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Valtteri Bottas - Lewis Hamilton - Mercedes - GP Österreich 2020 - Spielberg
Lewis Hamilton - Mercedes - GP Österreich 2020 - Spielberg
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Weltmeister ohne Vertrag: Hamilton wie Senna

Weltmeister ohne Vertrag Hamilton wie Senna

Lewis Hamilton und Mercedes ringen acht Wochen vor dem Saisonstart immer noch um einen Vertrag. Bleibt er drei Jahre, vielleicht nur eines oder legt er eine Pause ein? Hamilton ist nicht der erste Weltmeister, der kurzfristig auf der Straße stand.

Streng genommen ist Lewis Hamilton gerade arbeitslos. Sein alter Vertrag endete am 31. Dezember 2020, und sein neuer ist noch nicht unterschrieben. Wenigstens hat uns Mercedes offiziell noch nichts davon mitgeteilt. Die Uhr tickt. Bis zum Saisonstart sind es noch acht Wochen. Da kann man seiner Phantasie schon mal freien Lauf lassen. Oder sich Gedanken machen, warum ein eigentlich logischer Schritt so lange dauert.

Das Geld spielt sicher eine Rolle. Und die Vertragsdauer auch. 45 Millionen Dollar pro Jahr werden kolportiert. Politisch unkorrekt in schlechten Zeiten. Die einen Quellen sprechen von drei Jahren Vertragslaufzeit, die anderen nur von einem Jahr. Ganz verwegene Zukunftsdeuter sehen Hamilton schon in der selbst gewählten Frühpension oder wenigstens in einem Jahr Denkpause. Eddie Jordan, Brandstifter vom Dienst, gab Mercedes schon mal einen guten Rat: "Ich würde Lewis die Tür zeigen."

Valtteri Bottas - Lewis Hamilton - Mercedes - GP Belgien 2020 - Spa-Francorchamps
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Noch hat Weltmeister Lewis Hamilton keinen neuen Vertrag bei Mercedes unterschrieben.

Vertrag, aber kein Auto

Es hat schon Unterhaltungswert, wenn der beste Rennfahrer unserer Zeit so kurz vor Saisonbeginn noch kein Cockpit hat, und wenn das begehrteste Cockpit der Formel 1 noch nicht vergeben ist. Lewis Hamilton ist aber nicht der erste Weltmeister, der am Ende der abgelaufenen Saison noch nicht mit Brief und Siegel weiß, ob er in der nächsten Saison seinen Titel verteidigen wird. Champions ohne Auto gab es schon oft. Beispiele gefällig?

Alberto Ascari ging 1954 als Doppel-Weltmeister von Ferrari zu Lancia. Doch der Mann mit dem hellblauen Sturzhelm hatte kein Auto. Lancias Waffe gegen Mercedes war eine geniale Konstruktion, aber wie das bei Wunderautos manchmal so ist, auch mit vielen Kinderkrankheiten behaftet. Chefkonstrukteur Vittorio Jano erteilte dem Lancia D50 erst vor dem allerletzten Grand Prix des Jahres 1954 die Rennfreigabe. Den startete Ascari prompt von der Pole Position. Der WM-Titel war da längst an Juan-Manuel Fangio vergeben. Ascari vertrieb sich die Zeit davor mit gelegentlichen Gaststarts für Ferrari und Maserati. Das war damals noch möglich.

Auch der große Fangio befand sich am Ende seiner Karriere im luftleeren Raum. Sein Team Maserati zog sich 1958 aus finanziellen Gründen vom Sport zurück. Nur für Fangio wollte das Werk eine Ausnahme machen. Maserati köderte den Maestro noch einmal mit einem leicht abgespeckten 250F mit verkürztem Radstand.

