Vorschau GP Monaco

Der etwas andere Grand Prix

Foto: Daniel reinhard 66 Bilder

Der Große Preis von Monaco ist der Höhepunkt der Formel 1-Saison. Wird Fernando Alonso seine Tabellenführung ausbauen? Oder schlägt Ferrari mit Michael Schumacher nach der Niederlage von Monte Carlo zurück?

Die nur 3,340 Kilometer lange Strecke durch das Fürstentum an der Cote d’Azur ist die kürzeste im Formel 1-Kalender. Auch sonst kann die Piste durch die weltberühmte Kulisse am Hotel de Paris und Casino vorbei, durch den Tunnel und schließlich zum Yachthafen hinunter mit Superlativen aufwarten.
Nirgends ist der Rundendurchschnitt geringer. Im vergangenen Jahr fuhr Michael Schumacher hier mit einem Schnitt von 158,54 Kilometer pro Stunde die schnellste Runde. Alle anderen Formel 1-Strecken sind mindestens 40 km/h schneller. Die Renndistanz beträgt nur knapp 260 Kilometer - das macht Monaco eigentlich zum kürzesten Grand Prix des Jahres. Doch er dauert zum Beispiel rund eine halbe Stunde länger als das Rennen in Monza.

Zwischen Neureichen und Promis: Suche nach der Abstimmung

Monaco hat seine eigenen Gesetze. Der traditionelle Aufmarsch an mondäner Hollywood-Prominenz und europäischem Hochadel, Starlets und russischen Neureichen wird den Renningenieuren egal sein. Ihre Sorge auf der Suche nach der optimalen Rennabstimmung: maximalen mechanischen Grip für die engsten Kurven des Jahres zu finden. Besonders im ersten Training, das in Monaco schon am Donnerstag stattfindet, wenn die Straßen noch keinen Gummiabrieb aufweisen und rutschig sind, werden die Autos sehr weich abgestimmt sein.

Auch aerodynamisch ist Monaco mittlerweile eine Ausnahmestrecke. Die Bahn am Mittelmeer verlangt maximalen aerodynamischen Abtrieb. Das war früher bei 15 von 18 Strecken der Fall (Ausnahmen: Montreal, Indianapolis und Monza). Doch ab dieser Saison mit den auf acht Zylinder beschnittenen 2,4 Liter-Motoren müssen die fehlenden 200 PS mit flach gestellten Flügeln egalisiert werden. Der Kompromiss gilt aber nicht in Monaco. Für das Stadt-Spektakel wurden in den Windkanälen Zusatzschichten eingelegt. Hier wird man soviele Winglets an den Autos sehen, wie eben machbar ist. Obendrein werden es hier die relativ hubraumarmen Motoren schwer haben: auf diesem Kurs zählt Drehmoment mehr als pure Leistung. Für das Toro Rosso-Team mit seinen Drehzahl-reduzierten V10-Zylindern war die Chance nie größer, ein gutes Ergebnis einzufahren.

Schumi: "Wie können optimistisch sein"

Zur optimalen Vorbereitung testeten die Teams in der vergangenen Woche: Ferrari fuhr mit einem Auto in Fiorano; Toyota , Honda und Williams traten in Vallelunga auf einer kurzen, winkligen Streckenvariante an. Renault, McLaren und BMW übten in Paul Ricard, ebenfalls auf der winkligsten Variante, die das Testareal ermöglicht.

Wird Michael Schumacher nach der für ihn und Ferrari überraschenden Niederlage in Barcelona den Spieß wieder umdrehen können? Zuletzt siegte er 2001 im Fürstentum. Für Schumacher eine sehr lange Zeitspanne. Der siebenmalige Weltmeister konnte fünf Mal in Monaco siegen; ebenso viele Erfolge verbuchte Graham Hill in den 60er Jahren. Der unvergessene Ayrton Senna ist nach wie vor der König von Monaco: sechs Siege. "Wir können optimistisch sein“, ließ Schumacher verlautbaren. Ich denke, hier können wir gut abschneiden. Aber ich will nicht vorhersagen, was passieren wird. Das ist sehr schwierig, wegen der Eigenheiten der Strecke.“

Bei den letzten vier Rennen im Schatten des Grimaldi-Felsens siegten immer Michelin-bereifte Piloten. Die Bridgestone-Gummis erwiesen sich meist als zu hart. Schon am Donnerstag wird es zur Sache gehen. Monaco gilt mittlerweile als die schwierigste Strecke im Formel 1-Kalender. Schließlich existieren hier keine Auslaufzonen - und es gibt kein Platz für Fehler. Beim Herantasten an das Limit gönnen die Ingenieure den Piloten mehr Freiraum: Wird sonst mit Kilometern im Freien Training gegeizt, darf in Monaco schon am Donnerstag gebolzt werden.

Das Zeittraining am Samstag wird zweifelsohne zu einem Höhepunkt der Saison. Nirgendwo sei der Startplatz wichtiger als hier, wo faktisch keine Überholmöglichkeiten bestehen, ist die landläufige Meinung. Besonders in den ersten 15 Minuten des Qualifyings, wenn alle 22 Piloten um das weiterkommen in das zweite Segment kämpfen, wird es sehr schwer sein eine verkehrsfreie Runde zu erwischen. "Der erste Teil des Zeittrainings wird sehr hart“, glaubt Mark Webber. Der Williams-Pilot hat besonders den unerfahrenen Rookies ins gewissen geredet: "Wenn ihr Gas wegnehmt dann nicht auf Streckenabschnitten, wo ein Ausweichen unmöglich ist. Das ist das letzte, mit dem man dann im Qualifying Bekanntschaft machen möchte.“ Hohe Geschwindigkeits-Unterschiede birgen ein kaum kalkulierbares Risiko. "Und Monaco ist sehr wichtig für die Formel 1“, fügte Webber hinzu.

Anders als viele seiner Rivalen glaubt Schumacher, dass man auch von niedrigeren Startplätzen Siegchancen hat: "Sicherlich ist es ein Nachteil, wenn man in der Startaufstellung zu weit hinten steht oder wenn die Lücke nach vorn zu groß ist. Aber wenn man dies verhindert, kann man mit der richtigen Strategie sehr viel erreichen. Die richtige Strategie und ein schnelles Auto im Rennen sind viel wichtiger als die Pole Position. Auch von Startplatz drei, vier, fünf kann man gewinnen.“

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