Lewis Hamilton - Mercedes - GP Russland 2021 - Sotschi xpb
Lewis Hamilton - Mercedes - GP Russland 2021 - Sotschi
Lando Norris - McLaren - GP Russland 2021 - Sotschi
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Wetterumschwung spielt Hamilton den 100. Sieg zu

Wetterumschwung spielt Hamilton Sieg zu Endlich der 100. Karriere-Erfolg

GP Russland 2021

Lewis Hamilton hätte den GP Russland ohne Regen nicht gewonnen. Sein Mercedes war dafür nicht schnell genug. Die turbulente Schlussphase spielte ihm das Ass zu. Im Kampf um die Weltmeisterschaft profitierte Max Verstappen aber mehr als der siebenfache Champion vom Chaos.

Es ist geschafft. Lewis Hamilton hat die 100 vollgemacht. Mit dem 100. Sieg seiner Laufbahn schreibt der Mercedes-Star ein weiteres Kapitel in seiner ruhmreichen Karriere. Dabei sah es bis kurz vor Fallen der Zielflagge nicht nach dem fünften Sieg in diesem Jahr und dem fünften im Sochi Autodrom aus.

Lando Norris führte in seinem McLaren. Hamilton befand sich gerade so am Rande des DRS-Fensters. Mal lag er innerhalb einer Sekunde zum papayagelben Auto mit der Startnummer 4. Mal knapp darüber. Die Mercedes-Strategen machen sich nichts vor. Wäre es weiter trocken geblieben, hätte Norris seinen Premieren-Sieg gefeiert. Falls er weiter fehlerlos geblieben wäre.

Das Beispiel Daniel Ricciardo war Mercedes eine Lehre. Im ersten Stint biss sich der Weltmeister über sieben Runden die Zähne am zweiten McLaren aus. Der Mercedes war zwar das schnellere Auto, doch er hätte schon 1,4 Sekunden flotter sein müssen an diesem Tag, um auf der Fahrbahn vorbeizukommen. So groß war das Überhol-Delta in Sotschi.

Lewis Hamilton - Mercedes - GP Russland 2021 - Sotschi
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Lewis Hamilton errang in Sotschi seinen 100. Grand Prix-Sieg in der Formel 1.

McLaren in der Zwickmühle

In freier Fahrt war Hamilton allerdings nur zwischen einer halben und einer Sekunde schneller als sein Vordermann. Und jetzt steckte er in dessen Turbulenzen fest. Das kostet Anpressdruck an der Vorderachse und strapaziert die Reifen. Doch einsetzender Regen spielte dem Abonnement-Weltmeister der Formel 1 den Joker zu. Mercedes steckte zwei Runden eher von Slicks auf Intermediates um als McLaren. Es dauerte eineinhalb Umläufe, und Hamilton hatte den Verlust von über 25 Sekunden wieder aufgeholt. Norris kreiselte für einen Augenblick von der Bahn, der Champion brauste als erster Fahrer ins Ziel.

McLaren zog zu spät die Reißleine, um von Trockenreifen auf Intermediates umzustecken. Bei solch kniffligen Bedingungen kommt eigentlich das Gefühl des Fahrers stärker ins Spiel. Er spürt im Auto, wie rutschig der Untergrund ist und ob die Reifen zu stark auskühlen. Er kann dem Kommandostand in jeder Kurve berichten, wie es um den Regen bestellt ist.

Norris wollte nicht abbiegen, weil er fürchtete, ihm entgleite dadurch der Sieg in der Boxenstraße. McLaren war gewissermaßen in der Zwickmühle gefangen. Eine Führung gibt man nicht so leicht auf. "Ich kann verstehen, dass sie Lando nicht reingeholt haben", urteilte Mercedes-Teamchef Toto Wolff. Der Verfolger war in einer luxuriöseren Position. Man kann beobachten und das Gegenteil machen.

