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Technik-Trick im Visier

FIA verbietet Vorheizen des Fahrwerks

Die FIA hat schon beim GP Aserbaidschan das Vorheizen der hydraulischen Stellglieder des Fahrwerks verboten. Fünf Formel 1 Teams sollen den cleveren Technik-Trick bis dahin genutzt haben – darunter auch Mercedes. Wir erklären die Details.

Offiziell behandeln sich Mercedes, Ferrari und Red Bull mit Respekt. Hinter den Kulissen verdächtigt aber der eine den anderen. Immer in der Angst, der Gegner könnte sich einen technischen Vorteil verschaffen oder in den Grauzonen des Reglements wildern. Es begann mit dem Fahrwerksstreit im Winter. Ferraris Lobbyarbeit führte dazu, dass die FIA den hydraulisch vernetzten Aufhängungen von Mercedes und Red Bull strenge Grenzen setzten. Damit waren sie wirkungslos.

Red Bull verdächtigte zudem Mercedes, in den Qualifikationsrunden Öl ins Benzin zu mischen, um auf diesem Weg unerlaubte Additive für eine effizientere Verbrennung in den Brennraum zu bringen. Der Schuss verfehlte sein Ziel. Offenbar hat nicht Mercedes getrickst, sondern Ferrari. Die FIA verschärfte nach einer Stichprobe in Montreal ihre Direktive. Beweise dafür, dass Ferrari den Technikkommissaren ins Netz ging, gibt es nicht. Die FIA stellt sich bei diesem Thema stumm.

Fünf Teams haben hydraulische Fahrwerke

Jetzt geht das Spiel weiter. Ferrari vermutete zuletzt, dass Mercedes seine Reifenprobleme mit einem Rückgriff auf die verbotene Aufhängung von 2016 gelöst hat. Doch davon lassen die Techniker aus Brackley die Finger. Selbst wenn sich die Technik im legalen Bereich bewegt, drohen Strafen. Das System ist so kompliziert, dass man die Sportkommissare im Zweifel nie davon überzeigen könnte.

Mercedes - GP Spanien 2017
Wilhelm
Einige Teams heizen ihre Aufhängungsteile in der Box auf, um die Eigenschaften der Dämpfung zu verändern.

Stattdessen kamen die Techniker auf eine neue Idee, um die hydraulischen Fahrwerke zu manipulieren. Fünf Teams haben an der Hinterachse nicht mehr klassische Dämpfer und Stabilisatoren, sondern hydraulische Stellglieder, mit denen die Auf-und Ab-Bewegungen des Autos und dessen Rollverhalten kontrolliert werden. Sie sind zumeist im Getriebegehäuse versteckt und damit für die Außenwelt unsichtbar. Bei den Teams soll es sich um Mercedes, Force India Red Bull, Toro Rosso und McLaren handeln.

Stichproben und Hinweise der Konkurrenz ergaben, dass alle oder fast alle der Teams mit hydraulischen Aufhängungen das Öl in den hydraulischen Stellgliedern vorgewärmt haben. Auch unter Parc fermé-Bedingungen am Sonntagmittag in der Garage. Damit ändern sich die Eigenschaften des Öls. Zweck der Übung war es, entweder die Fahrwerkscharakteristik für das Rennen zu manipulieren oder die Bodenfreiheit schon beim Start des Rennens auf den gewünschten Stand zu bringen.

Bodenfreiheit abhängig von Öltemperatur

Force India war eines der Teams, das seine Hydraulikelemente in der Garage mit Heißluft vorgeheizt hatte, um das Hydrauliköl auf die Temperatur zu bringen, die es später im Fahrbetrieb erreicht. Technikchef Andy Green bestreitet die Praxis nicht: „Bei uns ging es darum, die Temperatur des Hydrauliköls und damit die Bodenfreiheit konstant zu halten. Bei kaltem Öl liegt das Fahrzeug tiefer als bei heißem. Weil sich das Öl im Fahrbetrieb erwärmt, musst du genau vorausberechnen, wie du die Bodenfreiheit im Stand einstellst, damit später der gewünschte Bodenabstand erreicht wird.“

Mercedes - Parc Fermé - GP Spanien 2017
Wilhelm
Im Parc Fermé zwischen Qualifying und Rennen darf das Auto technisch nicht verändert werden.

