Verstappen vs. Räikkönen - GP Belgien 2016 Red Bull
Carlos Sainz - Formel 1 - GP Belgien 2016
Kimi Räikkönen - Formel 1 - GP Belgien 2016
Mark Webber - Formel 1 - GP Belgien 2016
Verstappen-Fans - Formel 1 - GP Belgien 2016
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Webber kritisiert Verstappen

"Ein Manöver wie Schumacher 2000"

Max Verstappen hat 85.000 Fans nach Spa gebracht. Und er steht nach einem erneuten Zweikampf mit Kimi Räikkönen bei seinen Kollegen in der Kritik. Auch TV-Kommentator Mark Webber bezeichnet das Manöver als unsauber. Die Sportkommissare griffen dennoch nicht ein.

Irgendwie kommt uns das bekannt vor. Da kommt ein Jahrhunderttalent jung, frech, respektlos in die Formel 1 und mischt das Establishment auf. Die Platzhirsche in dem Geschäft keilen zurück, sobald sie merken, dass da einer in ihrem Revier wildert. Das war bei Ayrton Senna, Michael Schumacher und Lewis Hamilton so. Und es wiederholt sich jetzt mit Max Verstappen.

Der 18-jährige Holländer ist schnell, furchtlos und hart im Zweikampf. Manchmal fährt er die Ellbogen ein bisschen zu weit aus. In Spa traf es gleich mehrere Kollegen. Verstappens Spezialfreund Kimi Räikkönen, Sebastian Vettel, Sergio Perez. Alle legten sich mit dem Red Bull-Piloten auf und neben der Rennstrecke an. Der Held der 85.000 Zuschauer wurde im Fahrerlager schnell zum Buhmann.

Verstappen schaut nur in den Rückspiegel

Anstoß war eine Szene in Runde 13 mitten auf der Kemmel-Geraden. Räikkönen griff an, Verstappen verteidigte. Der Ferrari hatte DRS aktiviert, während der Red Bull kurz darauf in den De-Rating Bereich ging und 160 PS verlor. Die Geschwindigkeitsdifferenz betrug rund 20 km/h. Räikkönen war in diesem Moment 355 km/h schnell.

Was dann folgte bezeichnete Räikkönen als „nicht korrekt“, Red Bull-Teamchef Christian Horner als „am Limit“, Mercedes-Teamchef Toto Wolff als „erfrischend aber gefährlich“, Sebastian Vettel als „fragwürdig“ und Verstappen selbst als „aggressiv, aber im Rahmen des Erlaubten“. Verstappen eierte in der Mitte der Straße so lange herum, bis sein Gegner sich für die Innenseite entschied. Dann fuhr der Holländer dem Ferrari-Piloten einfach vor die Nase. Räikkönen musste voll in die Eisen.

TV-Kommentator Mark Webber hat das Manöver genau beobachtet. „Max schaut die ganze Zeit in den Rückspiegel. Er ist nur auf Kimi fixiert und wartet, bis er einen Zug macht. Erst lässt er sich in die Mitte treiben, und als Kimi dann nach rechts zieht, fährt ihm Max vor die Nase. Das ist frech und gefährlich. Mich erinnert die Nummer an das, was Michael Schumacher 2000 in Spa mit Mika Häkkinen gemacht hat.“

Zur Erinnerung: Bevor es zu dem legendären Überholmanöver mit Ricardo Zonta in der Mitte kam, hatte Schumacher den McLaren-Piloten bei 330 km/h in die Wiese gedrängt.

Bei Sportkommissaren regiert lockere Hand

Räikkönen zog es vor zu bremsen. Er hatte Verstappen schon am Hungaroring dafür kritisiert, dass er mit seinen Spurwechseln so lange warte, bis dem Angreifer kaum noch Zeit zum Ausweichen bleibt.

„Früher oder später gibt es einen bösen Unfall“, prophezeit der Finne seinem Intimfeind. Webber warnt: „Die Nummer kann auch für Max übel ausgehen. Wenn Kimi ihn nur leicht am Hinterreifen trifft, biegt er entweder auf eine Seite ob, oder der Reifen explodiert.“

Die Sportkommissare hielten die Füße still. Das stieß im Fahrerlager auf heftige Kritik. Tenor: Es wurden schon Fahrer für viel weniger bestraft. Bei den Sportkommissaren regiert derzeit die lockere Hand. Früher hatten sie zu viel gestraft und dadurch viele Zweikämpfe abgewürgt. Jetzt lassen sie fast alles durchgehen und riskieren dabei, dass es zu gefährlichen Szenen kommt.

Das fragwürdige Manöver in Runde 13 war im Raum der Kommissare Gerd Ennser, Felipe Giaffone, Yves Bacquelaine und Danny Sullivan gar kein Thema. Eher schon die Aktion die Runde danach, als Verstappen ausgangs Eau Rouge erst nach rechts und dann vor Les Combes nach links zieht. Eine Stimme aus der Rennleitung: „Der erste Spurwechsel war zur Verteidigung, der zweite, um auf die Ideallinie zurückzukehren. Das sehen die Regeln so vor.“

War Verstappens Aktion ein Revanchefoul?

Auch mit dem Gerangel zwischen Verstappen und Vettel in den Runden 26 und 27 in den Kurven 8 und 9 hatten die Schiedsrichter kein Problem. „Hartes Fahren, aber im Rahmen der Regeln.“ Interessanterweise hätte es Verstappen fast bei einem anderen Zweikampf erwischt. Ein Duell, das in dem turbulenten Geschehen unterging.

Max Verstappen griff Sergio Perez am Ende der Kemmel-Geraden an und drängte den Mexikaner in die Auslaufzone von Les Combes. Der Force India-Pilot kürzte ab und fädelte sich vor Verstappen wieder ein. Perez blieb mit Bedacht unbehelligt. „Wäre Max vorbeigegangen, hätten wir ihn zurückgepfiffen. Die Aktion von ihm war über der Grenze“, urteilte FIA-Rennleiter Charlie Whiting.

Der Chef der Rennleitung will in Monza trotzdem einmal ein Wort mit dem neuen Buhmann der Formel 1-Gemeinde sprechen. Damit sich die Gemüter abkühlen. Wenn Whiting die Kommentare von Verstappen in der niederländischen Presse liest, wird das Gespräch vielleicht doch nicht so freundlich ausfallen.

Der Bad Boy aus Holland hatte dort auf die Kritik der Ferrari-Piloten harsch reagiert. „Sie sollten sich schämen, mit ihrer ganzen Erfahrung einen Startcrash zu verursachen und dann sich über mich beschweren. Sie sollten verstehen, dass ich nicht happy bin, wenn sie mir das Rennen zerstören. Dann werde ich ihnen nachher auch das Rennen nicht einfach machen.“

„Ich werde nicht zu Kimi sagen: Nach Ihnen bitte, mein Herr. Ohne das, was in der ersten Kurve passiert ist, wäre ich auch nicht so aggressiv gewesen und hätte mich nicht so gegen Kimi verteidigt.“ Das klingt nach Revanchefoul. Und so etwas kann schnell Konsequenzen nach sich ziehen.

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Das war hartes Fahren. Am Limit, aber akzeptabel. Räikkönen muss als Angreifer halt schauen, wo er bleibt.
Das geht gar nicht. Verstappens Revanchefoul war kriminell und gehört noch nachträglich bestraft.
Strafe ist zu viel. Eine Verwarnung tut’s auch. Charlie Whiting soll Max mal die Ohren lang ziehen.
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