Was macht Renault?

Noch 12 Token ungenutzt

Renault V6-Turbomotor, Formel 1, 06/2013 Foto: Renault 50 Bilder

Renault hat eine Kaufoption bei Lotus unterschrieben. Renault wird wieder mit Red Bull in Verbindung gebracht. Als Notlösung. Doch ist Renault 2016 überhaupt noch dabei? Bei der Motorentwicklung wurden schwere Fehler gemacht, und Besserung ist nicht in Sicht.

Red Bull und Renault: Geht das überhaupt? Nach all der schmutzigen Wäsche, die da gewaschen wurde? Vertraglich schon. Die Scheidung ist juristisch noch nicht hundertprozentig vollzogen. Für Renault würde eine Fortführung des Liefervertrages an die beiden Teams von Red Bull bekömmliche 50 Millionen Euro in die Kasse spülen. Trotzdem hätte man die Red Bull-Sponsoren Total und Infiniti beim eigenen Werksteam an Bord.

Red Bull-Technikchef Adrian Newey wurde diese Woche mit den Worten zitiert: "Leider ist unsere Beziehung zu Renault so gut wie beendet. Die Scheidung ist bereits zu weit fortgeschritten. Sie müssten ihren Motor verbessern, aber es ist keine klare Richtung zu erkennen, wie sie das erreichen wollen." Genau das ist der Punkt. Renault stagniert technisch. Experten sind sich nicht einmal sicher, ob die Kaufoption für Lotus tatsächlich vollzogen wird.

2015er Motor schlechter als Vorjahresversion

Dann stehen da noch die Egos im Weg. Dietrich Mateschitz und Renault-Konzernchef Carlos Ghosn müssten über den eigenen Schatten springen. Und Red Bull müsste eine weitere Saison ohne echte Siegchancen akzeptieren. Einer der Gründe für die Trennung war, dass Renault technisch keine Perspektiven aufzeigte. Messungen in Montreal haben ergeben: Der diesjährige Motor ist schlechter als die Version von 2014.

Die im Spätsommer 2014 versprochenen sieben Zehntel Zeitgewinn allein vom Motor sind nie auf der Strecke angekommen. Auch weil Renault wegen der vielen Motorschäden zu Saisonbeginn die Leistung reduzieren musste. Auf Mercedes fehlen zwischen 60 und 80 PS. Der Renault V6-Turbo verbraucht mehr Sprit, und er geht häufiger kaputt. Alte Probleme, die längst gelöst schienen, kehrten wieder zurück. Zum Beispiel der Ärger mit den Kolben.

Der Verschleiß an Antriebskomponenten ist enorm. Daniil Kvyat und Max Verstappen sind bereits beim achten Motor, Daniel Ricciardo und Carlos Sainz beim siebten. Vier sind erlaubt. Auch bei den Turboladern und den Elektromaschinen wurde das Kontingent längst überschritten. Interner Spitzenreiter ist Ricciardo mit jeweils 6 Einheiten von Turbolader, MGU-H und MGU-K.

Renault wollte sich aber auch nie richtig helfen lassen. Red Bull hatte für knapp zwei Millionen Euro eine Entwicklungshilfe im Zylinderkopf von Ilmor finanziert, die Renault trotz besserer Resultate kurzfristig ablehnte. Es gab im Sommer die Chance, einen Mercedes-Ingenieur abzuwerben. Sie verstrich ungenutzt.

Zwei Token von Renault beim GP Brasilien?

Von den 12 Entwicklungs-Token, die Renault in diesem Jahr zustanden wurde bis jetzt noch kein einziger eingelöst. Ein Renault-Ingenieur sagte zu auto motor und sport im Sommer: "Es ist nicht eine Frage der Token, sondern der Umsetzung. Wir haben genug Token, aber keine Lösungen."

Der Versuch, 4 Token in eine Ausbaustufe zu investieren, die zuerst in Sochi, dann in Austin debütieren sollte, brachte bislang ernüchternde Erkenntnisse. Kaum Zeitgewinn, Motorplatzer am Prüfstand und bei weitem nicht die Langlebigkeit, die das Triebwerk bräuchte, um die Rennfreigabe zu bekommen. Eine abgespeckte Version soll jetzt in Brasilien Premiere feiern. Angeblich werden dafür zwei Token eingesetzt. Renault prognostiziert einen Fortschritt von 0,15 Sekunden.

Viele im Fahrerlager stellen sich die bange Frage, ob Renault 2016 überhaupt noch dabei ist. Es wird spekuliert, dass Konzernchef Carlos Ghosn trotz der Kaufoption den Stecker zieht. Er könnte zu dem Schluss kommen, dass es nichts bringt, dreistellige Millionensummen zu investieren, wenn den Ingenieuren nichts einfällt. Dann müsste Lotus zurück zu Mercedes. Der neue Lotus E24 wurde für den Mercedes-Motor konzipiert. Die Pläne dafür liegen für alle Fälle weiter in der Schublade.

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