spitze um. Im Kampf der beiden Mehrfach-Champions soll sich Vettel in Runde 47 unfair verteidigt haben, entschieden die Schiedsrichter. In der Kurvenkombination 3/4 brach dem Heppenheimer das Heck aus. Der Ferrari-Pilot musste die Lenkung aufmachen und die Schikane über die Wiese abkürzen. Am Ausgang fuhr Vettel dem Silberpfeil direkt vor die Nase.

Der Deutsche wollte sich mit der Strafe aber zunächst nicht abfinden und verkroch sich vor der Podiumszeremonie erst einmal im Ferrari-Pavillon. Dann vertauschte er auch noch die Platzierungsschilder vor den Autos im Parc Fermé, was ihm zumindest ein paar Lacher der Zuschauer einbrachte. Die Stimmung konnte auch Hamilton nicht aufheitern, der Vettel nach der Übergabe der Trophäen zu sich auf die oberste Stufe des Podiums holte.

Im Rennen hatte sich der Deutsche die Spitzenposition mit einem guten Start gesichert. Auch die Boxenstopps änderten nichts an der Reihenfolge. "Lewis war einen Tick schneller. Aber wir haben die Führung gut verteidigt", erklärte Vettel trotzig. Hamilton war da anderer Meinung: "Ich habe ihn in einen Fehler gehetzt. Die Regel sagt, dass man nach einem Ausrutscher nicht direkt wieder auf die Rennlinie zurückkehren darf."

In unserer Galerie zeigen wir zur Einstimmung noch einmal die Highlights vom GP Kanada 2019.

Zeitplan GP Kanada 2022

Session Termin
Freies Training 1 Freitag - 17. Juni - 20.00 Uhr
Freies Training 2 Freitag - 17. Juni - 23.00 Uhr
Freies Training 3 Samstag - 18. Juni - 19.00 Uhr
Qualifikation Samstag - 18. Juni - 22.00 Uhr
Rennen Sonntag - 19. Juni - 20.00 Uhr
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