Mercedes - GP England 2017 Wilhelm
Mercedes - GP England 2017
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Ferrari - GP England 2017 21 Bilder

Warum war Mercedes in Silverstone so schnell?

Perfektes Terrain für Silberpfeil

Mercedes zerstörte in Silverstone die Konkurrenz. Ferrari war weit, Red Bull meilenweit weg. Ohne dass Mercedes ein Upgrade gebracht hätte. Was war das Geheimnis?

Lewis Hamilton spielte in Silverstone mit seinen Gegnern. Sein Vorsprung im Training auf Ferrari betrug 0,547 Sekunden. Auf Red Bull waren es 1,430 Sekunden. Im Rennen muss man beim Vergleich die letzten 3 Runden rausnehmen, weil da Kimi Räikkönen, Sebastian Vettel und Max Verstappen mit frischen Supersoft-Reifen unterwegs waren. Unter dieser Prämisse sieht es bitterböse für die Mercedes-Konkurrenz aus. Ferrari fehlen in der schnellsten Rennrunde 0,896 Sekunden, Red Bull 1,526 Sekunden.

Der Vorsprung vor den Reifenschäden lag bei 12,879 Sekunden auf den schnelleren der beiden Ferrari und bei 42,443 Sekunden auf den besser platzierten Red Bull. Macht ein Plus von 0,268 Sekunden pro Runde auf Ferrari und 0,884 Sekunden auf Red Bull.

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Woher kam der große Klassenunterschied? Nur eine Woche davor in Spielberg hatte Mercedes im Training nur einen Vorsprung von 42 Tausendstel auf Ferrari und 645 Tausendstel auf Red Bull. Ähnlich eng ging es im Rennen zu. Hamilton schnellste Rennrunde war nur um 0,031 Sekunden besser als die von Daniel Ricciardo und um 0,075 Sekunden als die von Kimi Räikkönen. Vettel kam in Spielberg 0,658 Sekunden hinter Valtteri Bottas ins Ziel. Durchschnittlicher Rückstand bei 71 Runden: 0,009 Sekunden. Also vernachlässigbar. Ricciardo fehlten im Ziel 6,012 Sekunden, was sich auf ein durchschnittliches Delta von 0,084 Sekunden beläuft.

Mercedes killt Gegner in Sektor 2

Was ist zwischen Spielberg und Silverstone passiert? Eigentlich nichts. Weder Mercedes, noch Ferrari und Red Bull hatten sichtbar die Aerodynamik modifiziert. Alle 3 Teams haben jetzt ihren dritten Motor am Start. Nach dem Bekunden von Mercedes, Ferrari und Renault ohne messbaren Leistungsgewinn. Nur Ferrari soll in der Lage sein, im Qualifikationsmodus 10 PS mehr zu mobilisieren.

Trotzdem war Silverstone Mercedes-Land. So wie im letzten Jahr. 2016 betrug der Vorsprung auf die Gegner im Training 1,026 Sekunden. Im Rennen waren es 8,250 Sekunden in der Endabrechnung und 0,465 Sekunden in der schnellsten Rennrunde. Doch 2016 betrug der Vollgas-Anteil in Silverstone noch 66 Prozent. In diesem Jahr kletterte er auf 74 Prozent. „Einige der schnellen Kurven sind zur Gerade geworden“, stellte Sebastian Vettel fest.

Es ist ganz offensichtlich, dass die Strecke von Silverstone auf Mercedes maßgeschneidert ist. Nehmen wir uns die Sektorzeiten und Speed-Messungen in den Qualifikationsrunden auf dem 5,891 Kilometer langen Flugplatzkurs vor. Das Bild ist ziemlich übersichtlich: Mercedes, Mercedes, Mercedes. Überall schnellster vor Ferrari und Red Bull. Im ersten Sektor um 0,175 Sekunden, im zweiten um 1,204 Sekunden und im dritten um 0,079 Sekunden.

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Mercedes machte seine Zeit vor allem im zweiten Sektor.

Der Schlüssel ist also der zweite Abschnitt. Die 35-Sekunden-Sektion beginnt 110 Meter vor dem Scheitelpunkt zu Kurve 6 (Brooklands) und hört 50 Meter hinter Kurve 14 (Chapel) wieder auf. Am Eingang zu dieser Passage ist Mercedes 5 km/h schneller als Ferrari und 9 km/h besser als Red Bull. Aus der Chapel-Kurve beschleunigt Mercedes mit 265,8 km/h, Ferrari mit 264,7 km/h und Red Bull mir 262,0 km/h. Dazwischen liegen 9 Kurven mit folgenden Geschwindigkeiten: 150 – 105 – 240 – 285 – 305 – 300 – 275 – 200 – 260 km/h. Die Passage ist exakt 2.395 Meter lang. Lewis Hamilton brauchte dafür 35,018 Sekunden. Das entspricht einem Schnitt von 246,215 km/h nur für diesen Sektor.

Hohe Reifendrücke helfen Mercedes

In diesem Geschwindigkeitsbereich halten sich Power und Abtrieb die Waage. Die Aerodynamik des Mercedes W08 passt für diese Anforderungen perfekt. Das Auto ist lang und erzeugt dadurch viel Abtrieb über die extra Fläche des Bodens. Es ist wenig angestellt und steht damit wenig im Wind. So muss man mit der Flügelanstellung gar nicht ans Limit gehen. Fazit: Luftwiderstand gut, Abtrieb auch.

Ferrari hat zwar auch Power, muss aber wegen des kürzeren Autos und der stärkeren Anstellung mehr Abtrieb über die Flügel holen. Das gelingt besser als bei Red Bull, wo das Auto noch kürzer ist, die Anstellung noch stärker, und der Motor etwa 30 PS hinterherhinkt. Annähernd gleiche Geschwindigkeiten zu Beginn und am Ende der Hangar-Geraden verraten, dass sich beide Teams schließlich doch für weniger Abtrieb entschieden hatten. Zumindest im Training, wenn der Grip frischer Reifen das erlaubt. Im Rennen kann man vorne immer noch mit der Frontflügeleinstellung korrigieren.

Zu der Theorie passen auch zwei Aussagen. Sebastian Vettel verriet, dass er in Copse Corner 10 km/h auf die Mercedes gewonnen hat. Es hat ihm nichts geholfen. Copse Corner ist inzwischen eine Gerade. Dafür ging in den Kurven unterhalb von 250 km/h zu viel Zeit verloren. Red Bull erlebte die gleiche Bruchlandung. „Je mehr Abtrieb wir draufgaben, umso langsamer wurden wir.“

Ein wichtiger Faktor pro Mercedes kommt noch von den Reifen. In Silverstone kannte Pirelli keinen Pardon. Die Reifendrücke waren mit 22,5 PSI vorne und 20,5 PSI hinten so hoch wie schon lange nicht mehr. Das kommt Mercedes entgegen. Auch bei der Reifenabnutzung. Keiner kam 2015 und 2016 mit hohen Drücken so gut zurecht wie die Silberpfeile. Erst seit sich Pirelli wieder mehr traut, schlägt das Pendel um. In Spielberg beispielsweise lagen sie vorne wie hinten um ein PSI niedriger. Je mehr der Reifen walkt, umso wohler fühlen sich Ferrari und Red Bull.

Motorsport Aktuell Mercedes - GP England 2017 Power Ranking GP England 2017 Mercedes zieht Ferrari davon

So klar war das Bild noch nie.

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