Sebastian Vettel vs. Mark Webber

Das Nachbeben bei Red Bull

Mark Webber und Sebastian Vettel Foto: Red Bull 23 Bilder

Die Stärke des Nachbebens bei Red Bull zeigte zwei Wochen später in Montreal kaum noch Ausschläge. Nach außen ist die Welt von Sebastian Vettel und Mark Webber wieder in Ordnung. Wie es innen drin aussieht, das bleibt der Interpretation der Betrachter überlassen.

Die Zeit heilt viele Wunden. Bei Red Bull und McLaren versuchte man zehn Tage nach dem turbulenten GP Türkei wieder zur Tagesordnung überzugehen. Nach außen haben sich alle wieder gern. Wer genau hinschaut, hat Zweifel daran. Die Vorfälle von Istanbul haben Spuren hinterlassen. Wie stark, wird man vielleicht erst ein paar Rennen später wissen.

Zunächst der offizielle Teil. Stallorder? "Die gab es und die gibt es bei uns nicht", betont Red Bull-Teamchef Christian Horner. "Wir fordern nur, was wir von unseren Fahrern schon vor dem Rennen in Istanbul verlangt haben: Ihr dürft gegeneinander fahren, aber gebt euch genügend Platz." Eine Stunde habe der Krisengipfel in Milton Keynes gedauert, erzählt der jüngste Teamchef der Formel 1. Am Tisch saßen er selbst, Sebastian Vettel, Mark Webber, Teamberater Helmut Marko und Chefdesigner Adrian Newey. "Es war eine gute Aussprache. Zum Schluss haben wir schon wieder über das Setup für Montreal geredet."

Keine Vorwürfe von Webber an Marko

Nach dem Rennen bestimmten zunächst die Emotionen die Kommentare. Helmut Marko gab sofort Mark Webber die Schuld. Horner blieb lange unentschieden, bis er sich der Meinung des Österreichers anschloss. Webber macht Marko keinen Vorwurf: "Gleich nach dem Rennen lagen nicht alle Fakten auf dem Tisch. Er spricht deutsch, Seb spricht deutsch. Logisch, dass da eine gewisse Verbundenheit vorhanden ist. Marko hat sehr viel für dieses Team getan. Ich bin ihm nicht böse."

Es war Red Bull-Besitzer Dietrich Mateschitz, der am Montag nach dem Rennen ein Machtwort sprach. Das Gerede über Stallregie, zensierte Kommentare, Fußfesseln für die Fahrer, das passte nicht ins Bild von Red Bull, einem Team das sich rühmt, seinen Fahrer freien Lauf zu lassen. Also musste Frieden sein um jeden Preis. Besser beide Fahrer haben Schuld als sich einen Sündenbock rauszupicken.

Mateschitz sorgt für Ruhe bei Red Bull

Mateschitz rief am Montagmorgen den intern in die Kritik geratenen Webber an und versicherte ihm, dass weiter mit offenen Karten gespielt würde. Verbunden mit der Bitte, in Zukunft auf der Strecke zu bleiben. "Es war ein gutes Gespräch", erinnert sich Webber. "Herr Mateschitz war sehr fair und loyal." Seelenmassage für einen, der sich in seiner Haut nicht wohl fühlte. "Ich bin an einem Montagmorgen schon besser aufgewacht", gibt Webber zu. "Mir war klar, was wir dem Team mit unserer Aktion angetan hatten."

Das Wort Fehler nimmt weiterhin keiner der beiden Fahrer in den Mund. "Ich habe kein Problem einen zuzugeben, wenn es einen gäbe", antwortet Vettel einem Engländer, der von ihm eine Entschuldigung einfordert. "Solche Dinge passieren, auch wenn Teamkollegen miteinander kämpfen", räumt der Deutsche ein. "Du hat in einer solchen Situation nicht Stunden Zeit, eine Entscheidung zu treffen. Das alles spielte sich bei 310 km/h ab."

Webber präzisiert: "Die Aktion dauerte von A bis Z sieben Sekunden. Wer will da schon sagen, wer was falsch gemacht hat?" Webber hätte die Geschichte gerne abgehakt. Doch so einfach geht das nicht. Eine Kollision unter Teamkollegen bleibt in den Köpfen der Beteiligten stecken. Egal, was von oben verordnet wird.

Spannung vor dem nächsten Red Bull-Duell

Vettel weiß jetzt, dass er sich auf Webber im Zweikampf nicht unbedingt trauen kann. Sein Stallrivale ist keiner, der seinem Gegner Geschenke macht, nur weil der die gleichen Farben trägt wie er. Er wird das in Zukunft bei einem Angriff mit einkalkulieren und es nur versuchen, wenn er sich absolut sicher sein kann, dass ihm der andere kein faules Ei legen kann.

Webber wird beim nächstens Rad-an-Radkampf nicht mehr die gleiche Härte walten lassen können. Das Team würde ihm eine zweite Kollision nicht verzeihen. "Es ist halt immer eine Gratwanderung, wenn du mit deinem Teamkollegen kämpfst", seufzt der Australier. Eine Sache wundert seinen Widersacher trotzdem, wenn er die Szene rekapituliert. Webber hat nicht ohne eigenes Risiko eine Kollision der beiden auf sich genommen. "Er hätte genauso gut wie ich abfliegen können." Christian Horner schließt sich dieser Ansicht an: "Es war ein Wunder, dass Marks linkes Vorderrad den Anprall überlebt hat."

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