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Williams mit Mercedes-Getriebe: Partner, aber kein B-Team

Williams bezieht Mercedes-Getriebe Partnerschaft, aber kein B-Team

Williams sucht nach Wegen, um aus dem Tabellenkeller zu kommen. Um sich stärker auf die Aerodynamik konzentrieren zu können, wird die Getriebeentwicklung eingestellt. Die Kraftübertragung bezieht der Rennstall wie die Motoren zukünftig von Mercedes.

Unter der alten Teamführung war Williams seine Unabhängigkeit heilig. Die Mitarbeiter sollten sie mit jeder Faser leben, und die Öffentlichkeit den Stolz des Rennstalls auf das eigene Produkt, das eigene Auto mit der maximal möglichen Anzahl an Teilen aus der Williams-Produktion spüren. Dazu gehörte auch, ein eigenes Getriebe zu bauen, und sich nicht gleich eines mit dem Motor liefern zu lassen. Williams weigerte sich, sich zu sehr an einen Hersteller zu binden. Auch wenn andere Privatteams einen anderen Weg einschlugen.

Racing Point bezieht neben dem Sechszylinder-Turbo und den dazugehörigen Hybridbausteinen auch das Getriebe, die Hinterradaufhängung und die Hydraulikkomponenten von Mercedes. Haas und Alfa Romeo nehmen den kompletten Antriebsstrang von Ferrari. Der US-Rennstall geht am weitesten und kauft in Maranello ein, was das Regelwerk hergibt.

Paradigmenwechsel bei Williams

Unter den neuen Besitzern findet bei Williams ein Paradigmenwechsel statt. Im Sommer übernahm die private US-Investmentfirma Dorilton Capital von der Gründerfamilie. Die neuen Chefs ändern die Politik. 2021 wird das letzte Jahr sein, indem Williams sein eigenes Getriebe entwirft. Im Jahr darauf wird der Traditionsrennstall neben dem Motor auch die Kraftübertragung bei Mercedes einkaufen – inklusive der dazugehörenden Hydraulik.

In einer gemeinsamen Erklärung sprechen die Partner von einer Win-Win-Situation. Williams-Teamchef Simon Roberts stellt klar, dass Williams weiter ein unabhängiges Team sei. Man legt Wert darauf, dass der Traditionsrennstall nicht zu einem B-Team mutiert, auch wenn man sich stärker bei Mercedes bedient. Williams will deshalb im Gegensatz zu Racing Point auch weiterhin die Hinterradaufhängung selbst konstruieren.

"Aber die Formel 1 entwickelt sich ständig weiter und als Team müssen wir agil sein, um auf das aktuelle Umfeld zu reagieren. Nur so können wir uns in die bestmögliche Ausgangsposition bringen, um auf der Rennstrecke wettbewerbsfähig zu sein", sagt Roberts. Mercedes-Teamchef Toto Wolff. "Angesichts der Skaleneffekte macht es für uns Sinn, unter dem neuen Reglement ein weiteres Team zu beliefern."

Nicholas Latifi - Williams - Formel 1 - GP Abu Dhabi - Freitag - 11.12.2020
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Seit 2014 fährt Williams mit Mercedes-Motoren. Ab 2022 kommt das Getriebe dazu.

Langfristiger Vertrag

Das Getriebe ist auf direktem Weg keine entscheidende Einflussgröße mehr auf die Performance unter den Autos, wie es das einmal war. Zum Beispiel 1989, als Ferrari auf eine Halbautomatik umsattelte mit Schaltwippen am Lenkrad. Inzwischen ist die Getriebeentwicklung weitgehend zusammengelaufen.

Auf indirektem Weg hat das Design allerdings Auswirkungen. Wer das Getriebe kompakter baut, kann das Heck schlanker machen. Was der Aerodynamik und dem Abtrieb dienlich ist. Ferrari zum Beispiel soll sich seine beiden Entwicklungstoken für ein anders konstruiertes Getriebe reserviert haben, um sein zu breit bauendes Heck zu verschlanken. Für einen besseren Luftstrom auf dem Diffusor-Dach.

Über die Vertragslaufzeit verliert weder Williams noch Mercedes ein Wort. Man kann sie sich herleiten. Der Motorendeal läuft bis einschließlich 2025. Ab 2022 wird die Getriebe-Spezifikation bis einschließlich 2025 homologiert. So schreibt es das Technik-Reglement unter Artikel 9.5 fest. Da liegt die Mindestlaufzeit auf der Hand. Zumal spätestens 2026 ein neues Motorenreglement greifen soll. Dann braucht es ohnehin eine neue Schaltbox.

Carlos Sainz - McLaren - Formel 1 - GP Abu Dhabi - Samstag - 12.12.2020
Wilhelm
McLaren wird weiter sein eigenes Getriebe bauen, trotz Wechsel auf Mercedes-Motor.

Fokus auf Aerodynamik

Es ist den Herstellern ab Homologationsbeginn bis 2025 nur ein Upgrade am Getriebe gestattet. Abgesehen davon dürfen sie nur Hand anlegen, wenn sie ein Zuverlässigkeitsproblem nachweisen können oder eine Umgestaltung zu einer Kostenersparnis führt.

Williams kann sich in Zukunft die Getriebeentwicklung sparen, und stattdessen Ressourcen und Hirnschmalz in andere Bereiche investieren. In die, die tatsächlich einen großen Unterschied machen. Für die Chassisabteilung in Grove ist das die Aerodynamik. Die freigewordenen Kapazitäten wird man gut gebrauchen können, wenn 2022 ein völlig neues Regelwerk für die Autos greift. Die Erweiterung der Partnerschaft klingt deshalb sinnig.

Andererseits gibt es eigentlich keinen Weg zurück. Wer einmal die Getriebeabteilung zusperrt, kann sie nicht so einfach wieder aufbauen und produzieren. Weil keiner über Jahre die Produktionsanlagen brach liegen lässt. Es wandert zwangsläufig Expertise ab. Die Hersteller bauen mit diesen Partnerschaften ihre Machtposition weiter aus, die sie über die Motoren ohnehin schon haben. Mercedes hat nun mit Racing Point und Williams zwei Kunden stark an sich gebunden. Es geht auch anders. McLaren schert aus und baut weiter sein eigenes Getriebe.

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