Webber zum Kubica-Crash

"Dagegen hatte ich einen Kratzer am Finger"

Mark Webber 2008 Boxen Foto: xpb 66 Bilder

Mark Webber weiß, wie sich Robert Kubica fühlen muss. Der Australier brach sich im November 2009 beim Mountainbikefahren ein Bein und musste sich ebenfalls ins Cockpit zurück kämpfen. Trotzdem will er sich nicht mit dem Renault-Piloten vergleichen.

Robert Kubicas Schicksal ist das Gesprächsthema im Fahrerlager von Jerez. Auch vier Tage nach dem verheerenden Rallyeunfall. Mark Webber kann am besten mitfühlen. Der WM-Dritte brach sich im November 2009 bei einem Sturz vom Mountainbike ein Bein. Und saß zweieinhalb Monate später wieder im Rennauto.

Rennfahrer mit anderem Risikoempfinden

Doch Webber will sich angesichts von Kubicas Verletzungen nicht mit dem Polen auf eine Stufe stellen. "Im Vergleich zu Robert hatte ich einen Kratzer am Finger." Eine Bagatellisierung, die vielleicht etwas übertrieben ist. So simpel war Webbers Beinbruch nun auch wieder nicht. Als Webber nach seinem Frontalaufprall mit einem Auto seinen rechten Fuß anschaute, da stand der auf halber Höhe zwischen Fußgelenk und Knie rechtwinkelig ab und hing nur noch an den Muskeln.

Der Australier macht Kubica keinen Vorwurf. "Es gab in der Vergangenheit Rennfahrer, die sich außerhalb der Rennstrecke verletzt haben, und es wird sie wieder geben. Unser Risikoempfinden ist ein anderes als bei normalen Menschen. Ich fahre heute wieder Mountainbike, obwohl ich damals schwer gestürzt bin. Und passieren kann auch bei ganz ungefährlichen Sportarten etwas. Tom Kristensen hatte sich einmal einen ganz komplizierten Bruch des Fußes zugezogen, als er mit seinem Sohn Badminton spielte. Für Robert war das Rallyefahren ein Lebensinhalt. Ich war letztes Jahr in Monza mit ihm zum Abendessen, und er hat mir 90 Minuten lang mit großen Augen davon erzählt, wie das Gebetbuch erstellt wird."

"Einen solchen Unfall zu überleben ist ein Geschenk"

Für Webber liegt die größte Hürde einer Rekonvaleszenz nicht im physischen Ausheilen der Verletzungen. "Alles, was jetzt auf Robert zukommt, spielt sich zwischen den Schläfen ab. Er sollte dem Schicksal zuerst einmal dankbar sein. Einen solchen Unfall zu überleben, ist schon ein Geschenk Gottes. Er muss jetzt ganz allein für sich entscheiden, ob er wieder ins Rennauto einsteigen will und kann. Wenn es physisch wieder möglich ist, dann wäre das ein großer Bonus."

Webber glaubt an Kubica: "Robert ist ein ganz harter Junge. Wenn es einer schafft, dann er. Auch wenn es brutal schwierig wird. Bei ihm sind die Beine und die Arme betroffen. Aber wie gesagt, jetzt spielt sich alles im Kopf ab. Robert wird mental Höhen und Tiefen haben, weil nach drei guten Tagen Training ein schlechter kommt, wo du dich fragst, ob das alles zum Ziel führt."

Webber: "Rennfahrer sind hyperaktiv"

Wenn Webber dem verletzten Renault-Piloten einen Tipp geben will, dann diesen: "Er muss seine Ungeduld zügeln. Für einen Rennfahrer ist genau das das Schlimmste. Wir sind hyperaktiv, und nichts frustriert uns mehr als stupide Trainingsarbeit zu leisten. Ein Büroangestellter hat kein Problem damit. Er wird nicht versuchen, die Zeit der Heilung abzukürzen. Wir sind es von unserem Beruf gewohnt, dass wir jeden Tag Fortschritte sehen wollen. Robert muss sich die Zeit geben, die es dauert. Er muss einsehen, dass der Faktor Zeit etwas ist, den keiner von uns kontrollieren kann."

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