Vorschau GP San Marino

Das Schlüsselrennen

Foto: dpa

Ferrari setzt alles daran, in Imola endlich das Ruder herumzuwerfen und die bisher desaströse Saison vergessen zu machen. Doch bei Renault und Michelin strotzt man vor Selbstbewusstsein.

Es ist, wie Boris Becker sagen würde, einer der "Big Points", die am kommenden Wochenende beim Großen Preis von San Marino (24.4.) ausgespielt werden. Michael Schumacher wird zwar nicht müde zu betonen, dass die Saison lang ist und 19 Rennen hat, aber wenn Ferrari beim Heimspiel in Imola nicht die Pannenserie beenden kann, wann dann?

Der 4,933 Kilometer lange Kurs am Stadtrand von Imola ist Ferrari-Land, nicht nur weil Maranello nur eineinhalb Autostunden entfernt liegt. Fünf Mal gewannen die Roten in den vergangenen neun Jahren, von den letzten sieben San Marino-GP gewann Reifenpartner Bridgestone immerhin sechs.

Kimi Räikkönen: "Ausgefeilte Abstimmung"

Die Berg- und Tal-Bahn am Fuß des Appenin-Gebirges erfordert wegen ihrer langen Vollgaspassagen einen starken Motor und stabile Bremsen. Für die vier langsamen bis mittelschnellen Schikanen ist hoher Abtrieb erforderlich, auf den schnellen Passagen ist Topspeed gefragt. Für die hohen Randsteine ist ein weiches Fahrwerk mit hoher Bodenfreiheit gefragt, auf den schnellen Passagen und beim Bremsen eher eine straffe Dämpfung. "Hier brauchst du eine sehr ausgefeilte Abstimmung", sagt McLaren-Star Kimi Räikkönen.

McLaren-Mercedes bewies in den vergangenen Jahren, wie man es nicht macht. Die Autos von Adrian Newey taten sich beim Räubern über die Randsteine immer schwer, auch 2005 glänzt der MP4-20 nicht gerade mit großen Federwegen. Geringe Erfolgsaussichten hatte in der jüngeren Geschichte auch Renault. Der Motor war immer zu schwach, um ganz vorn zu fahren. Doch der Renault-Motor zählt 2005 zu den Besten und auch Reifenpartner Michelin macht sich nicht bange: "Imola ist traditionell Ferrari-Land, aber wir sind in dieser Saison ungeschlagen und streben den fünften Michelin-Sieg in Folge an", heißt es aus dem Lager der Franzosen. Giancarlo Fisichella darf sich nach seinem Ausfall in Bahrain zudem über einen neuen, leistungsstärkeren Motor freuen.

Imola kommt Bridgestone mit niedrigen Temperaturen und einem rutschigen Belag entgegen. Das Gripniveau liegt ebenso niedrig wie in Melbourne, der Gummiverschleiß ist gering. Ferrari hat in den vergangenen Wochen so viel getestet wie kein anderes Team - vor allem neue Reifenmischungen.

Kommt BAR-Honda zurück?

Ebenfalls äußerst fleißig war die BAR-Mannschaft. Die Vizeweltmeister waren bisher die Enttäuschung dieser Saison: null Punkte in drei Rennen. BAR-Honda geht mit einer modifizierten Aerodynamik an den Start. Zumindest bei den Tests konnte das Team überzeugen. Jenson Button brach in Barcelona den inoffiziellen Rundenrekord.

Mit Vitantonio Liuzzi (für Christian Klien) bei Red Bull und Alexander Wurz (statt Juan Pablo Montoya) bei McLaren tauchen zwei frische Gesichter auf. Die leicht angeschlagenen Williams-Männer Mark Webber und Nick Heidfeld sind wieder fit und rechnen sich dank starkem BMW-Motor und ergiebigen Tests ebenso wie Toyota einiges aus. Seine Premiere erlebt der neue Minadi PS05, Sauber-Pilot Jacques Villeneuve dagegen muss sich anstrengen, dass Imola nicht sein Abgesang wird.

Übrigens: San Marino ist 60 Quadratkilometer klein, liegt auf einem Berg, eine halbe Autostunde südlich von Imola. Der Zwergstaat mit knapp 30.000 Einwohnern ist die älteste existierende Republik der Welt und gab dem Rennen ihren Namen, weil das Concorde-Abkommen jedem Land höchstens einen Großen Preis zugesteht (siehe GP Europa auf dem Nürburgring).

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