Der Superstar aus Argentinien war geistig bereits zurückgetreten. "Ich wollte auf dem Höhepunkt meiner Karriere aufhören und nicht wie Tazio Nuvolari enden, der den richtigen Zeitpunkt verpasst hatte. Rennen wurden für mich immer mehr zur Verpflichtung. Ich hatte viel Glück in meiner Karriere, und ich wollte es nicht überstrapazieren", wurde er in zeitgenössischen Berichten zitiert. Nach zwei dezenten Auftritten beim Heimrennen in Buenos Aires und beim GP Frankreich in Reims erklärte Fangio im Alter von 47 Jahren offiziell seinen Rücktritt.

James Hunt - GP Japan 1976
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James Hunt wechselte 1976 zu McLaren und holte den WM-Titel.

Jones ließ sich nicht locken

John Surtees katapultierte sich 1966 selbst aus dem Amt. Nach zwei Rennen kündigte er nach einem Streit mit Rennleiter Eugenio Dragoni. Der Champion von 1964 fand schnell Unterschlupf. Doch der Wechsel zu Cooper-Maserati kostete Surtees womöglich den WM-Titel. James Hunt war bis 1975 nur ein GP-Sieger, stand aber plötzlich auf der Straße, weil sein Rennstall Hesketh zusperren musste. Sein Glück war, dass Emerson Fittipaldi bei McLaren spät im Jahr kündigte, weil er sich dem Formel 1-Projekt seines Bruders anschließen wollte. Das war Hunts Chance. Er nutzte sie und gewann 1976 den Titel.

Alan Jones hatte ein Jahr nach seinem Titelgewinn die Lust verloren. Am Ende der Saison 1981 teilte er Frank Williams mit, dass er für die Folgesaison wahrscheinlich nicht mehr bereit stünde. Sein Teamchef wollte das nicht wahrhaben, hielt das Cockpit offen und legte einen Köder aus. Er bat Jones das Sechsrad-Auto in Donington zu testen, von dem sich Williams Wunderdinge versprach.

Der Australier erinnert sich: "Ich war ein Idiot, dass ich mich überhaupt darauf einließ. Es war ein saukalter Tag, an dem das Fahren keinen Spaß machte. Als ich am Abend im Flugzeug nach Australien saß und mir auf Reiseflughöhe ein erstes Fosters aufmachte, wusste ich, dass ich das Richtige getan hatte."

Bei Teamkollege Carlos Reutemann lief es umgekehrt. Zermürbt von der Teampolitik und der WM-Niederlage 1981 hatte der Argentinier Williams nur eine halbherzige Zusage für 1982 gegeben. Nach zwei Renneinsätzen trat Reutemann zurück. Das Meisterteam brauchte gleich zwei neue Fahrer. Und wurde mit Keke Rosberg trotzdem wieder Weltmeister.

Ayrton Senna - McLaren - GP Monaco 1993
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Ayrton Senna ließ sich jedes Rennen 1993 mit einer Million Dollar vergüten.

Fahrerlaubnis 22 Tage vor Saisonbeginn

Am meisten erinnert Hamiltons Situation aber an Ayrton Senna. Bei dem Brasilianer war zwei Mal bis kurz vor Saisonbeginn nicht klar, ob er antreten würde. 1990 erzwungenermaßen. Senna hatte Ende 1989 FIA-Präsident Jean-Marie Balestre der Parteinahme für dessen Landsmann Alain Prost beschuldigt und ihm vorgeworfen, er hätte ihm den WM-Titel gestohlen. Das ließ Balestre nicht auf sich sitzen. Der gekränkte Franzose verlangte eine öffentliche Entschuldigung. Und Senna wollte sie ihm nicht geben. So stand seine Superlizenz auf dem Spiel.

Sennas Teilnahme an der Weltmeisterschaft entschied sich erst 22 Tage vor Saisonbeginn. McLaren-Chef Ron Dennis schrieb in seiner Not die Fahrerpaarung Gerhard Berger und Jonathan Palmer in die Nennliste. Sieben Stunden vor Ablauf der Entschuldigungsfrist traf Sennas Abbitte endlich in Paris ein. Balestre stellte seinem Widersacher mit einem gönnerhaften Kommentar die Lizenz aus. Senna zahlte es ihm auf der Rennstrecke heim. Er gewann den Saisonauftakt in Phoenix.

