Red Bull - Diffusor - F1-Test - Barcelona - 2020 Stefan Baldauf
Start - Formel 1 - GP Spanien 2019
Lewis Hamilton - Formel 1 - GP Spanien 2019
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Vorschau GP Spanien

Red Bull will nachlegen

In Barcelona steigt am Wochenende der sechste WM-Lauf der Saison. Mercedes ist Favorit, doch Red Bull will die Silberpfeile ein weiteres Mal stürzen. Die Reifen könnten über Sieg und Niederlage bestimmen. In unserer Vorschau haben wir die letzten Infos zum GP Spanien.

Normalerweise fährt die Formel 1 im Winter ihre Testfahrten in Barcelona, und im Mai den Grand Prix. Doch in dieser Saison ist nichts normal. Corona hat den Rennkalender durcheinandergewürfelt und dazu geführt, dass die Formel 1 das Rennen in den August verlegte. Und das dürfte den Grand Prix zu einer Hitzeschlacht machen.

Die Wetterexperten versprechen für den sechsten Saisonlauf Temperaturen von fast 30 Grad. Reifenlieferant Pirelli geht davon aus, dass es "das für die Reifen anspruchsvollste Rennen sein wird, das wir auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya bislang gesehen haben". Red Bull dürfte das gerne hören.

Max Verstappen war in Silverstone der König des Reifenmanagements, während die favorisierten Mercedes die Reifen überstrapazierten. Daraufhin mussten Lewis Hamilton und Valtteri Bottas massiv Tempo herausnehmen – und Red Bulls Wunderknabe feierte seinen ersten Saisonsieg. Eine Wiederholung ist nicht ausgeschlossen. "Wir haben gesehen, dass Mercedes verwundbar ist, wenn wir sie unter Druck setzen", meint Red Bulls Teamchef Christian Horner. Doch die Vergangenheit lehrte uns: Wenn ein Team innerhalb kurzer Zeit Probleme lösen kann, dann Mercedes.

Es würde schon einem Wunder gleichkommen, wenn der WM-Führende nicht wieder das schnellste Auto hätte. Zumindest auf eine Runde. In der Qualifikation sollte die erste Startreihe gebucht sein für Mercedes. Im Rennen werden die Reifen vorgeben, ob die schwarzen Autos ihren Abtriebsvorteil tatsächlich ausspielen können. Überholen ist in Barcelona traditionell schwer.

Die Strecke – Circuit de Barcelona-Catalunya

Es lauern keine großen Überaschungen auf die Ingenieure und die Fahrer. Sie kennen alle Kurven aus dem Effeff. Das 4,655 Kilometer lange Asphaltband bietet eine gute Mischung aus verschiedenen Elementen. Deshalb wird der Kurs auch als idealer Gradmesser für die Leistungsfähigkeit eines Autos angesehen. Wer hier schnell ist, sollte auch auf anderen Strecken gut aussehen.

Schnelle Kurven mit hohen Fliehkräften wechseln sich in Barcelona mit langsamen Ecken ab. Vor allem Allrounder sind hier gefragt. Trotz zweier DRS-Zonen und der mehr als einen Kilometer langen Gerade, ist das Überholen traditionell sehr schwierig. Grand Prix-Rennen in Barcelona gehören normalerweise nicht zu den Action-Festen im Kalender.

Besonders interessant geht es aber immer am Start zur Sache. Der Sprint in die erste Kurve ist einer der längsten in der ganzen Saison. Trotz der langen Anfahrt zu Turn 1 kamen die Rennsieger in der Mehrzahl aber aus der ersten Startreihe. Was unterstreicht, wie wichtig die Qualifikation in Barcelona ist. Hinterherfahren ist in den langgezogenen Kurven eine Kunst wegen schwerer Luftverwirbelungen.

Fast Facts zum GP Spanien:

  • Rundenlänge: 4,655 km
  • Rundenzahl: 66
  • Renndistanz: 307,1 km
  • Rundenrekord (Rennen): 1:18.441 Min. (Daniel Ricciardo 2018)
  • Pole-Zeit Qualifying 2019: 1:15.406 Min. (Valtteri Bottas)
  • Distanz von Pole Position bis Kurve 1: 612,5 m
  • Boxengassen-Durchfahrtszeit: 16,6 Sekunden (368,2 m)
  • Top-Speed: 338 km/h
  • Spritverbrauch: mittel
  • Reifenverschleiß: mittel bis hoch
  • Reifensorten: C1, C2, C3
  • Bremsbelastung: niedrig
  • DRS-Zonen: 2 – Zielgerade / Gerade zwischen T9 & T10
  • Safety-Car-Wahrscheinlichkeit (letzte 5 Jahre): 60 Prozent
Pirelli - GP Spanien 2020
Pirelli
Pirelli liefert für den GP Spanien die härtesten Reifenmischungen.

