Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - Test - Barcelona - 10. März 2017 Stefan Baldauf
Red Bull - Technik - Nase - Formel 1 - 2017
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Überraschung in Melbourne

Was hat Red Bull in der Hinterhand?

Bei Mercedes ist man überzeugt, dass Red Bull noch lange nicht alles gezeigt hat. Teamchef Christian Horner bestätigt, dass es beim Saisonstart in Melbourne eine Überraschung geben könnte.

War das schon alles bei Red Bull? Die Experten haben von Technik-Guru Adrian Newey das Wunderauto mit dem Super-Trick erwartet. Doch bis jetzt sieht der Red Bull RB13 so normal aus, dass Sebastian Vettel mit seinen ehemaligen Kollegen scherzte: „Habt ihr das 2016er Auto auf breite Reifen gestellt?“ Und Mercedes-Teamchef Toto Wolff spricht sogar von einem Lego-Auto. „Den echten neuen Red Bull sehen wir erst in Melbourne.“

Tatsächlich sieht der RB13 mit Ausnahme der Nase, der Flügel und dem breiten Unterboden so aus, als wäre er der große Bruder seines Vorgängers. Besonders im Bereich des Chassis, der Seitenkästen und der Motorabdeckung lassen sich starke Ähnlichkeiten mit dem RB12 erkennen.

Handschrift von Adrian Newey

Der 2017er Red Bull trägt die typische Handschrift von Adrian Newey. Klare Linien, wenig Schnörkel, wenig Leitbleche. „Das ist unser Stil“, sagt Teamchef Christian Horner. „Wir fahren sehr viel Anstellung und kontrollieren die Verwirbelungen dort, wo sie entstehen.“ Adrian Newey verrät uns, dass er von dieser Philosophie nicht abrücken will. „Weil es so einfacher ist, das Auto zu verstehen.“

Trotzdem ist die Konkurrenz überzeugt, dass Red Bull nicht alles gezeigt hat und die Karten erst beim GP Australien aufdeckt. Wir haben Christian Horner gefragt: Können wir mit einer Überraschung in Melbourne rechnen? Kryptische Antwort: „Sie können damit rechnen, auch wenn sie vielleicht anders ausfällt, als Sie sich das ausmalen.“ Wir interpretieren die Aussage so: Red Bull wird eine spektakuläre Lösung zeigen, die nicht spektakulär aussieht. Das wäre Newey like.

Teamberater Helmut Marko schränkt ein: „Wir bringen etwas Neues, wenn das alte so funktioniert, wie es soll.“ Am siebten Testtage verwirrte sich Red Bull allerdings selbst. Das Auto war im Longrun plötzlich 2 Sekunden langsamer als Ferrari. „Wir lagen irgendwie mit dem Set-up daneben“, rätselte Marko.

Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - Test - Barcelona - 10. März 2017
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Eigentlich muss der Red Bull gar nicht mehr auf die echte Teststrecke.

Rennstrecke im Labor

Doch warum sollte Red Bull das Risiko eingehen, irgendeinen Trick ungetestet beim Saisonstart einzusetzen? Man hätte das Experiment auf den letzten Testtag verlegen können. Doch den Freitag in Melbourne abzuwarten, stiehlt den Gegnern 14 Tage, um einen vermeintlichen Trick zu kopieren. Wenn er überhaupt auf andere Autos übertragbar ist. Gerade beim Mercedes, der mit seiner Komplexität das genaue Gegenteil der Red Bull-Philosophie darstellt.

Red Bull kann sich als einziges Team leisten, neue Teile bis zur letzten Minute zurückzuhalten. Theoretisch müsste das Auto gar nicht mehr auf die Rennstrecke gehen, um Upgrades auszuprobieren. Red Bull hat die Teststrecke ins Labor verlegt. Der 360-Grad-Simulator ist mit dem besten Prüfstand verbunden, den es gibt. Auf dem bewegt sich das komplette Auto so, wie der Fahrer im Simulator fährt. Motor und Getriebe reagieren auf das virtuelle Gaspedal und die Schaltbefehle des Piloten.

Auf die Frage, warum Red Bull überhaupt in Barcelona antritt, antwortet Helmut Marko verschmitzt. „Bei uns im Labor fahren nur wir, aber nicht die Konkurrenz. Wenn wir wissen wollen, wo wir im Vergleich zu denen stehen, müssen wir auf die Rennstrecke.“ Ist der Abstand zur Konkurrenz mit einem Basisauto einmal bestimmt, kann der Rennstall aus Milton Keynes getrost Entwicklungen zurückhalten und im Labor austesten. Ohne das Risiko im Ernstfall auf die Nase zu fallen.

Motor ist die größte Bremse

Die größte Bremse des neuen Red Bull ist im Moment noch der Motor. Er erfüllt nicht die Vorgaben an Renault. Im Vergleich zu Mercedes und Ferrari fehlt Spitzenleistung und Fahrbarkeit. Man hört, dass der Renault V6-Turbo im mittleren Drehzahlbereich den größten Durchhänger hat. „Aus den Kurven raus packt der Mercedes-Motor viel besser an“, heißt es bei den Renault-Kunden.

Renault betrieb seine Antriebseinheit noch mit gebremsten Schaum. Allein da gehen 7 Zehntel verloren. Immer wieder geht etwas kaputt. Am sechsten Testtag wechselte Red Bull zwei Mal den Motor. Die Schwachstelle ist der Antrieb der MGU-K. Einen Tag später erwischte es auch das Werksteam zwei Mal. Ist die Standfestigkeit am Ende der Sargnagel für Red Bull-Renault? Horner beruhigt: „Die Probleme sind ärgerlich, aber nicht beunruhigend. Sie kosteten uns Testzeit. Doch ich bin guter Dinge, dass Renault das in den Griff bekommt.“

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