Lewis Hamilton - Mercedes - GP Spanien 2020 - Barcelona xpb
Lewis Hamilton - Mercedes - GP Spanien 2020 - Barcelona
Lewis Hamilton - Mercedes - GP Spanien 2020 - Barcelona
Impressionen - GP Spanien 2020 - Barcelona
Racing Point - Startaufstellung - GP Spanien 2020 - Barcelona 56 Bilder

Wie löste Mercedes Reifenproblem? Silverstone auf den Kopf gestellt

Wie löste Mercedes das Reifenproblem? Silverstone auf den Kopf gestellt

Mercedes siegte beim GP Spanien als hätte es die Rennen von Silverstone nie gegeben. Nicht Mercedes verschliss seine Reifen, sondern Red Bull. Das verrät, dass es nur zum Teil an den Lehren lag, die Mercedes nach Silverstone gezogen hat.

Eigentlich standen die Vorzeichen für eine weitere Mercedes-Pleite gut. Die katalanische Sonne heizte den Belag auf 50 Grad auf. Barcelona ist auch eine Strecke, die den Reifen viel abverlangt. Max Verstappen sprengte das Mercedes-Duo gleich beim Start. Elf Runden lang hielt sich der Holländer im Zweisekunden-Fenster von Lewis Hamilton. Doch dann machte der Weltmeister ernst. Fünf schnelle Runden in Folge, und schon war der Mercedes mit der Startnummer 44 auf 4,4 Sekunden am Horizont entschwunden. Da wusste Verstappen bereits, dass er das Rennen verloren hatte.

Hamilton hatte mit seinem Verfolger nur gespielt. "Lewis hätte zu diesem Zeitpunkt zwei Sekunden pro Runde schneller fahren können", bestätigte Teamchef Toto Wolff. Und Red Bull-Zerberus Helmut Marko bilanzierte ernüchtert: "Wir waren langsamer und hatten einen höheren Reifenverschleiß." Wie konnte das sein, nur eine Woche nach dem Reifendrama von Mercedes in Silverstone? Warum kehrten sich die Verhältnisse plötzlich ins Gegenteil? Hat Red Bull in Silverstone etwa alles richtig und Mercedes alles falsch gemacht?

Max Verstappen - Red Bull - GP Spanien 2020 - Barcelona
Wilhelm
Max Verstappen verlegte sich früh darauf, den zweiten Platz zu verteidigen. Hamilton war außer Reichweite.

Vier Faktoren pro Mercedes

Natürlich hat man in Brackley die Niederlage nicht auf sich sitzen lassen. Es wurde viel analysiert, gerechnet und simuliert, um aus Barcelona kein zweites Silverstone werden zu lassen. "Am Ende haben wir gar nicht so viel geändert", traf Hamilton den Nagel auf den Kopf. "Und ich habe das gleiche Reifenmanagement betrieben wie immer. Es gab höchstens Anpassungen im Detail." Der größte Unterschied lag in den Rahmenbedingungen. Die im Vergleich zu den Silverstone-Rennen größere Hitze spielte dabei nur eine untergeordnete Rolle.

Vier Faktoren haben Mercedes in die Karten gespielt. Erstens das Streckenlayout. In Barcelona gibt es drei Kurven, wo über lange Radien hohe Kräfte in den kurvenäußeren Reifen eingeleitet werden. In Silverstone waren es zwölf. Zweitens der Streckenbelag: Der Asphalt in Silverstone ist laut Mercedes-Teamchef Toto Wolff glatt wie ein Spiegel, der in Barcelona rau wie ein Reibeisen. Drittens die Reifen: Pirelli lieferte die drei härtesten Mischungen in seinem Portfolio und reduzierte mit 23 und 20,5 PSI die Luftdrücke wieder auf ein normales Maß. Beim zweiten Silverstone-Rennen rollten die Autos bei Drücken bis 27 PSI auf Ballonreifen. Und viertens verlangt der Circuit de Catalunya nach mehr Abtrieb als Silverstone.

Valtteri Bottas - Mercedes - GP Spanien 2020 - Barcelona
xpb
Valtteri Bottas bezahlte für einen schlechten Start.

Mercedes trifft Vorkehrungen

Damit war schon mal eine Gefahr gebannt. Die Reifen warfen keine Blasen. Das Hauptproblem war klar abgesteckt. Hoher Verschleiß. Damit drohte Mercedes in der Theorie eher das Problem des ersten Silverstone-Rennens. Doch wegen der Streckencharakteristik weniger stark. Es waren viel weniger Kurven da, die dem Reifen den Gummi von der Lauffläche ziehen. Außerdem stand ein Einstopp-Rennen für keinen zur Debatte, und es gab auch kein frühes Safety Car, dass die Teams zu einem Stopp getrieben hätte. Nur drei Fahrer versuchten es, und die saßen in viel langsameren Autos wie der Mercedes.

Der Titelverteidiger hatte aber auch Vorkehrungen getroffen, die es weder zu einem Silverstone 1-Szenario oder einem Silverstone 2-Drama kommen ließen. Schon am Freitag wurde viel Arbeit investiert, die Autos perfekt auszubalancieren. Da hatte man aus den beiden England-Episoden gelernt. Im ersten Silverstone-Rennen musste der Vorderreifen zu stark leiden, im zweiten der Hinterreifen. Außerdem setzte Mercedes auf maximalen Abtrieb. Man konnte sicher sein, in die erste Startreihe zu fahren. Da war der Topspeed egal. Für Hamilton zumindest. Valtteri Bottas hätte ihn gebrauchen können, doch der Finne kam Max Verstappen nie richtig nahe, um einen Angriff zu starten. Außerdem war Hamilton in einer viel komfortableren Lage, das Tempo im ersten Stint zu bestimmen. Verstappen hatte nicht seinen Speed.

Dass Mercedes am Ende 24 Sekunden vor Red Bull ins Ziel kam und trotzdem die Reifen besser schonte, ist kein Widerspruch, sondern logisch. Auf dem rauen Asphalt bestimmte der Rutschfaktor den Verschleiß, nicht die Kräfte auf den Reifen durch hohen Anpressdruck. Die Red Bull waren mit weniger Abtrieb unterwegs und rutschten mehr. Das kostete Reifengummi. Diese Erfahrung hatte man übrigens schon in Budapest gemacht. Es zeigte sich aber auch wieder, wie wichtig die Führungsposition ist. Bottas war nach dem schlechten Start gezwungen dann Gas zu geben, wenn es der Reifen gar nicht gebrauchen konnte. Dafür bezahlte er. Hamilton wäre es im umgekehrten Fall genauso gegangen.

Mehr zum Thema GP Spanien
Impressionen - Test - Formel 1 - Bahrain - 12. März 2021
Aktuell
Ferrari - Formel 1 - GP Spanien 2021
Aktuell
Max Verstappen - GP Spanien 2021
Aktuell
Mehr anzeigen