Sennas heißester Vertrag

Drei Jahre später war Senna verschwunden. Abgetaucht in seinem Winterdomizil Angra dos Reis. Der Brasilianer befand sich wie Hamilton jetzt in einem vertragslosen Zustand. Senna zweifelte, ob McLaren mit einem Ford-Kundenmotor in der Lage war, Williams-Renault technisch die Stirn zu bieten. Und er stritt sich mit seinem Teamchef ums Geld. Dennis hatte dem 20-Millionen-Dollar-Mann für 1993 nur sechs Millionen geboten, weil Hauptsponsor Marlboro drastisch die Mittel gekürzt hatte. Senna beharrte auf einer Million pro Start. Macht 16 Millionen bei 16 Rennen.

Weil bis zum Saisonbeginn kein Vertrag zustande kam, einigte man sich auf ein Abkommen Rennen pro Rennen. Senna trieb seinen Chef bis zur Weißglut, weil er Sao Paulo immer erst verließ, wenn die Bankbürgschaft über die geforderte Million eingetroffen war. Beim achten Rennen in Frankreich war Senna ohne die Zusage angereist. McLaren machte auch keine Anstalten zu zahlen. Das Training ging los, und der dreifache Champion stand regungslos neben seinem Auto. Das war der Moment, an dem der Tabaksponsor den gordischen Knoten löste. Senna bekam für den Rest der Saison die gewünschte Gage, und das Katz- und Mausspiel hatte ein Ende.

Auch Alain Prost trieb es einmal auf die Spitze. Ferrari hatte sich Ende 1991 von seinem Chauffeur wegen geschäftsschädigender Kritik getrennt. Da waren alle Cockpits in guten Teams längst vergeben. Ligier sah die Chance mit Prost ein französisches Superteam aufzubauen. Prost zögerte. Er wollte das neue Auto erst fahren, dann entscheiden. Nach einem Test in Paul Ricard sagte der vierfache Weltmeister ab. Ein Jahr Pause war die bessere Option als in einem nicht konkurrenzfähigen Ligier hinterherzufahren.

Jenson Button - BrawnGP 001 - GP Singapur 2009
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Jenson Button gewann auf BrawnGP die Weltmeisterschaft 2009 und ging danach zu McLaren.

Alonso und Button kurzfristig arbeitslos

Fernando Alonso dagegen fehlte diese Konsequenz Ende 2007. McLaren hatte den Spanier zwölf Tage nach der Saison entlassen, weil er das Team als Kronzeuge im Kopierskandal bei der FIA-Polizei hingehängt hatte. Alonso fühlte sich zu jung für ein Jahr Pause. Nach 38 Tagen in vertragslosem Zustand fand der WM-Dritte von 2007 Unterschlupf bei dem Team, das ihn 2005 und 2006 zum Weltmeister gemacht hatte. Renault setzte dafür Heikki Kovalainen auf die Straße.

Auch Jenson Button hatte in seiner Meistersaison verzockt. Der Engländer pokerte zu hoch mit seinen Gehaltsforderungen. Teamchef Ross Brawn ließ seinen Weltmeister ziehen. Button suchte Ersatz und wurde bei McLaren fündig. Zum Preis, dass er mit Hamilton in einem Team fahren musste. Button wusste zu dem Zeitpunkt noch nichts davon, dass BrawnGP an Mercedes verkauft werden würde. Für Button hat sich der Wechsel trotzdem ausgezahlt. Der Champion von 2009 gewann in seiner McLaren-Zeit acht Grand Prix. Mercedes-Piloten standen bis 2012 nur ein Mal ganz oben auf dem Treppchen.

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