Esteban Ocon & Sergio Perez - Force India - GP Italien - Monza - Formel 1 - 31. August 2017 sutton-images.com
Ferrari - GP Italien - Monza - Formel 1 - 31. August 2017
Sebastian Vettel - Ferrari - GP Italien - Monza - Formel 1 - 31. August 2017
Sebastian Vettel - Ferrari - GP Italien - Monza - Formel 1 - 31. August 2017
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Waffenstillstand auf Zeit bei Force India

Perez und Ocon in der Probezeit

Force India hat reagiert. Nachdem sich Sergio Perez und Esteban Ocon in Spa zum wiederholten Mal ins Auto gefahren sind, zieht Force India die Daumenschrauben an. Das Team bestimmt, was auf der Strecke passiert. Bis Platz 4 unter Dach und Fach ist.

Der Vorsprung auf Williams beträgt 58 Punkte. Zu Renault sind es 63 Zähler. Eigentlich müssten die Verantwortlichen bei Force India ruhig schlafen können. Es erscheint höchst unwahrscheinlich, dass ihnen die Gegner noch den vierten Platz in der Konstrukteurs-WM streitig machen. Teammanager Andy Stevenson warnt trotzdem. „So etwas ist schnell passiert. Zwei, drei schlechte Rennen von uns, und schon sind sie da.“

Schlechte Rennen wie Spa. Eigentlich lief der GP Belgien bis zur 29. Runde gar nicht so schlecht für das Team aus Silverstone. Sergio Perez und Esteban Ocon waren auf dem Weg zu 10 WM-Punkten. Damit hätte man trotz Platz 6 für Nico Hülkenberg weiteren Boden zwischen sich und die direkten Gegner gelegt. Doch dann passierte es wieder. Wie in Baku, wie in Budapest, wie in der Startrunde. Perez und Ocon fuhren sich ins Auto.

Perez und Ocon zeigen Einsicht: Team geht vor Fahrer

Die Lunte war schon in der Startrunde gelegt worden. Da hätte Perez seinen Teamkollegen fast in den Himmel geschickt. Der Force India von Ocon blieb nur am Boden, weil er mit der rechten Seite gleichzeitig die Boxenmauer streifte. Perez übernahm gleich nach dem Rennen die Verantwortung für diesen Zwischenfall. „Ich habe Esteban nicht gesehen.“

Sergio Perez - GP Belgien 2017
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Als das Team später den schlechter platzierten Perez zuerst an die Box holte, um eine Fünfsekunden-Strafe abzudienen und Ocon nach seinem eigenen Boxenstopp hinter den Stallrivalen fiel, da brannten bei dem Franzosen die Sicherungen durch. Beim Versuch, Perez auf der alten Zielgerade zu überholen, fuhr sich Ocon den linken Frontflügel am rechten Hinterrad des Teamkollegen ab. Perez hatte auf der Geraden die Spur gewechselt und so seinen Gegner in Bedrängnis gebracht.

Der Mexikaner gab in Spa noch Ocon die Schuld. „Er hätte ja bis zur langen Geraden warten und mich dort ohne Risiko überholen können.“ Hätte er nicht, entgegnen die Ingenieure. Perez hätte sich auf der Kemmel-Geraden mit DRS geschützt. Er lag im Windschatten von Felipe Massa. Ocon wusste das natürlich und wollte so schnell wie möglich vorbei. Inzwischen hat Perez seine Meinung geändert und auch für diese Szene eine Mitschuld eingeräumt. Und Ocon sah ein, dass es nicht hilfreich war, Perez via Twitter vorzuwerfen, er habe ihn umbringen wollen. Das hatte Potenzial, den Graben zwischen den beiden Fahrern noch größer zu machen.

Mit etwas Abstand zeigten die Force India Einsicht. „Wir kämpfen um jedes Zehntel, aber fahren auch für das Team. Und das Team verdient es, dass wir uns wie Profis verhalten. Wir haben uns mehrmals berührt, und das war nicht richtig“, bilanziert Ocon.

So sehen die neuen Spielregeln aus

Force India verlor durch die Kollision in Spa acht Punkte. Da war Schluss mit lustig im lockersten Team der Formel 1. Perez und Ocon wurde gleich beim Briefing nach dem Rennen die Leviten gelesen. Und sie bekamen am Donnerstag vor dem GP Italien die neuen Spielregeln präsentiert. Ab sofort entscheidet das Team, was auf der Strecke passiert.

Sollten die beiden Force India-Piloten direkt hintereinanderliegen, werden sie sich an die Anweisungen des Kommandostands halten müssen. Die dann je nach Strategie, Reifenzustand, Rennspeed entweder Positionen halten oder Überholen heißen. „Diese Kommandos sind nicht verhandelbar. Was am Funk gesagt wird, ist ein Befehl.“

Schon vorher hatten sich die zwei Streithähne ganz ohne Zeugen im Ruheraum von Ocon im Force India-Motorhome zu einer Aussprache getroffen. „Ich bin zu Esteban und habe ihm gesagt, dass wir das Kriegsbeil begraben sollten. Es bringt nichts, alle Szenen noch einmal durchzukauen. Jeder hat seine eigene Meinung dazu. Wir, das Team, die Fans.“ Vorschlag des Älteren: „Lass uns vergessen, was passiert ist. Fangen wir neu an. Wir können nicht weiter Punkte für das Team verschenken.“

Die Stallorder erzeugt bei den Fahrern keine Jubelstürme, doch sie akzeptieren sie. „Wir haben unsere Fehler eingesehen und sind reif genug, das selbst zu regeln. Aber es wenn es dem Team hilft, dann werden wir die Instruktionen befolgen.“ Ocon nickte dazu und ergänzte: „Wenn wir im Team das Vertrauen in uns zurückgewinnen, dürfen wir auch wieder frei fahren.“ Das Team bestätigt: Der Waffenstillstand gilt solange, bis Force India keine Angst mehr haben muss, das Rennen um Platz 4 zu verlieren. Und unter der Voraussetzung, dass sich die Fahrer an die Vereinbarungen halten.

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