Williams-Fahrerpoker

Räikkönen-Besuch als Druckmittel?

Kimi Räikkönen Foto: Citroen 143 Bilder

Kimi Räikkönen war am Mittwoch vor Monza in der Williams-Fabrik. Der Finne will nach zwei Jahren Rallye-Abenteuer wieder zurück auf die Rennstrecke. Doch möglicherweise wird Räikkönen nur als Druckmittel für die anderen Interessenten benutzt.

Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer in der Williams-Fabrik. Kimi Räikkönen ist zu Besuch. Teamchef Adam Parr führte den Weltmeister von 2007 ganz offiziell durch alle Abteilungen in Grove. So, dass es jeder sehen musste. Räikkönen wäre für Williams eine Art Erlöser. Das Team ist auf Platz neun der Konstrukteurswertung abgerutscht. Und wenn es überhaupt Sinn machen würde, Oldie Rubens Barrichello zu ersetzen, dann kommt am ehesten der 18-fache GP-Sieger in Frage. Er ist schnell und hat Erfahrung.

Räikkönen will in die Formel 1 zurück

Räikkönen ist das Rallyefahren leid. Er will wieder zurück auf die Rennstrecke. Und er will nicht noch mehr eigenes Geld in den Motorsport stecken. Viele Möglichkeiten gibt es nicht. Der kurze Abstecher in die Nascar-Serie hat dem 31-jährigen Finnen vermutlich gezeigt, dass er auf den Ovalkursen sein Talent verschleudert. Le Mans wäre noch eine Alternative, aber kein gleichwertiger Ersatz für die Formel 1. Das Problem von Räikkönen ist, dass er Geld kostet. Auch wenn er seine Ansprüche längst in den einstelligen Millionenbereich heruntergeschraubt hat. Damit er überhaupt was zum Fahren bekommt.

Williams sucht aber eher Fahrer, die Geld mitbringen. Auf der Kandidatenliste stehen Adrian Sutil, Jules Bianchi, Giedo van der Garde und Romain Grosjean. Sutil, Bianchi und van der Garde haben Sponsoren von rund fünf Millionen Euro im Schlepptau. Mit dem Franzosen Grosjean könnten sich bessere Konditionen bei Motorenpartner Renault rausschlagen lassen. Auch Vitaly Petrov wäre eine Alternative, sollte er bei Renault seinen Platz verlieren. Mit dem Renault-Piloten ließe sich in Russland Geld finden.

Räkkönen-Besuch Teil des Spiels?

Der Besuch von Räikkönen in der Fabrik kann zwei Motive haben. Das offensichtliche: Räikkönen soll Sponsoren überzeugen, die Williams ins Auge gefasst hat. Wahrscheinlicher aber ist, dass Räikkönen nur benutzt wurde, um die anderen Bewerber aufzuschrecken. Damit deren Sponsoren noch die ein oder andere Million drauflegen. Für die These spricht, dass Parr nichts unternommen hat, um Räikkönens Besuch zu verheimlichen.

Bei Adrian Sutil soll es anders gelaufen sein. Der Deutsche wurde am Mittwoch vor Monza spät nachts in der Williams-Fabrik gesehen. Der Besuch wird von Sutil weiterhin bestritten. Doch bei Williams gibt es Leute, die schwören Stein und Bein, dass es so war. Die Frage lautet: Wer sagt die Wahrheit?

Sutil sitzt zwischen den Stühlen

Es wäre angesichts des Vertragspokers bei Force India nicht besonders klug von Sutil, sich bei der Konkurrenz blicken zu lassen. Beim Auswahlverfahren zwischen Sutil, di Resta und Hülkenberg kann jede Kleinigkeit zählen. Andererseits ist es für Sutil gefährlich, bis Dezember zu warten, wenn Force India seine Entscheidung treffen will.

Im Gegensatz zu seinen beiden Kollegen hat er mit Williams immerhin eine Alternative. Die aber leider nicht hundertprozentig ist. Entscheidungen könnten auch in Grove länger dauern. Sutil sollte mal bei Nico Hülkenberg nachfragen. Der wurde im letzten Jahr bis zum letzten Saisonrennen hingehalten, um dann doch eine Absage zu bekommen.

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