Hamilton wollte nicht in Box

Auch der Superstar der Szene hatte nicht den richtigen Riecher. Trotz all seiner Routine. Der 36-Jährige schlitterte Norris um das Sochi Autodrom hinterher, vor allem in den Kurven 5 und 7, und wollte trotzdem nicht profilierte Reifen aufziehen. "Für die Fahrer war es kompliziert. Die halbe Piste war trocken, die andere feucht", entschuldigte Mercedes-Teamchef Toto Wolff seinen Chefpilot. Für andere lag der Fall aber klar. Zum Beispiel für Max Verstappen oder Ricciardo, die einen Stopp einforderten. "Ich war geduldig und als am Ende der Regen kam, wollte ich Lando nicht ziehen lassen. Aber ich wusste natürlich nicht, wie es mit dem Wetter aussah. Es war einfach mein Bauchgefühl, aber ich bin dem Strategie-Team unheimlich dankbar, dass sie heute so fantastische Arbeit geleistet haben", dankte Hamilton.

Der Champion konnte sich wie so oft auf seine Strategen verlassen. Und die sich auf die Wetterexperten im Team, die das Wetterradar richtig lasen und eine zunehmende Intensität des Regens vorhersagten. Das Zusammenspiel zwischen den Parteien funktionierte perfekt. "Die Piste war feucht genug, um die Intermediates nicht zu ruinieren", führen die Ingenieure aus. Der Blick voraus, das Antizipieren der Bedingungen war ausschlaggebend. "Es geht nicht darum, weiß jetzt passiert, sondern was in den nächsten fünf Minuten eintreffen wird. Uns war klar, dass wir Lewis reinholen müssen."

Lewis Hamilton - Lando Norris - GP Russland 2021 - Sotschi
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Trost vom Weltmeister: Lando Norris hätte den Sieg verdient gehabt. Das weiß auch Hamilton.

Bottas als Wegweiser

Das zweite Auto diente als wichtige Referenz und gab dem Kommandostand die Richtung vor, wie man mit Hamilton verfahren muss. Mercedes rief Valtteri Bottas im 47. Umlauf herein. Es war der perfekte Zeitpunkt. Von einem zwischenzeitlich enttäuschenden 14. Rang brauste der Finne sogar noch in den letzten sechs Runden vor bis an die fünfte Stelle. Zwei Positionen vor Norris, der vom siebenfachen Titelträger ein dickes Lob erhielt. "Lando ist noch so jung. Er wird noch viele Siege einfahren. Er führt dieses Team an und verrichtet sehr gute Arbeit. Für mich ist es heute ein bittersüßer Erfolg, weil mein alter Rennstall leidet", sagte Hamilton.

Dieser 100. Erfolg könnte aber noch in einer anderen Hinsicht bittersüß werden. Weil nicht nur Hamilton vom Regen profitierte, sondern auch der schärfste Widersacher Max Verstappen. Den Red Bull spülte es im turbulenten Finale vom siebten auf den zweiten Rang. So sammelte Verstappen nicht sechs, sondern 18 Punkte. Hamilton hätte als Zweitplatzierter hinter Norris 18 Zähler gesammelt, ergo also 12 Punkte auf Verstappen gutgemacht. So wurden nur sieben daraus.

Bei den Teams verhielt es sich andersherum. Mercedes als Mannschaft sammelte mehr Punkte, als wenn das Rennen mit Stand der 46. Runde zu Ende gegangen wäre. Weil Bottas sonst ohne Zählbares abgereist wäre, und Hamilton sieben Punkte weniger gemacht hätte. So stockte Mercedes in Summe sein Konto um 35 WM-Punkte auf statt zuvor um 18. Red Bull nur um 20 statt 21. Gut für den Konstrukteurs-Pokal, suboptimal für die Fahrer-Weltmeisterschaft: So könnte man es für Mercedes zusammenfassen. Doch einen Sieg hat am Ende des Tages jedes Teammitglied lieber.

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