Die FIA erklärte in Baku allen betroffenen Teams, dass externes Vorwärmen von Fahrwerkskomponenten verboten ist. Unter „extern“ versteht man Heizanlagen, die an Fahrwerkskomponenten angeschlossen werden. Das verletzt die Parce fermé-Regeln. Es ist ein gewollter Eingriff in das Fahrwerks-Setup. So als würde man andere Dämpfer oder Stabilisatoren einbauen. Nach dem GP Aserbaidschan wurde den Technikchefs noch einmal eingeschärft, dass Vorheizen nicht mehr geduldet wird. Green stöhnt: „Ohne Vorheizen müssen die Fahrer in den Runden auf den Startplatz richtig hart fahren, damit sich das Hydrauliköl schnell erwärmt. Erst dann können sie spüren, ob die Balance des Autos wirklich passt.“

Hat damit die Trickserei ein Ende? Nicht ganz. Es gibt Kunstgriffe, die man nicht verbieten kann. Mercedes soll die Hydraulikstellglieder so geschickt im Getriebegehäuse platziert haben, dass sie sich quasi „zufällig“ aufheizen. Man vermutet, dass Getriebeölleitungen an den Aktuatoren vorbei oder durch sie hindurchlaufen. Die Hitzeabstrahlung beinfluss so die Viskosität des Hydrauliköls. Das Vorheizen wäre dadurch einfach, weil jedes Team das Getriebe im Stand durchschalten kann, so oft und so lange man will. Dabei erhitzt sich auch das Getriebeöl und die jeweilige Umgebung.

Keine Handhabe gegen zufälliges Aufheizen

Ein FIA-Mann bestätigte gegenüber auto motor und sport, dass eine solche Praxis nicht strafbar wäre: „Wir können niemandem vorschreiben, wo er seine Aufhängungskomponenten hin baut und was sich in deren Umfeld befindet. Theoretisch könnte auch einer einen Auspuffkrümmer zum Aufheizen zweckentfremden. Wir können nur einschreiten, wenn das Aufwärmen auf unnatürlichem Weg passiert.“

Mercedes - GP Österreich 2017 - Spielberg - Formel 1 - Donnerstag - 6.7.2017
ams
Von außen ist nichts zu sehen. Doch mit dem Trick lässt sich die Bodenfreiheit verändern und die Härte der Dämpfung.

Die Konkurrenz wurde hellhörig, nachdem Mercedes seine Reifenprobleme immer besser in den Griff bekommt und nach der Pleite in Monte Carlo von „neuen Werkzeugen“ sprach, die bei der Bewältigung des Reifenrätsels helfen sollten. Seitdem sind die Schwankungen zwischen Training und Rennen und den einzelnen Reifentypen nicht mehr so groß. Wer auf einem schlauen Weg die Charakteristik der hydraulischen Dämpfer und Stabilisatoren zwischen Training und Rennen ändern kann, würde die Reifen je nach Aufgabe immer perfekt nutzen. Die Verschwörungstheoretiker glauben, dass das Fahrwerk für die schnelle Runde im Training auf hart getrimmt wird, im Rennen eher Richtung weich. Um die Reifen zu schonen.

Es gibt nur eine Möglichkeit, diese Grauzone aus der Welt zu schaffen. Man verbietet hydraulische Aufhängungen. Das ginge für 2018 nur mit Einstimmigkeit. Doch für 2019 steht es bereits auf der Agenda.

In der Galerie zeigen wir Ihnen die genialsten Tricks der F1-Geschichte.

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