Das Setup

Seit 1991 ist Barcelona fester Bestandteil des Kalenders. Die Techniker kennen die Tücken der Strecke in- und auswendig. Nur die wechselnden Winde können ab und zu für Überraschungen sorgen. Die Flügel müssen auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya sehr steil gestellt werden, um genügend Abtrieb und Stabilität für die schnellen Kurvenkombinationen zu bieten. Im Schluss-Sektor mit der langsamen Schikane kommt es vor allem auf Traktion an. Die Federn sollten deshalb auf der Hinterachse etwas weicher gewählt werden.

Bremsenverschleiß ist kein Thema. Auch die Motoren werden nicht übermäßig belastet. Es sei denn, es wird tatsächlich so heiß wie angekündigt. Ein Spannungsfaktor im Rennen war hier immer der Reifenverschleiß.

Technik-Upgrades

Ferrari setzt bei Sebastian Vettel ein neues Chassis ein. "Wir haben einen kleinen Riss entdeckt, der durch einen heftigen Schlag auf einem Randstein entstanden ist", erklärt Ferraris Chassis-Direktor Simone Resta. Und schiebt hinterher: "Es hätte keine großen Auswirkungen auf die Performance gehabt, aber es war eine logische Entscheidung." Damit meint Resta die Sicherheit.

Es ist das Finale des zweiten Triple-Headers der Saison. Deshalb sind große Upgrades kaum zu erwarten, kleine Änderungen an den Autos aber schon. Die Teams werden sich in den Trainings vor allem darauf konzentrieren, die wichtigen Reifenfragen zu klären. Auf welchem Reifentyp müssen wir uns für das Rennen qualifizieren, um die bestmögliche Performance im ersten Stint zu haben? Wie lange hält welche Reifenmischung durch? Wie steht es um Abnutzung, Überhitzung, Blasenbildung oder Graining?

Pirelli hat den angedachten Test mit Reifenprototypen für 2021, der eigentlich für die ersten halbe Stunde des zweiten Trainings angedacht war, ein weiteres Mal verschoben. Das gibt den Teams mehr Zeit, sich auf die Reifenmischungen C1 bis C3 einzustellen, und die Autos feinzutunen.

Sie werden sie brauchen. Zwar kennen die Teams keine Rennstrecke besser als den Circuit de Barcelona-Catalunya, der seit 1991 fest im Kalender verankert ist und als Teststrecke dient. Doch die Bedingungen werden völlig andere sein als noch bei den Testfahrten im Winter.

Valtteri Bottas - Max Verstappen - GP 70 Jahre F1 - Silverstone
Motorsport Images
Red Bull will Mercedes wieder den Sieg streitig machen.

Die Favoriten

Red Bull gewann das zweite Silverstone-Rennen, Mercedes die vier Grands Prix davor. Damit sollte klar sein, dass das Weltmeisterteam auch nach Spanien als der große Favorit reist. Mercedes hatte am vergangenen Wochenende das schnellste Auto in der Qualifikation. Eine Sekunde schneller als Red Bull. Im Renntrimm sind die Silberpfeile für gewöhnlich eine halbe Sekunde schneller. Es sei denn, die Bedingungen zwingen sie, drastisch zu verlangsamen – wie im Jubiläumsrennen der Formel 1.

Die Reifen sollten Mercedes in Barcelona entgegenkommen. Pirelli liefert die härtesten Mischungen (C1, C2, C3) aus dem Sortiment. Die sind resistenter gegen Verschleiß und Überhitzung. Außerdem werden die Reifen nicht ganz so aufgeblasen sein, wie noch letzte Woche. Pirelli schreibt an der Vorderachse einen Mindestluftdruck von 23 PSI vor. Hinten sind es 20,5 PSI. Zum Vergleich: In Silverstone betrug der Luftdruck 27 PSI vorn und 20,5 PSI hinten.

Die Mercedes-Fahrer hoffen, dass das Reifenbild und damit das Kräfteverhältnis mehr dem ähneln wird wie im ersten Silverstone-Rennen. Und da dominierten Valtteri Bottas und Lewis Hamilton, bis zu ihren Reifenschäden. Max Verstappen macht sich trotzdem Hoffnung: "Keiner weiß, wie die Reifen in Barcelona auf die Hitze reagieren werden."

