Claire Williams - Frank Williams - Formel 1 - GP England 2019 xpb
144 Bilder

Williams schreibt große Verluste: Formel-1-Team steht zum Verkauf

Williams schreibt große Verluste Formel-1-Team steht zum Verkauf

Williams steht unter Druck: Umsatzeinbußen, Verlust des Hauptsponsors, Corona-Pandemie. Deshalb erwägt der Traditionsrennstall den Verkauf. Damit würde die Ära des letzten großen Privatteams der Formel-1-Geschichte enden.

Bislang hatten sich Frank Williams, Gründer des Rennstalls und langjähriger Teamchef, und Claire Williams, seine Tochter und Stellvertreterin, wiederholt gegen einen Verkauf von Williams ausgesprochen. Man wolle die Unabhängigkeit des Teams wahren und trotz der schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen gegen die Automobil-Konzerne und von Milliardären gestützten anderen Privatteams antreten.

Doch nun zwingen die schlechten Leistungen auf der Rennstrecke, daraus folgende Gewinneinbrüche und die Coronakrise zu einem Umdenken. Wie die Williams Grand Prix Holdings am Freitag (29.5.2020) bekanntgab, denkt die Unternehmensführung ernsthaft über einen Verkauf nach.

Demnach wägt Williams zwischen drei Möglichkeiten ab: dem Verkauf einer Minderheitsbeteiligung, einer Übernahme durch eine Mehrheit oder den Komplettverkauf des Rennstalls. Erste Gespräche mit möglichen Käufern seien bereits gestartet.

Claire Williams - Formel 1
xpb
Claire Williams führt die Geschäfte des Teams.

Williams auf Platz zehn abgerutscht

In den letzten Jahren erlebte der drittälteste Rennstall der Formel 1 nach Ferrari und McLaren einen großen Abschwung. Nichts mehr deutete auf das Team hin, das in der Vergangenheit unter der Führung von Frank Williams und Patrick Head neun Mal die Konstrukteurs-Weltmeisterschaft gewann, sieben Mal den Fahrer-Weltmeister stellte, 114 GP-Siege feierte und 128 Mal auf Pole-Position stand.

Williams war vor allem in den 1990er Jahren Technik-Branchenführer in der Formel 1. Doch es folgte ein schleichender Niedergang, der spätestens Mitte der 2000er Jahre einsetzte. Seit acht Jahren hat Williams keinen Rennsieg mehr gefeiert. Der letzte Erfolg datiert vom 13. Mai 2012, der vorletzte Sieg in der Königsklasse vom 24. Oktober 2004.

Zu Beginn der Hybridära ab 2014 profitierte Williams noch vom Mercedes-Motor. Auf zwei dritte Plätze in der Team-WM folgten zwei Fünfte. Ab 2018 begann der Zerfall. Erst wurde Williams mit sieben Punkten Letzter. 2019 holte der dritterfolgreichste Rennstall der Formel-1-Geschichte nur einen kümmerlichen Punkt.

Robert Kubica - Williams - GP Belgien 2019
Motorsport Images
Williams rutschte in den letzten Jahren kontinuierlich ab.

F1-Team verliert 35 Millionen

Die schlechten Ergebnisse auf der Rennstrecke haben zu einem Umsatzrückgang geführt. Williams bekommt zwar einen Millionen-Bonus für frühere WM-Titel und die langjährige Präsenz in der Formel 1. Doch durch zwei zehnte Plätze in Folge schrumpfen die sonstigen Einnahmen aus dem großen Rechtetopf zusammen.

Die Unternehmensgruppe musste im letzten Jahr einen Umsatzrückgang von 176,5 auf 160,2 Millionen Pfund verkraften. Das Formel-1-Geschäft, das 2018 noch 130,7 Millionen Pfund erwirtschaftet hatte, schrumpfte im Vorjahr auf 95,4 Millionen. Aus einem Gewinn vor Steuern und Abschreibungen von 16 Millionen Pfund (EBITDA) wurde ein Verlust von 10,1 Millionen.

Das konnte selbst der zweite Arm der Firma, Williams Advanced Engineering, nicht auffangen. Unter diesem Namen läuft die Technologiesparte, die zum Beispiel einst die Formel E mit Batterien bediente und mit Lotus am Hypercar Evija arbeitet.

