Wer fährt bei Toro Rosso 2019?

Die Schlange der Bewerber wird länger

Pierre Gasly - Brendon Hartley - Toro Rosso - GP Österreich 2018 Foto: sutton-images.com

Toro Rosso hat für 2019 noch ein freies Cockpit neben Daniil Kvyat. Die Schlange der Bewerber ist lang. Wir haben uns mit Motorsportchef Helmut Marko unterhalten, um herauszufinden, wer in Frage kommen könnte oder nicht.

Das ist die Situation auf dem Fahrermarkt der Formel 1. Es gibt mehr freie Fahrer mit Formel 1-Qualitäten als freie Cockpits. Deshalb wird die Schlange der Bewerber für die wenigen verfügbaren Sitze in der Königsklasse länger und länger. Wenn wir davon ausgehen, dass sich Sauber nur noch zwischen Antonio Giovinazzi und Marcus Ericsson entscheiden muss und Daniil Kvyat als einer der beiden Toro Rosso-Fahrer für 2019 gesetzt ist, gibt es nur noch bei Williams und Toro Rosso je eine offene Stelle.

Konzentrieren wir uns hier auf das Juniorteam von Red Bull. Es ist der attraktivere Platz. Toro Rosso wird 2019 mit Red Bull so viele Synergien bilden wie es das Reglement zulässt. Also wie zwischen Ferrari und HaasF1. Und Honda wird im nächsten Jahr eine ordentliche Schippe drauf legen. Einen ersten Vorgeschmack könnte es schon in Sotschi geben. Die Japaner wollen den Einsatz des Spec 3-Motors nun offenbar doch vorziehen. „Die Prüfstands-Tests sind gut verlaufen“, heißt es bei Red Bull.

Die Red Bull-Lösung: Hartley, Ticktum oder Buemi

Wer also kommt neben Kvyat in Frage? Theoretisch einmal alle, die einem da so einfallen. Als erstes Brendon Hartley. Motorsportchef Helmut Marko hat dem Neuseeländer im letzten Jahr eine zweite Chance gegeben. Hartley ist einer, der länger braucht. „Es wäre nicht das dümmste, ihn ein weiteres Jahr fahren zu lassen“, heißt es aus dem Team. Hartley selbst sagt: „Das beste was ich tun kann, ist einfach Leistung zu zeigen. Ich werde mit jedem Rennen stärker, auch wenn die Resultate das nicht zeigen. Es lagen immer mal wieder Punkte drin, aber leider war ich oft zur falschen Zeit am falschen Ort. Wahrscheinlich brauche ich noch ein paar Resultate in den Punkterängen, um zu überzeugen.“

Intern ist der 19-jährige Engländer Daniel Ticktum Hartleys größter Konkurrent. Der Formel 3-Spitzenreiter hat einen Schlag beim Doktor aus Graz. Er mag unkonventionelle Typen, die sich nichts gefallen lassen. Weil Ticktum ein paar Mal übers Ziel hinausgeschossen ist und auch schon mal ein Jahr gesperrt war, hat man ihn nach Milton Keynes zum „Abkühlen“ beordert. Das Problem bei Red Bulls Nachwuchsstar: Er braucht den Formel 3-Titel für die Superlizenz-Punkte. Sein Vorsprung auf Mick Schumacher ist aber auf 3 Punkte geschrumpft. Wenn er es nicht schafft, steht eine Ehrenrunde in der japanischen Super Formula an. „Die hat schon Gasly gut getan“, meint Marko.

Sebastien Buemi hat gerade seinen Vertrag als Simulatorfahrer für Red Bull erneuert. Er kommt aus dem Red Bull-Kader, fuhr von 2009 bis 2011 für ToroRosso, ist Le Mans-Sieger 2018 und Formel E-Meister 2016. Hätte er nicht eine zweite Chance verdient? Helmut Marko antwortet: „Wir sind mit seinem Simulator-Job hoch zufrieden. Für ein Cockpit im Auto tanzt er auf zu vielen Hochzeiten.“ Buemi ist in der WEC Toyota-Werkspilot, und er fährt in der kommenden Saison mit einem Nissan-Antrieb in der Formel E. In der Formel 1 wäre er ein Honda-Mann. „Ein bisschen viel auf einmal“, lacht selbst Buemi.

Die Lösung von außen: Wehrlein, Vandoorne, Rossi oder Sirotkin

Esteban Ocon wäre frei, aber er ist als Mercedes-Fahrer für Toro Rosso nicht kompatibel. „Er müsste sich erst aus allen seinen Verträgen lösen, bevor wir überhaupt anfangen darüber nachzudenken. Ocon steckt gleich in drei Programmen oder Management-Verträgen drin“, winkt Marko ab. Die da sind: Mercedes, Toto Wolff und Genii. Dass die Mercedes-Connection bei der Cockpit-Suche manchmal nicht hilfreich ist, hat auch Pascal Wehrlein erkannt. Deshalb hat der frühere Sauber-Pilot seinen Mercedes-Vertrag nicht verlängert und ist nun ein freier Agent. Toro Rosso-Teamchef Franz Tost hält viel von dem Deutschen. „Im Moment kein Thema für uns“, bremst Marko. Der Zusatz „im Moment“ lässt Wehrlein hoffen, dass hier vielleicht doch noch etwas geht.

Lance Stroll - Williams - Esteban Ocon - Force India - GP Singapur 2018 Ocon blockiert Stroll-Wechsel Bei Williams kein Platz für Ocon

Stoffel Vandoorne dagegen steht nicht auf Markos Wunschzettel: „Er hat eine Vita, wie man sie sich von einem Rennfahrer wünscht. Aber irgendwie hat er in der Formel 1 nicht das gebracht, was man sich von ihm erwartet hat. Du darfst gegen Alonso verlieren, aber nicht immer und nicht mit dem Rückstand.“

Während für Mick Schumacher die Formel 1 noch zu früh kommt, fällt immer mal der Name Alexander Rossi. Der frühere Formel 1-Pilot ist aktuell Vize-Meister der IndyCar-Serie und Amerikaner, was aus Marketinggründen interessant wäre. Mario Andretti lobt Rossi: „Der Junge hat unglaublich viel Mut. Er fährt Manöver, wie ich sie in der IndyCar-Serie schon lange nicht mehr gesehen habe.“ Also ein Fahrer nach Markos Geschmack. Sein Kommentar fällt kurz aus: „Da passt das Umfeld nicht.“ Wir wollen nicht weiter ins Detail gehen.

In Singapur bat ein Vertreter aus dem Management von Sergey Sirotkin Marko zum Gespräch. Man sollte meinen, Sirotkin sitze mit seiner SMP-Kohle bei Williams fest im Sattel. Doch da tut sich mit Artem Markelov ein weitere Russe als Konkurrent bei Williams auf. Der ist bereit, noch mehr Geld in einen Formel 1-Platz zu investieren. Die beiden Russen sind ordentliche Rennfahrer, wenn auch keine Weltmeister von morgen. Aber sie winken mit einer zweistelligen Millionensumme. Was auch aus Sicht von ToroRosso interessant sein könnte.

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