Mercedes ging nach der Niederlage in Klausur. Innerhalb weniger Tage mussten in der Fabrik in Brackley Lösungen für die Reifenprobleme gefunden werden. Teamchef Toto Wolff kündigte bereits am Rennsonntag von Silverstone nach den Plätzen zwei und drei an: "Wir nehmen die neue Herausforderung an. In der Vergangenheit haben uns die schlechten Tage zu einem besseren Team gemacht. Wir werden Lösungen erarbeiten, unsere Fahrer in den Simulator stecken und dann am Trainingsfreitag den Abgleich machen. Wir haben das Auto mit dem meisten Abtrieb, was die Reifen belastet. Wir müssen um diese Probleme herumarbeiten."

Der Circuit de Barcelona geht vor allem auf den linken Vorderreifen, was an den Highspeed-Passagen von Kurve drei und neun liegt, quält aber auch die Hinterreifen. Dafür sorgen die eher langsamen Ecken im letzten Abschnitt, wo Traktion gefordert ist. Und das geht auf die Hinterreifen. 2019 wechselten mit einer Ausnahme – Nico Hülkenberg im Renault – alle Fahrer zweimal die Reifen. Das war aber ein Zweistopprennen nach dem Geschmack von Mercedes.

Hinter den beiden Topteams werden sich Ferrari, Racing Point, Renault und McLaren um die Positionen balgen. Motorleistung ist in Barcelona nicht ein ganz so entscheidender Faktor wie zuletzt in Silverstone, trotz der langen Zielgerade. Das wird Ferrari helfen. Andererseits war Racing Point in Ungarn das drittschnellste Team. Und auf dem Hungaroring zählte wie in Barcelona maximaler Abtrieb. Red Bull wird in der Qualifikation aufpassen müssen, das keines der Mittelfeldteams durchrutscht. Das ist bislang die Schwachstelle des RB16. McLaren wird den erhöhten Reifenverschleiß im Vergleich zur Konkurrenz in Griff bekommen müssen. Renault endlich sowohl am Samstag als auch Sonntag gleichermaßen abliefern müssen. Schwankungen sind Gift im dichtgedrängten Mittelfeld.

So lief das Rennen im Vorjahr – GP Spanien 2019

Es war ein Spaziergang für Mercedes, das die Konkurrenz in der Qualifikation um acht Zehntel abhängte. Bottas dominierte den Samstag, Hamilton dafür den Sonntag. Der Weltmeister überrumpelte den Teamkollegen am Start und war danach nicht mehr zu halten. Es war sein vierter Sieg in Spanien, und der fünfte in den letzten sechs Grand Prix für Mercedes auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya.

Nur einmal wurde der Seriensieger in Barcelona gestoppt. Beziehungsweise kegelte sich selbst aus dem Rennen. Hamilton kollidierte 2016 mit Nico Rosberg – und Verstappen gewann seinen ersten Grand Prix überhaupt. Im Vorjahr belegte Red Bulls Sperrspitze den dritten Rang.

Verstappen profitierte von einem misslungen Angriff Sebastian Vettels auf Bottas, den der Heppenheimer mit einem Bremsplatten bezahlte. Ferrari stand sich selbst im Weg. Erst wurde Vettel zu spät aufgefordert, mit seinem angeschlagenen Reifensatz Platz für den Teamkollegen zu machen. Dann verschlief Ferrari später im Rennen ein weiteres Mal, die Positionen rechtzeitig zu tauschen. Vettel hing mit frischeren Reifen hinter Leclerc. So verpasste die Scuderia das Podest. Vettel wurde Vierter, Leclerc Fünfter.

Haas erlebte einen der wenigen Lichtblicke 2019: Kevin Magnussen raste hinter Pierre Gasly im zweiten Red Bull auf den siebten Platz. Romain Grosjean sammelte als Zehnter wenigstens einen Punkt. Dazwischen landeten Carlos Sainz und Daniil Kvyat.

In der Galerie zeigen wir Ihnen noch einmal die Highlights des GP Spanien 2019.

Zeitplan GP Spanien 2020

Zeitplan GP Spanien 2019

Sitzung Start (MEZ)
Freies Training 1 1. Training – Fr. 10. Mai – 11.00 Uhr
Freies Training 2 2. Training – Fr. 10. Mai – 15.00 Uhr
Freies Training 3 3. Training – Sa. 11. Mai – 12.00 Uhr
Qualifying Qualifying – Sa. 11. Mai – 15.00 Uhr
Rennen Rennen – So. 12. Mai – 15.10 Uhr
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