Williams Advanced Engineering steigerte den Umsatz von 44,8 auf 63,7 Millionen Pfund. Die anderen Unternehmenseinkünfte sind mit 1,1 Millionen eher zu vernachlässigen. Unterm Strich schrieb die Williams-Gruppe einen Verlust von 13 Millionen, statt wie 2018 einen Gewinn von 12,9 Millionen Pfund zu verbuchen.

Partnerschaft mit Rokit beendet

2020 ist an einen Aufschwung nicht zu denken. Zu sehr wird die Coronakrise ihre Spuren hinterlassen. Selbst wenn die Formel 1 in diesem Jahr tatsächlich noch mindestens 15 Rennen fährt und die vollen TV- und Sponsorengelder fließen sollten. Der Gesamttopf für die Ausschüttungen wird kleiner ausfallen. Williams wird in diesem Jahr zudem weniger einnehmen, weil die Formel 1 den Verteilungsschlüssel anhand der Ergebnisse von 2019 anlegt. Und da war Williams Letzter.

Zwar präsentierte sich der Rennstall bei den Wintertestfahrten im Februar in verbesserter Form. Immerhin ein kleiner Hoffnungsschimmer, dass sich die umfangreichen Umstrukturierungen in Grove auszahlen. Doch die meisten Experten gehen davon aus, dass sich Williams weiter nur um die letzten Plätze wird streiten können. Punkte werden wahrscheinlich nur möglich sein, wenn Chaos vorherrscht. So wie in Hockenheim 2019. Und selbst da brauchte Williams eine Strafe gegen Alfa-Romeo-Sauber, um tatsächlich in die Punkteränge aufzurücken.

Die Coronakrise wirkt sich auch auf teameigene Sponsoren aus. Williams verkündete, dass die Partnerschaft mit Hauptsponsor Rokit mit sofortiger Wirkung beendet sei. Eigentlich wären beide Parteien noch bis 2023 aneinander gebunden. Was zur Trennung führte, ist unklar. Sicher ist: Es wird die Williams-Einnahmen zusätzlich schmälern. Das Team muss einen neuen Hauptsponsor suchen.

Williams FW43: Der Rennwagen für 2020

Williams FW43 - F1-Auto für 2020
Williams FW43 - F1-Auto für 2020 Williams FW43 - F1-Auto für 2020 Williams FW43 - F1-Auto für 2020 Williams FW43 - F1-Auto für 2020 21 Bilder

Williams sucht Geldgeber

Nicht einmal das Budgetcap der Formel 1, das ab 2021 greift, scheint als Rettungsanker zu reichen, um auch in Zukunft unabhängig bleiben zu können. Die Teams dürfen 2021 nur 145 Millionen Dollar ausgeben. 2022 wird die Budgetobergrenze auf 140 Millionen Dollar abgesenkt, 2023 auf 135 Millionen. Zwar gibt es Ausnahmen von der Regel, doch Privatteams sollte generell zu mehr Chancengleichheit verholfen werden.

Zumal die Ausschüttung ebenfalls angepasst wird. Die kleinen Teams sollen im Verhältnis zu den Großen mehr Geld erhalten. Trotzdem erwägt Williams den Verkauf. Eine Minderheitsbeteiligung gab es übrigens bereits vorher. Drei Jahrzehnte lang war Williams ein Familienunternehmen. Bis Toto Wolff in den Rennstall investierte. Nach seinem Wechsel zu Mercedes verkaufte der Österreicher seine Anteile.

An Williams Advanced Engineering halt die Familie ohnehin seit Ende 2019 nur noch eine Minderheit. Bald könnte das auch beim Formel-1-Team der Fall sein. Williams sucht händeringend nach Geldquellen. Für 50 Millionen sollen bereits rund 130 Formel-1-Autos verpfändet worden sein. Zuerst an eine Bank, dann an Milliardär Michael Latifi. Der Kanadier dürfte ein Kandidat für die Firmenübernahme sein. Sein Sohn Nicholas fährt seit 2020 für Williams. Sollte es soweit kommen, würde das letzte der einst so vielen legendären Privatteams der Formel 1 seine Unabhängigkeit verlieren.

Mehr zum Thema Williams F1
George Russell - Williams - GP Emilia-Romagna 2020 - Imola
Aktuell
Nicholas Latifi - George Russell - Williams - Formel 1
Aktuell
George Russell - GP Steiermark - Österreich 2020
Aktuell